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Uferbeleuchtung, ein fataler Insektensauger

(31.10.2017) „Wie die Motten zum Licht“ - das ist mehr als eine Redensart: Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben nachgewiesen, dass künstliche Beleuchtung in der Nähe von Gewässern die Zahl und Gemeinschaften von Insekten und Spinnen stark beeinflusst. Wie ein Staubsauger entzieht das Licht den benachbarten Ökosystemen fliegende Insekten. Profiteure sind räuberische Insekten und Spinnen, für die die desorientierten Wasserinsekten ein Festmahl sind.


Foto © Franz Hölker / IGB

Lichtverschmutzung rund um den Erdball

Jährlich nimmt die Erhellung der Nacht durch künstliches Licht um etwa sechs Prozent zu - und zwar weltweit. Alessandro Manfrin, Wissenschaftler am IGB, erinnert: „Wir Menschen machen die Nacht zum Tag und sind uns gar nicht bewusst, dass dies eine der größten globalen Umweltveränderungen darstellt. Die meisten Lebewesen haben sich an einen Hell-Dunkel-Rhythmus angepasst. Es liegt also nahe, dass eine künstlich erhellte Nacht einen maßgeblichen Einfluss auf das Vorkommen und Verhalten von Tieren hat. Insbesondere entlang von Gewässern, die die Heimat von vielen lichtempfindlichen Insekten sind.“

Die Zahl der Fluginsekten ist in Teilen Deutschlands um mehr als 75% zurückgegangen (siehe: PLoSOne: „Insektensterben in Deutschland bestätigt“). Ein Grund hierfür könnte auch die Lichtverschmutzung sein. In jeder Sommernacht werden schätzungsweise eine Milliarde Insekten von Deutschlands Lampen und Leuchten irritiert - für viele endet das tödlich.

Dieses Phänomen haben Alessandro Manfrin und sein Team im Naturpark Westhavelland (siehe Google-Maps) fernab von stark beleuchteten Städten genauer untersucht. Auf gewässernahen Versuchsfeldern haben sie die Auswirkungen von Straßenleuchten auf das Vorkommen, die Häufigkeit und das Verhalten von Insekten und Spinnen gemessen. Ein Versuchsfeld blieb als Referenzfeld dunkel, während auf dem anderen Versuchsfeld jeden Abend Straßenlaternen leuchteten.


Versuchsfelder im Naturpark Westhavelland in Brandenburg (Foto © Alessandro Manfrin / IGB)

Im Bereich des erleuchteten Versuchsfelds verließen deutlich mehr Insekten das Wasser als auf dem unbeleuchteten Versuchsfeld. Und auch das Verhalten der Spinnen und Insekten an Land veränderte sich. An den Leuchten sammelten sich die fliegenden Insekten, insbesondere Wasserinsekten, so dass hier mehr Spinnen und Raubinsekten auf Jagd gingen. Die sonst nachtaktiven Tiere verlängerten ihre Insektenjagd bis in den Tag hinein - vermutlich um von der Vielzahl erschöpfter oder toter Insekten im Bereich der Leuchten zu profitieren. Die Anzahl räuberischer nachtaktiver Laufkäfer war auf dem beleuchteten Versuchsfeld hingegen stark reduziert.

„Die Studie zeigt, wie künstliches Licht Lebensräume für Insekten und deren Räuber über Ökosystemgrenzen hinweg – Wasser und Land – verändern kann. Wenn wir neue Beleuchtungskonzepte entwickeln, müssen wir den möglichen Einfluss auf benachbarte Ökosysteme immer im Hinterkopf behalten. Das gilt für Stadt- und Landschaftsplaner, Beleuchtungsingenieure und in die Planungen einbezogene Ökologen gleichermaßen“, bilanziert Franz Hölker, Leiter der Arbeitsgruppe Lichtverschmutzung und Ökophysiologie am IGB, die Ergebnisse der Studie.

Studie:

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