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Besucherrekord beim 7. BIM Anwendertag

(26.6.2011) Eindrucksvoll belegte der 7. BIM Anwendertag des buildingSMART e.V. am 31. Mai an der Jade Hochschule in Oldenburg, wie gut BIM (Building Information Modeling) bereits in Praxis und Lehre integriert ist. Und wie sehr diese Planungsmethode auf dem Prinzip der Vernetzung basiert. Was sich gerade bei dieser Veranstaltung, die erstmals in Norddeutschland stattfand, auch in der Organisation widerspiegelt. Neben dem buildingSMART e.V. waren die Jade Hochschule sowie die Ingenieurkammer Niedersachsen aktiv und engagiert an der Vorbereitung und Ausrichtung beteiligt. Zwischenzeitlich wurden im Foyer der Hochschule mehr als 200 Besucher gezählt. Das kontrastreiche Programm spiegelte die ganzheitlichen Möglichkeiten von BIM in der Planung, Ausführung und im Gebäudebetrieb - mit dem vielzitierten „Blick über den Tellerrand“, über die verschiedenen Gewerke hinweg, eindrucksvoll wider.

„BIM ist keine Software! BIM ist eine Methode, um originäre Planungsleistungen effektiver umzusetzen.“

Was Dr. Thomas Liebich, Technischer Koordinator des buildingSMART e.V., gleich zu Beginn der Veranstaltung feststellt, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Vorträge. Wichtig aus der Sicht von Liebich seien spürbare Veränderungen in der Planungskultur. Gefragt sei neben openBIM als offenes System mit offenen Standards weniger die Trennung zwischen Planung und Ausführung, notwendig seien vielmehr Vernetzung sowie die Diskussion von neuen Vertrags- und Vergütungsregeln. „Wir haben heute noch nicht den Stand, wo wir hinwollen.“ buildingSMART hat deshalb gerade eine eigene Anwendergruppe gegründet, die Einfluss nehmen soll. Interessenten und neue Mitglieder sind herzlich willkommen, was im Laufe der Veranstaltung von den Gründungsmitgliedern Martin Egger und Dr. Rudolf Juli von Obermeyer Planen + Beraten noch ausführlicher erläutert wurde.

Hans-Ullrich Kammeyer, der Präsident der Ingenieurkammer Niedersachsen, erklärte in seinem Grußwort, dass es noch ein längerer Weg sei, bis Planer Gebäudemodelle gleich von Anfang an und vorgedacht - „wie einst die alten Baumeister“ - am Rechner umsetzen. Themen wie Gebäudelebensdauer und Gebäudeunterhaltung, ein neues Vergabesystem, ein hohes Augenmerk auf Qualität und nicht nur auf den Preis sowie die Beschäftigung mit BIM seien dabei wichtig.

  • Hoch motivierte Studenten, die gerne modellieren,
  • fachübergreifende Projekte, die für BIM wichtig sind,
  • Netzwerk statt HOAI

... das waren nur drei Themen des Vortrages von Hans-Georg Oltmanns vom Büro Oltmanns & Partner, der seit kurzem auch Professor an der Fachhochschule ist. Oltmanns lebt die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit. Sein Anliegen ist es, die Belange von BIM mit denen von Lehre und Planungsbüro unter einen Hut zu bringen. Vehement tritt er für 3D Modeling im Planungsprozess ein: „Alle sehen das Gleiche, die Fehlerquote sinkt, die Kette schließt sich.“ Die „Kette“ ist der BIM Prozess, von der ersten Idee über die Gesamtplanung, die Realisierung und Nutzung (FM) bis hin zum Recycling. In der FH Ausbildung geht er zusammen mit Prof. Dr. Ing. H.-H. Prüser und Prof. Dr.Ing. J. Härtel, seinen Kollegen vom neu gegründeten „Institut für datenbankorientiertes Konstruieren“ (Institut of Applied Database), neue Wege. Und ist immer mehr überzeugt davon, dass die richtige Herangehensweise die Studenten innerhalb kürzester Zeit und sozusagen von Null auf Hundert zu überraschenden Ergebnissen führen kann. Er illustriert dies unter anderem mit Ergebnissen aus einem aktuellen Masterprojekt, in dem CAD und FEM gekoppelt wurden und bei dem nach acht Wochen (ein Tag pro Woche) ein fertiges 3D Entwurfsmodell vorlag. Oltmanns und seine Mitstreiter an der FH und im Ingenieurbüro nutzen alle Kommunikationsmöglichkeiten, die Internet und Skype derzeit bieten, bis zu Übungsprojektpatenschaften via Skype.

Referenzprojekte aus seinem Büro zeigen die Vorteile des konsequenten Arbeitens im 3D Modell und bei der 3D Tragwerksplanung auf. Beeindruckend: ein Prüfauftrag, bei dem wesentliche Bauteile nachmodelliert und von einem 15jährigen Schulpraktikanten in Cinema 4D als Film umgesetzt wurden. Ähnlich wie die Holz-Stahl-Brücke in einer recht unzugänglichen Landschaft in Norwegen nahe des Polarkreises, deren Bau und Tragverhalten - über 3D-Modellierung mit Tekla Structures, Cinema 4D und Baustellenfotos in einer Art Baufilm visualisiert wurde. So präzise, dass der ortsansässige Schmied die Details nach diesen Vorlagen und Details schweißen konnte.

