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Kastenfenster-Modernisierung sichert historisches Stadtbild

(30.8.2016) Kastendoppelfenster sind in Europa seit Jahrhunderten weit verbreitet. Auch in Berlin gibt es immer noch viele Exemplare dieser oft filigranen, kulturhistorisch bedeutsamen Fensterart:


alle Fotos © VFF / Hans Timm Fensterbau (bearbeitet)

Doch immer mehr Kastenfenster verschwinden aus dem Stadtbild und machen Platz für übliche Wärmedämmfenster. „Das ist bei vielen altehrwürdigen Gebäuden der fal­sche Weg. Der Erhalt dieser kulturhistorisch wertvollen Fenster durch eine ganzheit­liche Aufarbeitung ist ohne großen Aufwand möglich“, so Ulrich Tschorn, Geschäfts­führer des Verbandes Fenster + Fassade (VFF).

Kastendoppelfenster der „Altberliner Art“ beispielsweise bestehen aus zwei Einfach­fenstern, die über ein Futter miteinander verbunden sind. Beide Flügel lassen sich se­parat öffnen. „Durch diese Art des konstruktiven Aufbaus, der seit mehr als 250 Jah­ren in Europa verbreitet ist, hatte man ein Energiesparfenster ohne Wärmeschutzbe­schichtung und ohne Thermopenscheibe - natürlich nicht ganz so effektiv, wie moder­ne Fenster, aber dennoch sehr wirkungsvoll“, erinnert Tschorn. Immerhin erreichten die alten Fenstersysteme einen Wärmedämmwert von 3,0 W/m²K. Dieser kann mit entsprechenden Modernisierungsmaßnahmen - in diesem Falle einer Runderneuerung der alten Fenster - auf einen zeitgemäßen Wert von bis zu 0,9 W/m²K gesenkt wer­den, ohne dass deshalb der klassische Anblick eines Gebäudes verloren gehen muss.

Beispiel: Verbandshaus der deutschen Buchdrucker in Berlin modernisiert

Wie sich Kastendoppelfenster im Sinne der Denkmalpflege erhalten lassen, zeigt die Modernisierung des ehemaligen Verbandshauses der deutschen Buchdrucker in der Berliner Dudenstraße (siehe Google-Maps). Das Wohnhaus wurde in den Jahren 1924 bis 1926 von den Architekten Max Taut und Franz Hoffmann in der damals angesagten Zweifarbigkeit geplant und realisiert:

„Die energetische Sanierung dieses schönen Gebäudes musste aufgrund der einzig­artigen architektonischen Bauweise unter Berücksichtigung der Anforderungen des Denkmalschutzes erfolgen“, so der Geschäftsführer des mit der Runderneuerung der Fenster beauftragten Berliner Unternehmens, Detlef Timm. So wurden u.a. die stra­ßenseitigen Kastenfensterkonstruktionen überarbeitet, die als durchgeschobene Fenster - also fassadenbündig montierte Kastenfenster ohne Anschlag - ausgeführt wurden.

Dazu kam die Modernisierung der großflächigen Balkonfenster-Türkonstruktionen. Diese sind zum Teil als tiefe Blumenfenster ausgeführt - mit einer Futtertiefe von 200 bis 250 mm, wobei der so gewonnene Platz tatsächlich zur großzügigen Darbie­tung von Blumen Verwendung findet. Hofseitig wurden zudem die Kastenfenster hinter einem Anschlag mit starker Sprossen­ornamentierung ertüchtigt - mit viel Liebe zum Detail und unter Bewahrung der alten Optik.

Im Ergebnis entstanden durch die Runderneuerung bauzeitliche Fensterkonstruktionen mit verbessertem Wärme-, Schall- und Wetterschutz, wobei die Gebrauchs- und Funktionseigenschaf­ten sowie der hohe ästhetische Wert erhalten blieben. „Eine solche Runderneuerung ist ein komplexer Vorgang, der viele verschiedene Gewerke beinhaltet. Dazu zählen Tischler, Maler, Glaser und Klempner“, erklärt der Unternehmer. Sie sollten daher ganzheitlich angegangen und von einem spezialisierten Fensterbaubetrieb ausgeführt werden, der alle notwendigen Arbeiten gewerkeübergreifend anbieten kann. „Wenn man das Gesamtergebnis betrachtet, wird schnell klar, wie wichtig das Thema Denkmalschutz und der Umgang damit ist“, er­gänzt Ulrich Tschorn.

Übrigens: Durch ein Forschungsprojekt - unterstützt durch den Berliner Senat und die Europäische Union - wurden im Jahr 2000 die relevanten Arbeitsschritte für eine Runderneuerung von Kastenfenstern entwickelt und im VFF-Leitfaden HO.09 (Runderneuerung von Kastenfenstern aus Holz) niedergeschrie­ben - siehe Leseprobe. Dieser ist heute deutschlandweit Stand der Technik. Der Leitfaden, der im VFF-Shop kostenpflichtig bestellbar ist, stellt ein wissenschaftlich abgesichertes, seit dem Jahr 2000 praktiziertes ganzheitliches Maßnahmenpaket vor, mit dem die historischen Fensterkonstruktionen nicht nur instandgesetzt, sondern auch gleichzeitig energetisch und schalltechnisch ertüchtigt werden.

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