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Asiaten verschärfen Wettbewerb für Parkett- und Echtholzböden

 

(18.7.2016) Der europäische Markt für Parkett- und Echt­holzböden schaut nach langen Jahren der Stagnation und des Abschwungs wieder optimistischer in die Zukunft. Im­merhin stieg 2015 der Absatz um 2,2% auf 82,7 Mio. m² in den europäischen Top 11 Ländern. Bis 2019 soll das Wachs­tum jährlich um 2% in Menge zulegen. Der zunehmende Wett­bewerb durch osteuropäische und asiatische Hersteller wird dabei die Preise auch in den nächsten Jahren kaum ansteigen lassen - zu dieser Erkenntnis kommt eine aktu­elle Studie von Interconnection Consulting.

Preiskampf hat begonnen

Bis 2019 rechnet Interconnection Consulting mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 3%, was nur einen Prozentpunkt über dem Mengenwachstum liegt und etwa der erwarteten Inflation im Euroraum entspricht. Geschuldet ist dies nicht zuletzt weitern Markteintritten asiatischer Hersteller, wie schon ein Rundgang auf der diesjährigen Domotex deutlich machte. Großbritannien, Benelux und Deutschland dienen dabei als europäische Testmärkte für asiatische Produzenten. Es ist daher kein Zufall, dass gerade dort die Durchschnittspreise im vergangenen Jahr aufgrund der verstärkten Wettbewerbssituation kaum angestiegen sind, oder wie im Falle Deutschlands sogar rückläufig waren.

Neben den asiatischen Anbietern, die auf den europäischen Markt strömen, sorgen auch die osteuropäischen Hersteller für verschärften Preiskampf in Europa, da diese häufig günstiger als ihre westeuropäischen Mitbewerber produzieren können. Preisun­terschiede zwischen den Herstellern ergeben sich aber auch vor allem aufgrund der großen Bandbreite an Produkten und aufgrund qualitativer Unterschiede. Durch Ska­lierungseffekte versuchen westeuropäische Hersteller konkurrenzfähig zu bleiben.

Frankreich ist schwarzes Schaf bei Wachstum

Im vergangenen Jahr wurde am Markt für Holz- und Parkettböden mit Ausnahme von Frankreich in allen untersuchten Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Spanien, Frankreich, Benelux, Dänemark, Schweden, Großbritannien, Polen) ein Wachstum sowohl in Menge als auch im Wert erreicht. Immerhin erwartet Intercon­nection Consulting jetzt auch wieder für Frankreich bis 2019 Wachstumsraten von 1,8% in Menge. Die größten Wachstumsraten verbuchten im vergangenen Jahr Groß­britannien (+4,8% in Wert), Polen (+4,5% in Wert) und Dänemark (+4,3%). Auch Italien konnte nach langen Jahren des Abschwungs im vergangenen Jahr erstmals wieder positive Wachstumszahlen erwirtschaften und steigerte seinen Umsatz um 0,7%.

Dreischichtparkett ist erste Wahl

Bei Holzböden unterscheidet man zwischen Massivholzböden und Mehrschichtböden. Die Variante Mehrschichtparkett ist mit 83,9% Marktanteil in Menge, mit Abstand die erste Wahl, wobei der Marktanteil im letzten Jahr auch noch leicht zugenommen hat. Unter den Parkettböden machen die dreischichtigen Böden mit einem Marktanteil von rund 70% in Menge das Gros aus. Nicht ohne Grund: Ein Dreischichtparkett ist form­stabil. Das Ausdehnen und Zusammenziehen des Holzes durch wechselnde Luftfeuch­tigkeit, wird weitgehend eingeschränkt.

Der Preis der meisten Dreischichtparkett-Varianten hat sich in den vergangenen Jah­ren kaum verändert. So liegt die beliebteste Variante in den untersuchten Ländern bei durchschnittlich 28,4 Euro pro m² und ist damit preiswerter als der Massivholzbo­den (31,8€).

