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Deutsche Möbelindustrie meldet für 2013 Umsatzrückgang von 3,5%

(13.1.2014) Vor der weltweit größten Möbelmesse - der imm cologne 2014 - befindet sich die deutsche Möbelindustrie offenbar in keiner einfachen Lage. Die traditionellen Kernmärkte im Ausland schwächeln weiterhin und im Inland werde es immer schwieri­ger, die frei verfügbaren Einkommen der Kunden Richtung Möbel zu lenken. Für 2014 erwartet Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbel­industrie, deshalb lediglich einen stabilen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres.

Smartphones, Tablets, PCs, Flachbildschirme, Reisen, Freizeitausgaben - das sind die Bereiche, für die die Menschen derzeit bereit sind, Geld auszugeben. Diese Marktseg­mente schaffen es ganz offensichtlich, Begehrlichkeiten zu wecken und die Verbrau­cher emotional anzusprechen - wohingegen das dem Möbelhandel nicht zu gelingen scheint. Hier räche sich, dass Möbel in den letzten Jahren zumeist phantasielos und in erster Linie über den Preis angeboten wurden. Dem Möbelangebot fehle deshalb eine Werte kommunizierende Substanz. Beim Verbraucher würden keine emotionalen Begehrlichkeiten geweckt. Im Gegenteil: der Eindruck preislicher Beliebigkeit schaffe kein Vertrauen und halte von Kaufentscheidungen eher ab.

Deshalb komme es 2014 ganz entscheidend auf das Marketing für Möbel an. Wenn dieses Begehrlichkeiten wecken könne, werde der Umsatz von Handel und Industrie auch wieder steigen. Die Chancen dazu sind so gut wie selten zuvor, man muss sie nur nutzen: Die Wirtschaft wächst weiter um voraussichtlich bis zu 2 Prozent und die Konsumlaune der Deutschen ist so gut wie lange nicht mehr. Zum Jahreswechsel 2013 hat die GfK nochmals steigende Konjunkturerwartungen und eine hohe Anschaf­fungsneigung auf einem 7-Jahres-Hoch prognostiziert. Die Bundesbürger sind also be­reit, mehr auszugeben und weniger zu sparen. Dem Möbelhandel muss es also „nur“ gelingen, ein größeres Stück vom Kuchen der frei verfügbaren Einkommen abzube­kommen.

Dies ist vermutlich auch dringend notwendig, denn im letzten Jahr sank der Umsatz der deutschen Möbelindustrie um voraussichtlich etwa 3,5 Prozent auf 16,1 Mrd. Eu­rogegenüber 16,6 Mrd. Euro im Jahr 2012.

Euroausfuhren schwächeln, USA und China können nicht ausgleichen

Der Rückgang im Jahr 2013 resultiert zum Teil aus den Schwierigkeiten in unseren eu­ropäischen Kernmärkten: So gingen die Ausfuhren nach Frankreich in den ersten 10 Monaten des Jahres 2013 um 10,6 Prozent und in die Niederlande sogar um 15,6 Pro­zent zurück. Auch Österreich blieb mit -6 Prozent deutlich unter den Erwartungen und die Schweiz verharrte mit +0,3 Prozent gerade mal auf Vorjahresniveau.

Auch wenn die Möbelausfuhren in die USA um 18,5 Prozent und nach China um 16,7 Prozent stiegen, konnten damit die Rückgänge in Europa nicht kompensiert werden. Insgesamt sanken die Möbelausfuhren im Jahr 2013 (Januar bis Oktober) um 4,1 Pro­zent auf 7,6 Mrd. Euro.

Unerwartete Inlandsschwäche im 2. Halbjahr

Im Inland setzten unsere heimischen Hersteller bis Ende Oktober letzten Jahres 3,8 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum, was insbesondere an dem überraschend schwachen 2. Halbjahr lag. Die größten Umsatzrückgänge gab es bei den Wohnmöb­lern, die 7,1 Prozent weniger verkauften und bei den Matratzenherstellern (-12,9 Pro­zent). Die Küchenmöbler hingegen konnten ihre Umsätze mit -0,2 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau halten.

