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Top und Flop bei WHG-normierten Schlitzrinnen

(24.5.2011) Für die Entwässerung schwerlastbefahrener WHG-Flächen gilt die Anforderung höchster Produktintegrität. Seriöse Hersteller statten ihre Rinnensysteme mit entsprechender Sicherheitsleistung aus. Andere bringen zweifelhafte Sparprodukte auf den Markt. Oft werden dann Sicherheitswahrung und Kosten auf den Einbau verlagert. Durchblick zählt und zahlt sich aus.


Schlitzrinnen werden zur Entwässerung von Flächen eingebaut, die höchste Verkehrslasten etwa durch Lkw oder Flugzeuge bewältigen müssen. Häufig unterliegen solche Flächen dem Risiko, dass umwelttoxische Substanzen - vornehmlich Treib- und Betriebsstoffe oder Transportgüter - unkontrolliert austreten können. Für solche Areale und ihre Entwässerungssysteme gelten dann die gleichen Sicherheitsbestimmungen des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG, §62), die bei so genannten LAU-Anlagen zum Lagern, Abfüllen und Umschlagen wassergefährdender Medien anzuwenden sind.

Ob ein Rinnensystem den Anforderungen des WHG entspricht, prüft und attestiert das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt, Berlin) auf Antrag des Herstellers. WHG-gerechten Produkten erteilt das DIBt die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, die zugleich Konformitätsnachweis hinsichtlich der Landesbauordnungen ist. Und nur Systeme, die diese Zulassung tragen, dürfen in WHG-reglementierten Bereichen eingebaut werden. Jedoch: Die DIBt-Zulassung ist kein Gütesiegel. Ganz im Gegenteil können Produkte, die den Stempel aus Berlin tragen, maßgebliche Qualitätsunterschiede aufweisen. Nur wer kundig genug ist, erkennt die Details, an denen Top und Flop sich scheiden.

Schlitzrinnen zeichnen sich gegenüber anderen Rinnentypen dadurch aus, dass sie keine durchgängig aufmontierten Gitterabdeckungen tragen und folglich die verschleißanfällige Materialverbindung zwischen Rinne und Abdeckung entfällt. Lediglich an einem Ende der Rinnenelemente kann sich eine kleine Reinigungs- und Inspektionsöffnung befinden, die eine schwerlastbefahrbare Abdeckung trägt. Schlitzrinnen werden nach aktuellem Produktionsstandard aus stahlbewehrtem Beton vollständig in einem Stück gegossen. Sie sind somit frei von korrosionsanfälligen Nähten und Fugen. Gleichzeitig bedingt die monolithische Herstellungsweise, dass die Rinnen insbesondere dynamischen Horizontalkräften problemlos standhalten.


Der Beton

Ein erster kritischer Blick muss der Druckfestigkeitsklasse des Betons, der Stärke der Rinnen-Längsbewehrung sowie den Reinigungsöffnungen gelten. Es zeichnet den umsichtigen Hersteller aus, dass er einen Beton mittlerer Güte im Bereich um C40/50 verwendet, weil es der gegebene Anwendungsfall erfordert, einen sachgerechten Kompromiss zwischen Druckfestigkeit und Versprödungsneigung zu realisieren. Mit zunehmender Festigkeit wird Beton zugleich spröder, und damit nimmt die Schlagempfindlichkeit zu - bei hohen Verkehrslasten ein Nachteil für die Standfestigkeit der Rinne.

Dass manche Hersteller dennoch hochfesten Beton verwenden, hat einen für sie profitablen Grund: die Produktion größerer Stückzahlen bei gegebener Anlagen- und Mitarbeiterkapazität. Denn anders als beim Einsatz einer zweckrationalen mittleren Betongüte können mit hochfestem Beton die Gießformen zwei mal pro Tag befüllt werden. Dabei ergeben sich jedoch Qualitätseinbußen, da der junge Beton wegen höherer Anfangstemperaturen beim Abkühlen eine größere Temperaturdifferenz durchläuft, was das Produkt anfälliger für Rissbildungen und Verwindungen macht. So können sich erhöhte Maßabweichungen und in weiterer Folge ein Mehraufwand bei der Verlegung ergeben. Die Kosten hierfür trägt der Kunde und es wird somit offensichtlich, wie auf ihn die Negativeffekte der höheren Fertigungsleistung abgewälzt werden.

Die Bewehrung

Analoge Effekte ergeben sich aus unterschiedlicher Stahlbewehrung des Rinnenkörpers. Bei ausreichend dimensionierter Längsbewehrung kann das Fundament, auf dem die Rinne verlegt wird, vergleichsweise klein gehalten und aus Beton mit geringerer Druckfestigkeit erstellt werden. Eine in dieser Hinsicht hochwertige Rinne kommt im Anwendungsfall der höchsten Belastungsklasse F 900 mit einer Stahlbeton-Fundamentierung von etwa 80 cm Breite und 60 cm Höhe in Betongüte C25/30 aus. Verlangt eine Rinne nach deutlich größerer Fundamentbemessung und nach höherer Betongüte, so ist in aller Regel eine zu geringe Rinnenlängsbewehrung die Ursache. Sparproduktion und ein scheinbar günstiger Produktpreis haben also auch hier den Pferdefuß hoher Baustellenkosten, die zu Lasten des Kunden gehen.

