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Zweites Cradle-to-Cradle-Forum von Drees & Sommer: Der Markt kommt in Bewegung


  

(18.5.2015) Die Bau- und Immobilienbranche realisiert erste Cradle-to-Cradle-Projekte. Dies wurde beim zweiten Cradle-to-Cradle-Forum von Drees & Sommer am 23.4.2015 im Stutt­garter Schloss Solitude klar: Bauherren, Inves­toren, Projektentwickler, Finanzierer und Archi­tekten diskutierten über die Zukunft der Bran­che und stellten ihre Entwicklungen den über 100 Gästen vor.

Zur Erinnerung: Das Cradle-to-Cradle-(Von der Wiege zur Wiege)-Prinzip beruht auf der Idee, verwendete Rohstoffe immer wieder in der gleichen Güte neu einzusetzen. Alle Produkte sollen so entwickelt werden, dass sie für die Umwelt und die Gesell­schaft nützlich sind. Heute wird die Frage nach dem Warum nicht mehr gestellt - die globale Mittelschicht wird sich bis 2030 auf fünf Milliarden Menschen verdoppeln, sie alle brauchen Rohstoffe. Wie die C2C-Idee Realität werden kann, hierfür gibt es zahl­reiche verschiedene Ansätze.


v.l.n.r.: Hedwig Heinsman, Christoph Ingenhoven, Prof. Dr. Michael Braungart, Tom Zoellner, Prof. Dr. Hans-Peter Noll, Manfred Pernitsch, Dr. Peter Mösle, Markus Häfner, Valentin Brenner (Bild vergrößern)

„Cradle to Cradle kommt unausweichlich“, ist sich Dr. Peter Mösle, Partner der Drees & Sommer AG, sicher. „Die Entwicklung unserer Industrie- zu einer Informationsgesell­schaft beschleunigt Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft in hohem Maße. Nach C2C gestaltete Immobilien decken die neuen Wertebedürfnisse der Gesellschaft ab, sie bieten mehr Gesundheit, größere konstruktive Flexibilität, einen hohen Beitrag für die Gesellschaft und eine rentable Wertsicherheit – bei Gebäuden der nächsten Generation gibt es sogar ein Wertsteigerungspotenzial von bis zu 10 Prozent.“

Urban Farmers – der Salat füttert den Fisch

Ein Geschäftsmodell ganz im Sinne einer verschwendungsfreien Kreislaufwirtschaft ha­ben die Urban Farmers aus Zürich entwickelt. Auf Brachflächen und Dächern betrei­ben sie Fischzucht und Gewächshäuser. „Unser Konzept gründet auf einer natürlichen Symbiose von Pflanzen und Fischen. Im Kreislauf reinigen die Pflanzen das Wasser und liefern Nährstoffe für die Fische. Letztlich landet beides frisch auf den Tellern“, erklärt Tom Zoellner, Director Business Development des Start-up-Unternehmens Urban Far­mers Zürich, das System. Ein 1.000 m² Gewächshaus mit 50 m³ Wasser ...

  • produzieren jährlich drei bis fünf Tonnen Fisch sowie 20 t Gemüse und
  • ernähren 340 Personen mit Fisch sowie 250 Personen mit Gemüse - frei von Rückständen und Schadstoffen.

Diese lokale Nahrungsmittelproduktion macht Schule: Nach dem Pilotprojekt im Drei­spitz wird derzeit eine Dachfarm in Den Haag entwickelt. Mit einem IRR (Internal Rate of Return) von 6,7 Prozent verzeichnen die urbanen Bauern auch einen erheblichen wirtschaftlichen Erfolg.

Zeche Zollverein: RAG Montan Immobilien baut RAG Campus - inspiriert durch Cradle to Cradle

Das UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein ist bekannt als ein Ort der Architektur, der Kultur und der Kreativwirtschaft. Grund genug für RAG Montan Immobilien, ihren neu­en Campus dort und nach C2C-Kriterien zu bauen. „Unser Campus wird ein Rohstoff­lager. Wir wissen von Anfang an genau, was wo verbaut werden wird. Das Gebäude wird auch ein Kraftwerk, mit dem Ziel ‚Energie Plus‘. Und es wird ein Lebensraum mit gesunden, ästhetischen Stoffen und Materialien", so Prof. Dr. Hans-Peter Noll, CEO RAG Montan Immobilien. Das Unternehmen versteht sich als Impulsgeber: Flächenre­cycling sei der erste Schritt zu nachhaltigem Handeln. Darüber hinaus kooperiert die RAG Montan Immobilien mit dem Naturschutzbund und engagiert sich unter anderem im Stadtbienennetzwerk.

