Runder Akustikraum im Gasometer: Hochschalldämmung durch Trockenbau
(10.2.2026) Der Gasometer in Oberhausen war bis 1988 der größte in Betrieb befindliche Scheibengasbehälter Europas. Seit drei Jahrzehnten ist er ein Wahrzeichen der Industriekultur im Ruhrgebiet und mit bislang 18 Ausstellungen ein beliebter Publikumsmagnet. Das 117,5 m hohe Bauwerk mit einem Durchmesser von knapp 68 m ist die höchste Ausstellungshalle Europas.
Ausstellung „Klang der Tiefe”
Highlight der letzten Schau „Planet Ozean” war die immersive Installation „Klang der Tiefe”. Unter Beachtung des Denkmalschutzes entstand dafür ein runder, hochschallgedämmter und multifunktionaler Akustikraum. Für die architektonische Gestaltung zeichnete das KunstPlus Studio aus Berlin verantwortlich, die Bauausführung übernahm die Bauunternehmung J. Brinkmann GmbH aus Oberhausen. Für diese Leistung erhielten die Ausbauprofis im Rahmen der 14. Rigips Trophy den Sonderpreis Akustik.
Der „Klang der Tiefe” war eine Reise durch die unbekannten Klanglandschaften der Meere. In einem annähernd schalldichten, 14,5 m durchmessenden Akustikraum lauschten die Besucher dem Gesang der Wale, den Klicklauten der Delfine und den vielfältigen Geräuschen kleiner Meeresbewohner. Der Akustikraum liegt zentral im Gasometer und wird nach optischer Überarbeitung auch in der kommenden Ausstellung wieder genutzt.
Herausforderung Denkmalschutz – nur geklebt und geklemmt
Zentrales Element ist die riesige, denkmalgeschützte Gasdruckscheibe. Früher schwamm sie auf dem gelagerten Gas und hielt den Druck konstant; heute ruht sie auf 4,30 m hohen Stahlstützen und bildet die tragende Deckenkonstruktion. Die Aufgabe der Ausbauspezialisten der J. Brinkmann GmbH war, hochschalldämmende Trockenbauwandkonstruktionen in diese Stahlstruktur zu integrieren und die Wände für Ausstellungsexponate vorzusehen. Da parallel Exponate aufgebaut wurden, musste das Team während der gesamten Bauzeit besonders auf Sauberkeit achten.
Aufgrund von Denkmalschutzauflagen durften Wand- und Deckenanschlüsse nicht mit üblichen Verbindungsmitteln befestigt werden: Verschraubungen an den Stahlstützen oder an der Gasdruckscheibe waren untersagt. Daher wurden die seitlichen Wand- und Deckenanschlüsse nicht verschraubt, sondern mit Klebetechnik in den Stahlstützen fixiert.
Anschlüsse und Wandkonstruktion
Die Anschlüsse wurden zusätzlich verkeilt, verspannt und auf voller Wandhöhe ausgeschäumt, um Stabilität zu gewährleisten. Seitliche Wandfugen wurden mit Klebeband luftdicht verschlossen. Den Abschluss des oberen Wandkopfes realisierte das Trockenbauteam per Anpresstechnik: Der Hohlraum zwischen dem oberen UA-Profil und der denkmalgeschützten Stahl-Gasdruckscheibe wurde in den Wänden dicht mit Isover Akustic SSP1 (Glaswolle-Platten) und im Bereich des Deckenanschlusses mit Isover BSP 40 (Steinwolle-Platten) ausgefüllt.
Massive Rigips Habito-Trockenbauplatten beplanken die Wandkonstruktionen. Die Platten montierten die Spezialisten an den zwischen den Stahlstützen verspannten Ständerwerksprofilen. Die Dehnfuge zwischen der sich ausdehnenden Raumdecke bzw. der Stahl-Gasdruckscheibe und der Wandbeplankung, wurde mit einem Spezialkompressionsband luftdicht abgedichtet. Für die Oberflächenveredelung kam Rigips Vario Fugenspachtel zum Einsatz; im Innenbereich des Akustikraums wurde die Oberfläche in der höchsten Qualitätsstufe Q4 ausgeführt. Damit eignen sich die Wände auch als Projektionsflächen.
Die Rigips Habito-Platte ermöglicht zudem Brandschutzkonstruktionen in F30 und F90 und bietet besseren Schallschutz als Standardkonstruktionen. An jeder gewünschten Stelle lassen sich mit einem Schraubendreher und Rigips Habito Schrauben schwere Lasten befestigen: Eine 12,5 mm starke Habito-Platte weist eine Zugfestigkeit von 30 kg pro Schraube auf; bei zweilagiger Beplankung sind bis zu 60 kg möglich. Außerdem ist Rigips Habito laut Unternehmen bis zu 50 % widerstandsfähiger als herkömmliche Putzoberflächen.
Intelligente Lösungen für knifflige Aufgabenstellungen
Die Jury der 14. Rigips Trophy 2024/2025 zeigte sich von der Vielzahl intelligenter Lösungen überzeugt. Die Spezialisten der J. Brinkmann GmbH mussten Raum- und Bauakustik ständig parallel berücksichtigen. Da der Ausstellungsraum temporär genutzt wird, war der spätere Rückbau von Anfang an einzuplanen. Das Projekt profitierte in besonderem Maße von den ausgezeichneten Schallschutzeigenschaften und der hohen Robustheit der Rigips Habito Platten – zum Schutz der Exponate und Wände, so das einhellige Votum der Jury.
Bautafel:
- Bauherr: Gasometer Oberhausen GmbH
- Architekt: Kunst+ (Kunst Plus) - Karsten Schuhl
- Trockenbau: Bauunternehmung J. Brinkmann GmbH, Essen / Oberhausen
- Rigips Gebietsleiter: Udo Struensee, Saint-Gobain Rigips GmbH, Düsseldorf
Weitere Informationen können per E-Mail an Saint-Gobain Rigips angefordert werden.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
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siehe zudem:
- Raumakustik im Innenausbau-Magazin auf Baulinks
- Literatur / Bücher zum Thema Raumakustik bei Baubuch / Amazon.de