Rund um die Reinigungsöffnung

Bei den Gitterabdeckungen der Reinigungsöffnungen verhält es sich nicht anders. Eine Qualitätsrinne zeichnet sich dadurch aus, dass Zarge und Abdeckung so in den Betonkörper integriert sind, dass die gesamte Längsseite der Rinne eine durchgängige Betonkante aufweist. Nur dann ist es möglich, beim Einbau eines Rinnenstrangs mit einem einheitlichen Primer zu arbeiten und einen dauerhaft stabilen Übergang zum angrenzenden Flächenbelag herzustellen. Andernfalls, wenn sich Zarge und Abdeckung über die gesamte Rinnenbreite erstrecken, ergibt sich entlang der Rinnenlängskante zwangsläufig ein Materialübergang von Beton zu Metall. Das hier angrenzende Fugenmaterial, das den elastischen Anschluss der Rinne an den umgeben Flächenbelag herstellt, hat dann entweder abschnittsweise geringere Haftung zur Rinne oder es muss auf der Baustelle mit unterschiedlichen Primern für Beton und Metall gearbeitet werden, was den Einbau erneut mit höherem Zeit- und Kostenaufwand belastet.

Neben diesem konstruktiven Aspekt verdienen sowohl die Materialwahl als auch weitere Ausführungsdetails im Bereich der Reinigungsöffnungen erhöhte Aufmerksamkeit. Für die Zargen, die zur Verankerung der Abdeckungen dienen, ist allein Stahl eine gute Wahl. Indem er Schläge kompensiert, schützt er den darunter liegenden Beton. Zargen aus Grauguss dagegen sind starr; sie geben Schlag-, Stoß- und Vibrationseinwirkungen unvermindert an den Betonkörper weiter, der dadurch nach und nach zerstört wird.

Die Verschraubung der Abdeckungen sollte mit korrosionsbeständigen Edelstahlschrauben erfolgen. Herkömmliche verzinkte Schrauben sind zwar preiswerter, verlieren aber schnell ihre Gängigkeit durch Rost und werden so zum Hindernis, wenn die Abdeckung für Reinigungs- oder Inspektionsarbeiten abgenommen werden muss. Und damit überhaupt eine sichere Verschraubung erfolgen kann, muss gewährleistet sein, dass die Gewindeöffnungen sauber sind und bleiben. Im Zuge des normalen Baustellenbetriebs sind Verschmutzungen unvermeidbar, und bei einer Sacklochausführung der Gewindeöffnungen ist deren Reinigung nahezu unmöglich. Eine Problemlösung bieten Rinnen, deren Gewindeöffnungen unter der Zarge in Reinigungstaschen übergehen, die ins Rinneninnere münden. Auf diese Weise erfolgt eine Selbstreinigung der Gewindeöffnungen.

Noch mehr kritische Aspekte

Ein weiteres Detail betrifft die Revisierbarkeit des Rinnensystems. Unter WHG-Reglement müssen insbesondere die Fugen regelmäßig einer Sichtprüfung unterzogen werden und hierfür zugänglich sein. Folglich müssen sich die Elemente eines Rinnensystems immer so kombinieren lassen, dass an jeder Fuge eine Reinigungsöffnung liegt. Diese Anforderung gilt auch für die Verschlussplatte am Ende eines Rinnenstrangs. Nicht jedes Rinnensystem muss mit entsprechender Sorgfalt konzipiert sein.

Auch bleibt bei der Konfiguration mancher Systeme offen, inwieweit sie am Rinnenabschluss überhaupt zuverlässig abgedichtet werden können. Da das letzte Rinnenelement einer Entwässerungslinie entweder in ein Spitzende oder in ein Ende mit Muffe auslaufen kann, ist für den flüssigkeitsdichten Abschluss die Verfügbarkeit zweier Verschlussplatten-Varianten mit jeweils entsprechendem Gegenprofil erforderlich.


Bild aus dem Beitrag "220 LKW-Ladungen Entwässerungsrinnen für BBI" vom 17.9.2010 (Bild vergrößern)

Rinnensysteme haben in erster Linie die Aufgabe, Niederschläge schnell abzuleiten, was nach einer hohen hydraulischen Leistung verlangt. So weit es sich um die Entwässerung einer WHG-reglementierten Betriebsfläche handelt, tritt als weitere Anforderung die Eignung für wassergefährdende Medien hinzu. Die Ableitfähigkeit verhält sich proportional zur Summe der Schlitzquerschnitte pro Rinnenmeter, und es lohnt sich, für Vergleichsberechnungen den Taschenrechner zu bemühen.

Ebenso lohnt sich der Blick in die DIBt-Zulassung, die seriöse Hersteller auf ihrer Website als Download bereitstellen. Sie enthält in einem ihrer Anhänge die Liste der Flüssigkeiten, gegen die die Systembauteile undurchlässig und chemisch beständig sind. Hier sollten alle Medien genannt sein, die auf der zu entwässernden Fläche anfallen können. So wäre beispielsweise Flughafenbetreibern von einer Rinne abzuraten, deren Medienliste nicht ausdrücklich Enteisungsmittel enthält.

Weitere Informationen zu Schwerlast- und Schlitzrinnen können per E-Mail an Birco angefordert werden.

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