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Trends der Mailänder Möbelmesse 2012

  • Johanna Dumitru, Geschäftsführerin von Designfunktion, identifiziert die Trends der Mailänder Möbelmesse 2012

(1.5.2012) Atmosphärisch starke Raumkonzepte, Retro-Akzente, italienische Klassik gepaart mit skandinavischer Frische sowie filigrane Formen und charakterstarke Ma­terialien - Johanna Dumitru, Geschäftsführerin von Designfunktion, gibt nach der Mai­länder Möbelmesse einen Überblick zu den neuen Einrichtungstrends. Das zentrale Leitmotiv ist für sie dabei klar erkennbar: Die Antwort auf den Wunsch nach Poesie, Authentizität und werthaltiger Qualität, der alle Präsentationen durchzieht - ein Kon­zept, das Designfunktion in seinen Kernwerten bestätigt. Hier ein Blick auf die Neu­heiten der Möbelbranche aus Sicht einer Expertin.

Ganzheitliche Raumkonzepte für Atmosphäre und Wohnlichkeit

Poetische Räume entstehen, wenn das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile und eine inspirierende Wirkung entfaltet. Für diesen übergeordneten Wunsch liefern die Neuheiten der Möbelmesse sehr gute Zutaten. Atmosphäre zu erzeugen stand für viele Aussteller in diesem Jahr an erster Stelle. Das drückt sich in warmen Farben, harmonisch kombinierten Materialien sowie vielen Textilien und Pflanzen aus.

Im Wohnbereich bilden einladende, schlichte Sofas die Basis für diesen Trend. Sie sind weich gepolstert, locker bezogen und setzen auf liebevolle Details und abwechslungsreichen Materialmix. In Kombination mit ausdrucksstarken Einzelstücken oder bekannten Design-Ikonen entstehen individuelle Räume. Optisch werden die Looks leichter und farbiger als im vergan­genen Jahr. Die Flaggschiffe des klassisch-modernen italieni­schen Wohnens wie Minotti (Bild rechts) und Flexform zeigen sich luftiger und heller und wagen bunte Farben. Die erdigen Grundfarben Kitt, Leinen und Beige werden vielerorts akzen­tuiert mit warmen Rottönen oder bunten Retro-Farben.

Ein gelungenes Beispiel für den Fokus auf ganzheitliche Raum­konzepte und den hohen Stellenwert von Farbe, war die neue Präsentation "Harmony House" von Ruckstuhl: Anstatt in Kollektionen, arrangierte der Hersteller seine Teppi­che in Collagen nach Raumtypen. Passend dazu bietet er Ge­staltungsvorschläge in den legendären „Corbusier-Farben“ der Manufaktur kt.COLOR, welche eine unver­gleichliche Wirkung und Tiefe aufweisen.

Tradition und kulturübergreifende Wohnerlebnisse

Die Wertschätzung von Tradition setzt sich einerseits in dem Trend zu Retro-Optik oder Re-Editionen alter Entwürfe, andererseits im Wiederaufleben handwerklicher Konstruktionsweisen fort. e15 etwa präsentierte eine komplette Kollektion mit Entwür­fen von Ferdinand Kramer aus den 50er Jahren. Fritz Hansen kombiniert beim Stuhl Minuscule Handarbeit mit moderner Kunststofftechnik, Classicon produziert den Bell Table in Glockengießer-Technologie (nächstes Bild). Am Ende stehen bleibende Werte in bester Qualität und Einrichtungen mit Charakterstärke.

Dabei wird die Branche auch dem Anspruch der Nachhaltigkeit gerecht: Neben sozia­lem Engagement, wird Wert auf Umweltfreundlichkeit gelegt. So verwendet zum Bei­spiel Paola Lenti anstelle der weit verbreiteten Tropenhölzer das so genannte „Accoya“ für Outdoor-Möbel. Es handelt sich dabei um ein schnell wachsendes, ungiftig behandeltes Holz von besonderer Haltbarkeit - eine große Innovation in puncto Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit aber auch Qualität - zur Erinnerung siehe z.B. Baulinks-Beitrag „Technisch modifiziertes Holz akzentuiert „Workwearstore“ in Hockenheim“ vom 15.2.2012.

