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Verdunstungskühlanlagen mit Verantwortung betreiben

(23.10.2015) Seit Januar 2015 gilt in Deutschland die neue VDI 2047 Blatt 2 „Rück­kühlwerke - Sicherstellung des hygienegerechten Betriebs von Verdunstungskühlanla­gen“. Die VDI-Kühlturmregeln definieren die Anforderungen an Hygiene und Überwa­chung von offenen Kühlkreisläufen. Viele Kühlturmbetreiber bewegt nunmehr die Fra­ge, wie sich die neuen Anforderungen in der Praxis umsetzen lassen und mit welchen technischen sowie betrieblichen Voraussetzungen die Anforderungen dauerhaft erfüllt werden können.


„Die Hauptverantwortung trägt eindeutig der Betreiber von Verdunstungskühlanlagen. Er muss sich die Kompetenz und die Mittel aneignen, um für den einwandfreien Betrieb zu sorgen“, betont Gunnar Pretzsch, bei Berkefeld / Veolia der zentrale Fachmann für Kühlturmhygiene. So müsse sichergestellt werden, dass von der Abluft mitgerissene Tröpfchen keine schädlichen Mikroorganismen wie etwa Legionellen, Bakterien, Algen, Protozoen oder Schimmelpilze enthalten.

Zur Erinnerung: Ohne geeignete Maßnahmen zur Kontrolle von mikrobiellem Wachs­tum im Kühlwasser steigt das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung von Personal und Dritten im Umfeld der Kühlanlage. So verweist der VDI auf Hochrechnungen von 2011, denen zufolge in Deutschland jährlich 15.000 bis 30.000 Menschen eine Legio­nellenpneumonie entwickeln. Die Erkrankung wird allerdings aufgrund ihres grippeähn­lichen Verlaufs oft nicht als solche erkannt. Gleichwohl kann eine Infektion im Extrem­fall auch tödlich ausgehen, wie zuletzt die Ausbrüche 2010 in Ulm und 2013 in War­stein verdeutlicht haben. In beiden Fällen wurden Kühlsysteme als eine Infektions­quelle ausgemacht - siehe auch Baulinks-Beitrag „Bayerische Ingenieurekammer-Bau empfiehlt Überprüfung von Klimaanlagen“ vom 16.1.2010. Auch aus diesem Anlass spezifiziert die im Januar 2015 veröffentlichte VDI-Richtlinie 2047 Blatt 2 die Anfor­derungen an einen hygienegerechten Betrieb von Kühltürmen

Gefährdungs- und Risikobeurteilung

Eine Präzisierung der Anforderungen an einen verantwortungsvollen Betrieb von Kühl­türmen verbunden mit praktikabel umsetz- und kontrollierbaren Auflagen war laut Gun­nar Pretzsch „überfällig“. U.a. ist nach VDI 2047-2 eine Gefährdungs- und Risikobeur­teilung vorzunehmen. Dazu gehört eine vollständige Dokumentation des Systems, sei­nes Betriebs einschließlich der eingesetzten Wirkstoffe und aller eventuellen Änderun­gen. Geregelt sind in der Norm auch die relevanten Grenzwerte hinsichtlich der Kolo­niezahlen von Pseudomonas aeruginosa und Legionella spp. Breiten Raum nehmen au­ßerdem die Hygieneanforderungen an die Konstruktion und die verwendeten Materia­lien sowie implementierte Kontrollroutinen ein.

Mängel, die festgestellt werden, müssen dokumentiert und entsprechende Maßnahmen definiert werden. Mängel, die häufig festgestellt werden, sind u.a. ...

  • eine mangelhafte Absalzung bzw. Leitfähigkeitsüberwachung,
  • Probleme bei der Zusatzwasseraufbereitung, der Konditionierung oder infolge von Produktionsumstellungen und
  • Leckagen an Wärmeüberträgern.

Empfohlene Lösungen: Kühlturmaudit, Technik, Schulungen

Ein umfassendes Bild vom Zustand des Kühlturms liefert ein Kühlturmaudit. Veolia emp­fiehlt dazu eine gründliche wirtschaftliche, technische und rechtliche Bestandsaufnah­me des Gesamtsystems. Damit erhält der Bertreiber qualifizierte Antworten auf Fragen nach der optimalen Qualität des Kühlturmzusatzwassers, der Wirkung der eingesetzten Dosierchemikalien, der Wirtschaftlichkeit des Systems und der Konformität mit der VDI 2047-2 und anderen relevanten Richtlinien. Zur Aus- und Weiterbildung des Betreiber­personals eignen sich VDI-zertifizierte Schulungen, die Anbieter wie u.a. Veolia als Ta­gesseminar durchführen - siehe dazu auch Baulinks-Beitrag „VDI-Schulung zum hygie­nisch sicheren Betrieb von Verdunstungskühlanlagen“ vom 7.11.2014.

Sicher steuern, Biozide vermeiden

Letztlich stehen auch die Technik des Kühlturms und vor allem dessen Überwachung im Fokus. Eine verlässliche Steuerung und Überwachung bieten für diese Anwendung speziell konzipierte Systeme wie AquaVista BW, die für eine kontinuierliche und zuver­lässige Messung und Dokumentation von Schlüsselparametern wie pH-Wert, Leitfähig­keit, Redox, Produktgehalt und Korrosionsrate sorgen. AquaVista verfügt auch über eine Datenvisualisierung zur Trendanalyse. Das System ermöglicht eine Steuerung vor Ort oder aus der Ferne über alle gängigen Endgeräte wie Tablets oder Smartphones:


Die VDI 2047-2 schreibt vor, dass auf die „Verwendung von Bioziden, wann immer möglich, zu verzichten ist“. Um diese Herausforderung zu meistern und gleichzeitig eine einwandfreie Hygiene zu gewährleisten, bietet sich u.a. die BerkeMOL LIK-Tech­nik an. Dieser Vollmetallkatalysator nutzt Keimfragmente im Kühlwasser zur Produktion von Biotensiden, die Biofilme abbauen und deren Ansiedlung verhindern können. Die­ses Verfahren kommt ohne den Einsatz von Bioziden aus und hat sich in zahlreichen An­wendungen erfolgreich bewährt.

„Insgesamt stellt uns die VDI 2047-2 vor anspruchsvolle Aufgaben“, resümiert Gunnar Pretzsch, „aber die Erfüllung ist sinnvoll und realisierbar. Die Anforderungen sollten ernst genommen werden.“ Dies gelte insbesondere, weil der Gesetzgeber plane, die wesentlichen Inhalte dieser VDI-Norm im Rahmen einer Verordnung nach Bundesim­missionsschutzgesetz (BImSchG) zu regeln.

Weitere Informationen zu Verdunstungskühlanlagen können per E-Mail an Berkefeld angefordert werden.

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