In einer Skype Liveschaltung direkt in den Veranstaltungsraum der Hochschule bearbeitete der dänische Planer Soeren Voss Sorensen von seinem Schreibtisch in Ega bei Aarhus aus zusammen mit dem Oldenburger Patrick Grotelüschen 3D-Details für die neue Musikhalle in Aalborg (Architektur: Coop Himmelb(l)au) - über eine Entfernung von 500 km. Die Planung von 1400 Fertigteilen für ein dänisches Werk realisieren die Planer aus Deutschland und Dänemark gemeinsam. Zwischendurch tauschen sie sich in Zweier- oder Dreierkonferenzen regelmäßig via Skype aus, über die Werkpläne und Teilbereiche des Gesamtmodells, über 3D Projektdetails der Fertigteilstatik und Bewehrungsprobleme. Besprochen werden die gemeinsame Modellansicht, unterschiedliche Räume, Fassadendetails aus dem Plan oder Fotos, korrigiert oder auch gemeinsam bemaßt. Die Ergebnisse sind absolut präzise, daraus resultiert auch die Möglichkeit, die angepassten Daten direkt ins Fertigteilwerk zu schicken – design to fabrication. Für Oltmanns ist die Veränderung der Leistungsphasen bereits heute Realität: „Wir stecken viel Geld in die erste Phase.“ So funktioniert Zukunft jetzt schon.

Siegfried Wernik von Leon Wohlhage Wernik Architekten (LWW) sieht die Bauplanung immer noch in der Krise: „Es gibt zu viel Papier und zu wenige intelligente Daten.“ Wernik stellt die Daten in den Mittelpunkt, fordert die interdisziplinäre Zusammenarbeit, zentrale konsistente Datenbestände, „eine Datenquelle für alle“, integrierte Gebäudemodelle und den Datenaustausch ohne Informationsverlust mit openBIM. „Wir müssen weg von der Insel.“ Wie es geht und dass das nicht ganz banal ist, zeigt er anhand verschiedener Planungsbeispiele auf. Für Wernik ist BIM Methode und Werkzeug, um Gebäude im 3D Modell als Grundlage für Dokumentation, Präsentation und Projektabwicklung darzustellen. Sein zentraler Satz ist geblieben: Konstruieren statt zeichnen und die Zeichnung ist nur eine Ableitung aus dem Modell. Teamwork findet im gleichen Modell statt. Nur damit sei es möglich, dem Wunsch von Auftraggebern nach einer Optimierung der Planung in Echtzeit nachzukommen. Oder Abhängigkeiten fürs Kosten- und Mengenermittlung beziehungsweise das Facility Management zu filtern und benötigte Informationen und Daten als Listen bzw. in 3D dazustellen.

Stefan Bischof, Projektleiter IT Prozesse von Kommunale Immobilien Jena, nutzt BIM als Basis für FM Entscheidungen. Sein Unternehmen betreut 755 Gebäude (Schulen, Kultur- und Sportbauten) mit 410.000 m² BGF, viele sind Sanierungsprojekte. Beim Umstieg auf Revit in 2009 gab es keine digitalen Daten. Das hat sich über einige Zwischenschritte und viel Überzeugungsarbeit geändert. Heute werden sämtliche Details auch in Hinblick auf Wartungszyklen von Verschleißteilen wie Pumpen, Ventilen oder Feuerlöschern im CAFM System gepflegt und nur die erforderlichen (wie auch Möblierung) an Revit übergeben, um hier ein 3D Modell zu erstellen, das auch den Bauherrn überzeugt. Am Beispiel eines Kitaanbaus zeigte Bischof die umfangreiche Bestandsaufnahme als Mittel zur Investitionsunterstützung. Mit dem Ergebnis, dass die Kitaleitung den Plan versteht und sich daraus gleichzeitig Mengenermittlung, Variantenberechnungen, Kosten über Lebenszyklus ermitteln lassen bis hin zur Gegenüberstellung von Aufwand und Kostenermittlung: „Die Basis für Beratung, Planung, Ausschreibung bis zur Reinigung sind die Daten aus dem 3D Gebäudemodell.“

„How smart is our BIM?“- Dies erklärte Frits van Enk von Veccins 3D in Oldenburg. Sein vor fünf Jahren gegründetes Büro hat sich auf Klimatechnik spezialisiert und nutzte BIM von Anfang an als Methode, um seine Planungsprozesse zu verbessern. Wichtig sei deren Definition und das Wissen darüber, was der Kunde erreichen möchte. Einmal erstellte 3D BIM Modelle für die Haustechnik lassen sich mit der Architektur verknüpfen, da ist dann alles drin, sowohl für den Bauherrn als auch den Architekten. Das BIM Modell wächst über den Planungszeitraum einfach mit, damit geht auch eine Kollisionsprüfung einher. „Der Anfang, insbesondere in Bezug auf den Datenaustausch war schwer, aber es hat sich gelohnt.“ Heute vermeidet BIM viele Fehler beim Planen und Bauen, was Enk anhand verschiedener Projekte, viele aus dem Krankenhausbereich, demonstrierte. Seine BIM Vision: „In der Haustechnik gibt es viele Risiken, BIM ist ein gutes Instrument, es besser zu machen.“ Veccins nutzt die einmal erstellten Gebäudemodelle auch für Energiesimulationen.

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