Italienische Hersteller wie Tecno (Bild rechts) oder Venini ar­beiten zudem vermehrt mit Designern aus Nordeuropa zusam­men. Das Ergebnis ist eine spannende Verbindung der Frische des Nordens mit der Klassik des italienischen Designs, die sich in Farb- und Formgebung widerspiegelt. Insgesamt wächst der Umgang mit hellen, naturbelassenen Hölzern und klaren, aber weichen, emotionalen Formen. Dumitru resümiert: „Die Präsenz des skandinavischen Designs passt wunderbar zu den aktuellen Tendenzen.“

Mix and Match: Lack, Holz und abwechslungsreiche Gewebestrukturen

Auch im Bereich der Oberflächenmaterialien erkennt Johanna Dumitru eine Vorliebe für das Mix and Match-Prinzip: Die Kombination mit Holz verleiht cleanen Lack-Schränken mehr Wärme und Spannung. Im Bereich der Textilien prägen haptische Strukturen und Webmuster das Wohnambiente. Als Gegensatz dazu wird die Formensprache filigraner: Zierliche Lederstützen halten freistehende Kissen und ersetzen wuchtige Rücken­lehnen. Mehrfarbige Bezüge lösen die Volumen der Polstermöbel auf, so gesehen bei Minotti, Cassina oder Moroso.

Generell liegt bei Sofas und Sesseln der Fokus auf Stoffbezügen. Insbesondere neue Matelassé-Stoffe mit 3D-Strukturen und natürlich wirkende, matte Gewebe wie Leinen oder Baumwolle sind sehr stark vertreten. Sie werden mit Velours und groben Strick­geweben im Accessoires-Bereich kontrastiert.

Leder in Hochform

Sparsamer zum Einsatz kommt Leder. Wenn das Material allerdings verwendet wird, dann in höchster Qualität, so fasst Johanna Dumitru den Trend zusammen. „Es han­delt sich dabei um handschuhweiche naturbelassene Reinanillinleder, die sich traum­haft anfassen“, schwärmt die Geschäftsführerin von Designfunktion.

Viele Hersteller bieten diese Lederqualität nun neu an - der Spezialist Poltrona Frau, der bereits seit Jahren Leder in dieser weichen Haptik anbietet, geht noch einen Schritt weiter mit seinem "Century"-Leder anlässlich des 100-jährigen Jubiläums: Es wird zweifach gegerbt und ist daher besonders fein und an­schmiegsam.

Variable Sitzhöhen, filigrane Esstische und Regale in Steinoptik

Funktional nimmt der italienische Herstellermarkt die deutschen Bedürfnisse verstärkt auf. So präsentierten etwa B&B oder Mi­notti Sofas mit höheren Sitzhöhen und variablen Sitztiefen für unterschiedlich große Menschen oder Sitzpositionen. Auch bei Zanotta und Cassina findet sich dieser Trend.

Paola Lenti (Bild rechts und weiteres Bild) und Tecno zeigten wiederum niedrigere Höhen bei Stühlen, Hockern und Tischen. „Ich bin sehr angetan von den italienischen Sitzhöhen bei Stühlen. Sie schaffen eine loungeartige, legere Sitzatmos­phäre. ... Sowohl für Besprechungen bestens geeignet aber auch phantastisch im Außenbereich anwendbar“, erklärt Dumi­tru. Bei Esstischen herrschen auffällig dünne Platten und fili­grane Gestelle vor. Steinoptiken und Ze­ment sind häufiger zu sehen. Kunstwerksteine wie Corian fin­den sich in Tischplatten und Regalen, wie zum Beispiel bei MDF mit seinen filigranen Wandboards.

Salone Satellite – verspielt, bunt und traditionsverbunden

Die Entwürfe der Ausstellung „Salone Satellite“, einem Projekt für junge Möbeldesig­ner, ohne eigenen Hersteller - sind verspielter und bunter. Sie zeigen eine starke Aus­richtung auf poetische Stücke, die eine Geschichte erzählen. Durch die Verwendung besonderer Details und Ornamente spielen sie gestalterisch mit den Traditionen der Herkunftsländer und schaffen es so, in einer globalen Welt dennoch regionale DNA zu vermitteln.

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