Gerade im Parkettbodenbereich sind die Preise aufgrund der starken Wettbewerbssitu­ation seit 2010 um rund einen Euro pro m² gesunken. Der Marktanteil der Massivholz­variante lag im vergangenen Jahr bei 13,5%. Massivholzböden zeichnen sich durch eine deutlich höhere Nutzschicht (22 mm) im Vergleich zur Mehrschicht-Parkettvari­ante aus (ca. 4 mm) und können daher auch öfter abgeschliffen werden. Eiche ist mit etwa 70% der beliebteste Holzbodentyp, gefolgt von Buchen- und Eschenholz sowie tropischen Holzsorten, die jedoch alle nur einen Marktanteil im einstelligen Prozentan­teil vorweisen können.

Ökologisierung vertreibt Kundenschichten

Durch die Bereitstellung von Zertifikaten - wie z.B. dem Forest Stewardship Council (FSC) - versuchen die Hersteller von Echtholzböden der wachsenden Forderung ihrer Kundschaft nach Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung immer mehr nachzukommen. Durch die damit verbundenen Mehrkosten bei der Holzbodenverlegung wird ein Teil des Klientels aus dem Holzbodensegment abwandern, prognostiziert Interconnection Con­sulting. „Die preissensiblen Käuferschichten werden immer häufiger auf Elastische Bo­denbeläge (Vinyl, LVT, etc.) sowie Laminatböden ausweichen“, erwartet Jan Hudak, Autor der Studie. Nicht zuletzt aus diesen Grund rechnet Interconnection Consulting bei Echtholzböden mit einem Trend hin zu maßgeschneiderten und exklusiven Böden. Bis 2019 soll diese Produktgruppe jährlich um 7% im Wert wachsen.

Marktkonzentration steigt weiter

Neben einigen „Local Heroes“ mit sehr starker Präsenz in den einzelnen Ländermärk­ten, sind es vor allem Unternehmen wie die Bauwerk-Boen Gruppe, Kährs, Hamberger, Weitzer Parkett, Tarkett oder Barlinek, die meist gleich in mehreren Märkten dominan­ter sind. Die größten 100 Parketthersteller in den 11 untersuchten Ländern, kamen 2015 auf einen gemeinsamen Marktanteil von 65,9% nach verkaufter Menge, was ei­ner Steigerung von 0,5% gegenüber 2014 bei der Marktkonzentration entspricht.

Vom Wald ins eigene Heim

Was den Vertrieb von Holz- und Parkettböden betrifft, so dominiert hier vor allem der indirekte Vertrieb sehr stark und kommt dabei auf ein Volumen von 95,6% des gesam­ten Absatzes. Lediglich 4,4% des Parkettbedarfs werden von den Herstellern direkt vertrieben, wobei es sich bei diesen Verkäufen meist um kleinere Hersteller mit lokaler Produktion handelt, die häufig ihre Produkte an die konkreten Kundenwünsche anpas­sen und dabei überwiegend im High-Endbereich tätig sind. Ein derzeit nach wie vor kleiner Teil wird dabei auch schon online vertrieben, wobei hier noch Wachstumspo­tential nach oben bestehen dürfte, wie Marktanalyst Jan Hudák die derzeitige Lage beurteilt.

Ein Blick auf den indirekten Vertrieb zeigt, dass in Europa derzeit rund 72,5% über den Großhandel vertrieben werden. Bei genauerer Betrachtung der Vertriebskanäle, entfällt ein wesentlicher Teil des Marktes auf den Holzfachhandel (z.B. Holzland), wo­bei dieser in einigen Ländern sogar mehr als 50% des Marktes bedient. Betrachtet man die Vertriebskanäle, die direkt an den Endkunden gehen, entfallen gut 1/3 des Marktes auf den Handwerker Fachhandel (Bodenleger, Parkettleger, Raumausstatter, Tischler/Schreiner) und rund 20% auf Baumärkte. Daneben spielen u.a. auch noch Fachmärkte /Filialisten sowie Möbel- und Einrichtungshäuser eine Rolle.

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