BMW fährt auf der Schnellstraße zur nachhaltigen Produktion

„95 Prozent der in einem BMW i3 verbauten Materialien sind rezyklierbar“, erklärt Man­fred Pernitsch, Leiter Planungssteuerung und Beratung, Architektur und Bauprojekte BMW Group. Was mit dem i3 bei Automobilen begann, wird auch bei konzerneigenen Immobilien umgesetzt - beispielsweise beim Ausbau des Forschungs- und Innovations­zentrums (FIZ) in München. Bis zu 15.000 neue Arbeitsplätze sollen dort zusätzlich geschaffen werden. Hier werde eine innovationsfördernde Arbeitsumgebung kreiert, welche die Mitarbeiter und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Das Cradle-to-Cradle-Prinzip sei dabei eine wichtige Grundlage innerhalb der strategischen Ausrich­tung. Der Fokus liege auf einer gesunden Arbeitsumgebung, die nicht zur Belastung für künftige Generationen wird und schon heute einen positiven Fußabdruck hinter­lässt. Pernitsch ist sich sicher, dass sich dies auch auf die Produkte positiv auswir­ken wird: „Im Produkt sieht man, in welcher Umgebung es entwickelt wurde.“

Einfach auf dem 3D-Printer ein Gebäude ausdrucken und nach der Nutzung recyceln

„Research by Doing“ ist das Motto des Amsterdamer Büros DUS Architects. Und es tut sich derzeit einiges: Anhand eines Pilotgebäudes aus dem 3D-Drucker werden die Potenziale der neuen Technologie 1:1 erforscht und in der Praxis erprobt. Dabei kom­men biobasierte und vollständig rezyklierbare Materialien zum Einsatz. Nach der Nut­zungsdauer können diese wiederaufbereitet und erneut in den Drucker gefüllt werden.

Die Grundstoffe sind formflexibel. Bis zu fünf Meter hohe Häuserelemente lassen sich mit dieser Technik herstellen. Die Printer können direkt auf der Baustelle installiert werden, so dass ein langer Transport entfällt. Darüber hinaus wird auch an Ästhetik und Wirtschaftlichkeit gedacht: „Nur mit digitaler Produktion lässt sich ein detaillier­tes, individuelles Design zu vernünftigen Preisen noch umsetzen. So entsteht eine persönliche Architektur mit globaler Haltung“, begründet Hedwig Heinsman, Co-Foun­der der DUS.

Christoph Ingenhoven – Orte, die begeistern

„Wir haben weltweit Gebäude nach den jeweils höchsten Zertifizierungskategorien realisiert. Wichtig ist uns aber, dass es darüber hinaus ein umfassendes Commitment gibt. Die Herausforderung liegt darin, mehr zu tun, als der Mindeststandard von uns verlangt. Wir nennen das ‚supergreen`“, so Architekt Christoph Ingenhoven über seine Ziele. Dass dazu auch Cradle to Cradle gehört, steht für ihn außer Frage. Die Mensch­heit wächst und mit ihr die gebaute Umwelt. Ingenhoven fokussiert sich vor allem auf die Städte, darauf, Dichte in ihnen besser organisieren zu können und dabei Orte zu schaffen, die langfristig Menschen begeistern.

Ein Licht geht auf – Kreislaufwirtschaft als Business-Faktor

Philips Lighting sieht in der Kreislaufwirtschaft das Businessmodell der Zukunft. Da­bei besteht das Konzept des Lichtherstellers aus vier Faktoren: Neue (Leasing)-Ge­schäftsmodelle, die den Kreislauf ermöglichen, smartes Design, Rücklauflogistik mit Herstellerverantwortung sowie Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern. Das „Cir­cular Lighting Design“ umfasst die Möglichkeit, ...

