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Rückblick: 4. Parlamentarischer Abend der Bundesinitiative "jetzt!"

  • Energetische Gebäudemodernisierung: höhere Anreize gefordert
  • Altbausanierung kann zur "Jobmaschine" werden
  • Enorme CO₂-Einsparpotenziale im Gebäudebestand

(17.12.2004) Die staatlichen Förderprogramme müssen weiter ausgebaut und verbessert werden, forderte Günther Volz, Vorstandsvorsitzender der Bundesinitiative "jetzt!" auf dem 4. Parlamentarischen Abend der Initiative. Denn dass die energetische Sanierung des Gebäudebestandes aus umweltpolitischer und gesamtwirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist, darüber waren sich die Referenten und das Auditorium einig. Unter dem Titel "Jobmaschine energetische Gebäudesanierung - Thema für den Staat?" kamen am 1. Dezember in Berlin rund 80 Gäste aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung mit Parlamentariern aller Fraktionen zusammen.


Referenten und Gäste diskutierten energetische Einsparpotenziale im Gebäudebestand, Effekte staatlicher Förderprogramme und Beispiele für ökonomische und ökologische Erfolge energetischer Sanierung. "Wir müssen das Thema 'energetische Gebäudesanierung' weiter im Fokus des politischen Interesses halten. Klimaschutz und Energiesparen sind schließlich eine langfristige Aufgabe", appellierte Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Schirmherr der Bundesinitiative "jetzt!", in seiner Begrüßung.

Neues KfW-Programm ab 2005

Werner Genter, Leiter der KfW Niederlassung Berlin, prognostizierte bis 2050 in Deutschland rund 137 Milliarden Euro Schäden durch die globale Erwärmung. Der Hauptverursacher des Treibhauseffektes ist Kohlendioxid. Doch nach wie vor bestehe in Deutschland erhebliches CO₂-Minderungspotenzial. Ab 2005 fasst die KfW die Förderung u. a. zur Energieeinsparung und CO₂-Minderung im neuen Programm "Wohnraum Modernisieren" zusammen. Die Förderbank erwartet bis Ende 2005 eine CO₂-Reduktion um rund 4,0 Millionen Tonnen. Mit deutlichen Arbeitsmarkt-Effekten: Allein 2004 haben die CO₂-Minderungsinvestitionen rund 70.000 Arbeitsplätze in der mittelständischen Bauwirtschaft und dem Handwerk gesichert.


Im Gespräch: v.l.n.r. Hans-Dieter Hegner (BMVBW), Hiltrud Relecker (Verband Beratender Ingenieure), Günther Volz (Vorstandsvorsitzender der Bundesinitiative "jetzt!"), Bernd Kramer (Interpane Glas Industrie AG).

Professor Manfred Kleemann vom Forschungszentrum Jülich belegte anhand einer Studie seines Instituts die Wirksamkeit der KfW-Programme zur CO₂-Minderung: Für die Laufzeit der Programme ergibt sich bis Ende 2004 eine kumulierte jährliche Netto-Einsparung von rund 3,0 Millionen Tonnen pro Jahr. Dabei seien mit den bisher sanierten knapp 70 Millionen Quadratmetern Wohnfläche erst etwa zwei Prozent des Gebäudebestandes in Angriff genommen worden. Ein enormes Potenzial - auch für den Arbeitsmarkt: Nach Angaben Kleemanns haben allein das KfW-CO₂-Minderungs- und das CO₂-Gebäudesanierungs-Programm bis 2004 rund 41.800 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert, etwa zwei Drittel davon im Baugewerbe. Dennoch, so Kleemann, müsse die Form der Förderung überdacht werden: "Günstige Darlehen sind für diejenigen Hausbesitzer unattraktiv, die gar keine Schulden machen wollen." Ein direkter Zuschuss sei daher die effizientere Alternative.