Die Schwäche des deutschen Marktes spiegelt sich auch in den Importzahlen. So wur­den zwischen Januar und Oktober 2013 Möbel im Wert von 8,2 Mrd. Euro eingeführt und damit 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Diese negativen Importzahlen machen deutlich, dass das Kernproblem der Möbelbran­che in den Absatzzahlen auf dem deutschen Markt liegt. Trotz eines insgesamt guten Marktumfeldes sind weder die deutschen Hersteller noch die ausländischen Produzen­ten derzeit in der Lage,  in Deutschland mehr Einrichtungsgegenstände abzusetzen oder ihre Umsätze zu halten. Dies erstaunt umso mehr, als dass der Wohnungsbau in 2013 deutlich zugelegt hat.


Bild aus dem Beitrag „China, USA, Italien, Deutschland, Japan ... Woher kommen eigentlich unsere Möbel?“ vom 24.11.2013 (Bild vergrößern)

Deutschland ist für den Verband der Deutschen Möbelindustrie nach wie vor der rele­vante Kernmarkt, denn 70 Prozent des Umsatzes setzen die darin organisierten Her­steller im Inland ab. Gleichwohl bleibt die Konkurrenz mit ausländischen Herstellern hoch, die preisaggressiv ihre Ware im Handel platzieren.

Im Jahr 2013 ist dabei insbesondere Polen zu erwähnen. Die Hersteller in unserem öst­lichen Nachbarland schaffen es, ihren Umsatz in Deutschland gegen den allgemeinen negativen Trend auf Vorjahresniveau zu halten (-0,1 Prozent).

Wettbewerbsnachteil durch EU-Politik

Dabei hilft den polnischen Herstellern die massive finanzielle Unterstützung der Euro­päischen Union, die mit zwei Förderprogrammen die Produktion in Polen und den Ab­satz unter anderem in Deutschland bezuschusst. Über den Fond für regionale Entwick­lung werden Investitionen in den Neubau von Produktionsstätten oder die Modernisie­rung des Maschinenparks mit bis zu 70 Prozent gefördert. Über das Förderprogramm „Innovative Wirtschaft“ sponsert die EU die Kampagne „Made in Poland“, mit der in Deutschland, Tschechien und der Ukraine für polnische Produkte - darunter auch Mö­bel - geworben wird.

Allerdings hat Polen traditionell eine sehr starke Möbelindustrie und ist nach wie vor Importland Nummer 1 in der Bundesrepublik. Die EU-Unterstützung bewirkt einen nicht unerheblichen Wettbewerbsnachteil für unsere Hersteller, die teilweise nicht mehr mit den niedrigpreisigen Angeboten der polnischen Hersteller konkurrieren können. Der deutsche Möbelverband wehrt sich deshalb vehement gegen diese Förderpraxis und hat die EU-Kommission aufgefordert, diesen Sachverhalt zu untersuchen. Ziel muss eine Chancengleichheit im europäischen Binnenmarkt sein. Denn die polnische Möbel­industrie sei stark genug und brauche keine Unterstützung durch öffentliche Steuer­mittel. Solchen Wettbewerbsverzerrungen könnten die heimischen Hersteller, mit ih­rem hohen Qualitätsniveau und den damit verbundenen Produktionskosten nur schwer begegnen.

Die heimischen Möbelhersteller sehen sich weltweit an der Spitze in puncto Nachhal­tigkeit und Lebensdauer, Design und Qualität. Diese Attribute sollten über ein Label „Made in Germany“ im Handel viel stärker sichtbar werden.

Übrigens: Die 528 Betriebe (ab 50 Mitarbeitern) der deutschen Möbelindustrie be­schäftigten derzeit 86.080 Frauen und Männer. Im Vorjahr waren es 86.940 Beschäf­tigte in 531 Unternehmen.

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