  • aufzustocken (Upgradeability),
  • Wartung, das heißt Sicherheit sowie eine lange Lebensdauer,
  • Modularität mit standardisierten Bauteilen und kompatiblen Schnittstellen,
  • einfache Demontage und Recycling.

Schiphol, Cofely und Philips beispielsweise sind eine Kooperation für Light-as-a-Ser­vice mit 3.700 LED-Leuchten in den Terminals am Flughafen Amsterdam Schiphol ein­gegangen. Schiphol zahlt für das Licht, Philips bleibt Inhaber der Anlage und ist ge­meinsam mit Cofely für die Funktion und das Recycling verantwortlich. „Wir gehen neue Wege. Wenn man macht, was man schon immer gemacht hat, bekommt man auch, was man schon immer bekommen hat“, weiß Anton Brummelhuis, Senior Direc­tor Sustainability Philips Lighting.

Bei den Produktherstellern brodelt es

„Derzeit wird auf Hochtouren an den unterschiedlichsten C2C-Produkten gearbeitet“, sagt Valentin Brenner, Leiter des Expertenteams Cradle to Cradle bei Drees & Sommer. Konkrete C2C-Bauprodukte gibt es in der Zwischenzeit einige, wurde bei der Veran­staltung klar.

  • Schüco hat sich gemeinsam mit Drees & Sommer und EPEA, Cradle-to-Cradle-Statthalter in Deutschland, auf den Weg gemacht, die weltweit ersten Cradle-to-Cradle-zertifizierten Fenster und Fassaden zu entwickeln.
  • Stoll Giroflex ist ein Pionier rezyklierbaren Designs. Bereits 1992 brachte das Unternehmen die erste vollständig kreislauffähige Stuhl-Serie auf den Markt. Heute ist ein Großteil der Produktpalette nach den C2C-Prinzipien konstruiert und zertifiziert.
  • Strähle Raum-Systeme, bekannt für Trennwand-, Raum-in-Raum- und Akustik­systeme, setzt auf Cradle to Cradle: Derzeit bereitet das Unternehmen mit Drees & Sommer und EPEA das erste flexible C2C-Trennwandsystem für den deutschen Markt vor.
  • Werner & Mertz (wozu die Marken Erdal, Frosch und tana gehören) setzt Maß­stäbe für professionelle Gebäudereinigung. Mit der Produktlinie Green Care Pro­fessional bietet das Unternehmen erstmals ein Reinigungsmittel an, dessen In­haltsstoffe vollständig für den biologischen Kreislauf konzipiert und nützlich für Mensch und Natur sind. Dieses Engagement wurde jüngst mit dem C2C-Zertifi­kat in Gold belegt - siehe zudem Beitrag „Wenig Baurelevantes unter den Preis­trägern des Bundespreises Ecodesign 2014“ vom 16.11.2014.
  • Mit dem Produkt „BioFoam“ hat Synbra (IsoBouw Dämmtechnik) den weltweit ersten Hartschaum aus nachwachsenden Rohstoffen auf den Markt gebracht. Der Cradle-to-Cradle-zertifizierte Dämmstoff ist bauphysikalisch mit EPS ver­gleichbar, jedoch zu 100 Prozent im biologischen Kreislauf rezyklierbar - siehe auch Baulinks-Beitrag „,Vorwärts dämmen‘ u.a. mit einem Bio-Dämmstoff aus polymerisierter Milchsäure“ vom 31.10.2011.

Die Entwicklung muss Fahrt aufnehmen

„Dank der Umweltdiskussion hat man in den letzten Jahrzehnten viel verändert. Aber Ökoeffizienzdenken alleine liefert uns keine Lösungen für Rohstoffknappheit und Müll­problematik“, resümiert Prof. Dr. Michael Braungart, Entwickler des Cradle-to-Cradle-Prinzip strebt danach, die Innovationen im Bereich C2C zu beschleunigen. Seine Auf­forderung an die Experten, um an Geschwindigkeit zu gewinnen: „Bauen Sie in jedes Ihrer Gebäude ab sofort mindestens fünf C2C-Elemente ein“.

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