Europäische Richtlinie: Investitionen zu erwarten

Professor Rainer Hirschberg, Präsidiumsmitglied des VDI (Verein Deutscher Ingenieure), verwies auf die Bedeutung der neuen EU-Richtlinie "Energy performance of buildings", die am 1. Januar 2006 in Kraft tritt. Sie soll die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden verbessern, indem sie einen umfassenden Ansatz zur Realisierung der enormen Einsparpotenziale vorsieht. Von der Gebäudehülle über innovative technische Ausrüstung bis zur Elektrotechnik, Gebäudeautomation, Beleuchtung und Tageslichtnutzung müssen verschiedene Parameter in die Energieeffizienz eines Gebäudes eingebracht werden. Das Potenzial für die CO₂-Reduktion in Deutschland bezifferte Hirschberg auf rund 25 Millionen Tonnen pro Jahr. Dieses könne, trotz leerer öffentlicher Kassen, etwa durch die Mobilisierung privaten Kapitals mit einem geschätzten Auftragsvolumen von ca. 18 Milliarden Euro (z. B. über Contracting) gehoben werden. Hirschberg forderte, im Zusammenhang mit dem Gebäudeenergiepass dringend Anreize für qualifizierte Energieberatung zu schaffen.

Vision der "2.000 Watt pro Kopf-Gesellschaft"

Professor Gerd Hauser von der Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung GRE entwarf eine Vision: Ziel könne die "2.000 Watt pro Kopf-Gesellschaft" sein. Derzeit, so Hauser, liege der umgerechnete Energieverbrauch pro Jahr eines jeden Deutschen bei rund 5.500 Watt. Bis 2050 müsse er auf 2.000 Watt sinken. Diese langfristige Zielvorgabe gebe der Gesellschaft, ähnlich wie bei anderen Visionen (Mondflug), Orientierung und ermögliche so Bewusstseinswandel. Werde dieser von rechtlichen Anforderungen begleitet, würden Energieeinsparmaßnahmen verstärkt realisiert. Die Zielvorgabe "2.000 Watt pro Person" bezeichnete Hauser als "den besten Indikator".

Harald Gmeiner vom Energieinstitut Vorarlberg stellte das Fördermodell "Ökologischer Wohnbau" des österreichischen Bundeslandes vor. Dort werden für den ökologischen Wert einer Baumaßnahme - im Neubau wie in der Sanierung - Punkte vergeben. Die erreichte Punktzahl bestimmt in einem vierstufigen System die Höhe der Förderung (Zuschuss bei Sanierung bzw. zinsgünstige Darlehen für den Neubau). Nach Berechnungen seines Instituts werden so auch wirtschaftliche Effekte erzielt: Steigt die Sanierungsrate in Vorarlberg von derzeit 0,5 auf 2,0 Prozent, dann steigen auch die Investitionen um jährlich 530 Millionen Euro.


Referenten des 4. Parlamentarischen Abends und Vorstandsmitglieder der Bundesinitiative "jetzt!": v.l.n.r. Prof. Dr. Gerd Hauser (Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung GRE), Harald Gmeiner (Energieinstitut Vorarlberg), Rainer Walk (Vorstand Finanzen), Günther Volz (Vorstandsvorsitzender), Werner Genter (KfW Niederlassung Berlin), Prof. Dr. Rainer Hirschberg (Präsidiumsmitglied Verein Deutscher Ingenieure e.V.), Prof. Dr. Manfred Kleemann (Forschungszentrum Jülich), Werner Dörflinger (Vorstand Kommunikation).

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich: Sowohl die enormen Einsparpotenziale als auch die Fördermöglichkeiten müssen stärker als bisher kommuniziert werden. Felicitas Kraus von der Deutschen Energieagentur (dena) hob die positiven Effekte des Gebäudeenergiepasses hervor. Er reguliere den Wettbewerb um Mieter und Käufer von Immobilien und könne so wesentlich als Anreizinstrument zu verstärkten Investitionen in Modernisierung und Sanierung beitragen.

Franziska Eichstädt-Bohlig, bau- und wohnungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, bezeichnete die Förderprogramme zur Gebäudesanierung als wichtigen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der Bauwirtschaft. Sie kündigte an, sich auch für die Anschlussförderung nach 2005 für das CO₂-Gebäudesanierungsprogramm einzusetzen. Ingenieure und Architekten mahnten qualifizierte Energieberatung und verlässliche, bedarfsorientierte Energiepässe an, um die gesteckten Klimaschutzziele erfüllen zu können.

Werner Dörflinger, "jetzt!"-Vorstand und MdB a. D., bekräftigte abschließend, dass die staatliche Förderung energetischer Gebäudesanierung den Finanzminister unter dem Strich kein Geld kostet. "Durch mehr Beschäftigung und Steuer-Mehreinnahmen zieht er im Gegenteil Vorteile daraus", so Dörflinger.

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