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BMU und BfN fördern insektenfreundliche Straßenbeleuchtung

(13.9.2019) Viele nachtaktive Insekten fallen der Lichtverschmutzung zum Opfer, der Aufhellung der Nacht durch unachtsame Nutzung von künstlichem Licht. Im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ startet jetzt ein Projekt zur Entwicklung eines neuen Straßenbeleuchtungsdesigns, das die Abstrahlung des Lichtes minimieren soll. Das sechsjährige Verbundprojekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ wird vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) koordiniert und mit rund 2,37 Mio. Euro durch das Bundesumweltministerium gefördert.

Foto aus dem Beitrag „Uferbeleuchtung, ein fataler Insektensauger“ vom 31.10.2017 (Foto © Franz Hölker / IGB)

Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), erinnert in diesem Kontext daran, dass „gerade in Gewässernähe unzählige Insekten von der Straßenbeleuchtung angelockt und ihrem Lebensraum entzogen werden.“ Deshalb sollen aquatische Fluginsekten im Mittelpunkt des Vorhabens stehen. Gemeinsam mit Naturparkverwaltungen und Gemeinden sollen Forschungsinstitute und Universitäten in dem Projekt das neue Straßenbeleuchtungsdesign entwickeln und zusammen mit Bürgern im Praxistest erproben.

Neben der Sogwirkung des Lichts können sich die Abstrahlungen benachbarter Straßenleuchten überschneiden und eine Barriere darstellen, die es Insekten erschwert, eine beleuchtete Straße zu passieren. Aus diesem Grund entwickelt das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Lichttechnik der Technischen Universität Berlin ein Straßenbeleuchtungsdesign, das die Abstrahlung des Lichtes auf die Flugbahnen von Insekten minimiert. Das Licht der Leuchten wird dann nicht mehr an der Leuchte selbst, sondern nur auf den Gehwegen und Straßen zu sehen sein.

Nach einer wissenschaftlichen Evaluierung in einem Experimentalfeld im Westhavelland kann das neue Straßenbeleuchtungsdesign voraussichtlich im Herbst 2021 in vier Gemeinden installiert und erprobt werden: der Stadt Fulda (Hessen), der Stadt Krakow am See (Mecklenburg-Vorpommern) sowie in den Brandenburgischen Gemeinden Gülpe (Landkreis Havellaue) und Neuglobsow am Stechlinsee.

Zwei Jahre vor und nach der Umrüstung wird die Anziehung und das Verhalten von Insekten an den Straßenleuchten untersucht. Für die Untersuchungen wird auch die Mitarbeit und Expertise von ehrenamtlichen Entomologen benötigt, die für den Wissensaustausch in ein europaweites Netzwerk eingebunden werden. Weiterhin sollen Schulen an den Untersuchungen beteiligt werden, damit Schüler die taxonomische Einordnung von Insekten erlernen und mehr über ihre Bedeutung für Ökosysteme erfahren können. Auch auf die Mitwirkung und Unterstützung der Anwohnerinnen und Anwohner ist das Projekt angewiesen.

Ziel des Projektes ist, Beleuchtungssysteme zu entwickeln und zu fördern, die die negativen Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich halten. Zugleich wird die Umweltbildung im Bereich der heimischen Insektenfauna gestärkt und der Wert der nächtlichen Dunkelheit für Mensch und Natur vermittelt. „

In Anbetracht des dramatischen Rückgangs der Insektenbestände werden im Rahmen des Projektes weiterhin Handlungsempfehlungen an Kommunen, Behörden und Unternehmen herausgegeben, um den negativen Auswirkungen durch Beleuchtung im privaten, wie auch im öffentlichen Bereich entgegenzuwirken. Denn durch insektenfreundliche Beleuchtung kann in Sachen Lichtverschmutzung im kommunalen, unternehmerischen und privaten Bereich nahezu jede(r) etwas tun.

Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt. Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen sollen dazu beitragen, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Informationen und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.

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