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BWP-Branchenprognose 2015/2030: Wärmewende zwischen Klimazielen, Modernisierungsstau und Ölpreis

BWP-Branchenprognose 2015/2030
  

(22.4.2016) Die Wärmepumpe ist eine wesentliche Schlüssel­technologie für eine erfolgreiche Energiewende - in diesem Punkt herrscht sowohl in politischen als auch in wissenschaft­lichen Kreisen weitgehender Konsens. In vielen Zukunftsstu­dien dominiert dementsprechend die Wärmepumpe den Hei­zungsmarkt, Öl- und Gasheizungen spielen dort kaum eine entscheidende Rolle mehr. Diesen Studien liegen in der Regel volkswirtschaftlich optimierte Ausbaupfade zugrunde, um die Energie- und Klimaziele 2050 zu erreichen. Die BWP-Branchen­prognose 2015/2030 nimmt hingegen eine vertriebliche Per­spektive ein und zeigt auf Basis der aktuellen Marktsituation mögliche Ausbaupfade für die Wärmepumpe auf. Sie versteht sich damit als Vergleichsmaßstab für die volkswirtschaftlich orientierten Ausbauszena­rien.

Die derzeitige Entwicklung des Wärmemarktes läuft der Zielvorgabe eines klimaneutra­len Gebäudebestandes 2050 hinterher. Der Wärmepumpen-Absatz stagniert zwischen 55.000 und 60.000 Geräten. Der anhaltend hohe Strompreis und der massive Verfall der Heizölpreise verhindern ein starkes Marktwachstum im Sanierungsgeschäft. Im Neubau hingegen kommen der Wärmepumpe die Vorgaben der Energieeinsparverord­nung (EnEV) zugute - siehe u.a. Baulinks-Beitrag „Wärmepumpenabsatz 2015 trotz Ölpreisverfall nur leicht rückläufig“ vom 31.1.2016 und siehe folgende Grafik aus dem Beitrag „Heizungsindustrie 2015: Brennwert gewinnt, Erneuerbare schwächeln“ vom 24.2.2016:

Dekarbonisierung des Wärmemarktes

„Der Klimagipfel in Paris hat ein neues Schlagwort geprägt: Dekarbonisierung. Nach dem Vorbild der E-Mobilität im Verkehr brauchen wir auch im Wärmesektor eine Stra­tegie für die Elektrifizierung“, so Karl-Heinz Stawiarski, Geschäftsführer des Bundes­verbandes Wärmepumpe. „Die Bundesregierung hat mit der Förderung durch das MAP, der EnEV-Verschärfung und einer verbesserten Informationspolitik positive Wachs­tumssignale für Erneuerbare Energien und insbesondere die Wärmepumpe gesetzt. Blinder Fleck der Umweltpolitik bleibt jedoch die Besteuerung der Energieträger. Die positiven Anreize kommen dadurch nicht voll zum Tragen.“

Klimabeitrag Wärmepumpe

Dabei können Wärmepumpen einen erheblichen Beitrag zur CO₂-Einsparung leisten - betonen BWP-Vertreter immer wieder. Zumal sich die CO₂-Bilanz jeder Wärmepumpe durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Stromsektor kontinuierlich verbesse­re: von 2,16 Tonnen (2015) jährlicher Einsparung auf 3,87 Tonnen (2030). Dieser Ef­fekt wird in der aktuellen Ausgabe der Branchenprognose zum ersten Mal beschrieben: 2030 sparen Wärmepumpen demnach 6,8 bzw. 9,0 Mio. Tonnen CO₂ - je nach Szena­rio:

  • Im ersten Szenario der Branchenstudie steigt der Wärmepumpen-Absatz auf 90.000 Geräte im Jahr 2030, der Marktanteil liegt bei 17,8%. Der Absatz ver­lagert sich tendenziell in den Sanierungsmarkt. Insgesamt sind rund 1,61 Mio. Wärmepumpen in Betrieb (8,1% des Wärmeerzeugerbestandes).
  • Im progressiveren Szenario 2 wächst der Absatz auf 203.000 Geräte (Marktan­teil 27 Prozent). Der zusätzliche Absatz geht hierbei ausschließlich auf die Auf­lösung des Modernisierungsstaus zurück. Der Feldbestand liegt bei 2,37 Mio. Anlagen (11,9% des Bestandes).

In beiden Szenarien machen Luft/Wasser-Wärmepumpen den größten Teil der Verkäu­fe aus. Der Anteil der erdgekoppelten Geräte würde sich bei unter 30% einpendeln. Der Absatz von Warmwasser-Wärmepumpen steigt in den Szenarien auf rund 17.000 bzw. rund 25.000 Geräte an.

Aufgrund der verschlechterten Marktbedingungen mussten die Prognosen der vergan­genen Ausgaben nach unten korrigiert werden: um 24% (Szenario 1) bzw. 35% (Sze­nario 2) im Vergleich mit der ersten Ausgabe der Branchenstudie 2009. Hauptgrund sei der massive Ölpreisverfall, den in dieser Form niemand vorhergesehen hat.

Politische Handlungsempfehlung

Der Erfolg der Wärmepumpe hängt wesentlich von einem starken Wachstum im Be­standsmarkt ab, wo die Wirtschaftlichkeit gegenüber konkurrierenden Lösungen der mit Abstand wichtigste Treiber ist. Eine Neuausrichtung der Energiepreisgestaltung sei daher die wirksamste Maßnahme für eine Beschleunigung des Wärmepumpen-Ab­satzes. Bis diese umgesetzt wird, sei eine effektive Förderpolitik unverzichtbar. Da­neben seien ein aktives Vorantreiben der Sektorkopplung sowie ambitionierte EnEV-Vorgaben wichtige Impulse.

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