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Hochkant gemauert im Sonderformat: Tschaikowsky-Haus im Hamburger Karolinenviertel

(12.7.2016) Kein starres Rechteck, dafür ein dezent zum Achteck geformter Grundriss, eine vertikal gemauerte Fassade, selbstbewusste Gauben: Mit wenigen Abweichungen von der Regel des Riegels wird das neue Gemeindehaus der Russisch-Orthodoxen Kir­che des Hl. Johannes von Kronstadt in Hamburg zu einem unverwechselbaren Stadt­baustein - gut zu erkennen bei Google-Maps (ggf. muss der 3D-Modus deaktiviert werden).


alle Fotos: © GIMA / Bernd Hiepe

Der Neubau des „Tschaikowsky-Hauses“ von Heidenreich Springer Architekten greift die Materialität der bestehenden Kirche auf und schafft an einem verkehrsreichen Ort ein ruhiges Ensemble mit schön gefasstem Vorplatz südwestlich des Hamburger Mes­segeländes.

Für die russisch-orthodoxe Gemeinde in Hamburg war es ein Glücksfall: Im Zuge der Zusammenlegung zweier protestanti­scher Gemeinden auf St. Pauli wurde die evangelische Gnaden­kirche im Karolinenviertel frei. Wenige Eingriffe an dem Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Zentralbau genügten, um die Kirche in ein orthodoxes Bethaus umzugestalten. Das beste­hende „Haus der Heimat“, das frühere Gemeindehaus (eventu­ell noch bei Bing-Maps anzusehen), musste allerdings wegen massiver Bauschäden abgebrochen werden. Darum lobte die Gemeinde 2010 ein Gutachterverfahren zur Formfindung eines neuen Gemeindehauses aus, das die Berliner Architekten Hei­denreich Springer für sich entschieden.

Angelehnt an die biblische Figur der „Arche“ entwarfen sie einen dezent zum Achteck geformten Riegel, der den Tschaikowskyplatz vor der Kirche fasst und dabei vom star­ken Verkehr der Hauptstraße „Vor dem Holstentor“ abgrenzt. Mit seiner grauen, ver­tikal gemauerten Verklinkerung und dem anthrazitfarbenen Dachgeschoss nimmt der Neubau Bezug auf Materialität und Farbigkeit der Kirche und konstituiert so ein präg­nantes städtebauliches Ensemble.

Über vier Geschosse erstreckt sich das nach dem russischen Komponisten benannte „Tschaikowsky-Haus“. Zum gleichnamigen Platz hin befindet sich im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss ein Bar-Restaurant.

Herz des Hauses ist der für 170 Plätze ausgelegte „Tschai­kowsky-Saal“, in dem Konzerte und Veranstaltungen stattfin­den. Sein Boden wurde abgesenkt, um ein angemessen hohes Raumvolumen zu erreichen. Im Dachgeschoss wiederum sind Pilgerzimmer eingerichtet. Hohe, mit anthrazitfarbenem Zink­blech verkleidete Dachgauben dienen den Zimmern als Licht­quelle und beschirmen gleichzeitig einen kleinen privaten Aus­tritt. Die bewegte dunkle Dachlandschaft kann als moderne, abstrahierende Interpretation der Dachlandschaft der benach­barten Kirche mit ihren vielen Nebentürmen gelesen werden.

Hochkant gemauerte Ziegel im Sonderformat

Besondere Aufmerksamkeit schenkten die Architekten der Fassadegestaltung: Die inOrtbeton errichtete Stahlbetonkonstruktion erhielt eine zweischalige Außenhaut. Oberhalb eines Sockels aus hochkant gesetzten großformatigen Natursteinen be­ginnt eine Vormauerschale aus ebenfalls hochkant gemauerten Ziegeln: 


  

Eingesetzt wurde ein grauer Klinker der Firma GIMA mit den Sonderabmessungen 11,3 x 24 x 11,5 cm (BxHxT). Für die Eckausbildungen wurden Sonderformate in den entsprechen­den Winkeln gefertigt, die einen Mittelgrat aufweisen. Der im Querschnitt ansonsten nahezu quadratische Ziegel wurde mit einer Überbindung von einem halben Stein gemauert. Seine als „Sondersortierung Tschaikowsky“ bezeichnete natürliche, durchgängige Farbgebung ist auf die Kirche abgestimmt, der Stein weist eine Handschlagartige Oberfläche mit Besandung auf. Für die Verfugung wurde ein nahezu gleichfarbiger Mörtel verwendet, der den monolithischen Charakter des Gebäudes unterstreicht; gleichzeitig sorgt die unregelmäßige Oberfläche des Klinkers für ein lebendiges Licht- und Schattenspiel auf den Außenwänden des Tschaikowsky-Hauses.

Projektdaten:

Weitere Informationen zu Ziegeln à la „Sondersortierung Tschaikowsky“ können per E-Mail an GIMA angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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