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Bericht vom 16. buildingSMART Forum 2012 am 6. November

(24.11.2012) „Einhundert Prozent der Projekte haben das Potenzial, mit BIM effizienter zu werden,“ das sagte Siggi Wernik, geschäftsführender Gesellschafter bei Leon Wohl­hage Wernik Architekten und Vorstandsvorsitzender des buildingSMART e.V., als es um die Frage ging, ob sich Building Information Modeling (BIM) auch für kleinere Pro­jekte und das hierzulande typische kleine bis mittlere Planungsbüro lohnt.


v.l.n.r.: Podiumsdiskussion mit Irja Wichert (Dassault Systemes), Fabian Scheuerer (designtoproduction), Vanessa Prassé (KSP Jürgen Engel Architekten), Dr. Thomas Welter (Bundesgeschäftsführer BDA und Moderator), Matthias Hartmann (Meyer Werft Akademie), Siggi Wernik (Leon Wohlhage Wernik Architekten und Vorstand des buildingSMART) sowie Wolf Mangelsdorf (Buro Happold) (Bild vergrößern)

Im Laufe des 16. buildingSMART Forums, das am 6. November in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin stattfand, wurde überdeutlich, dass BIM in der Pla­nungspraxis angekommen ist. Weltweit agierende, renommierte Büros arbeiten schon längst damit. Ihre Präsentationen und die Projekte, die sie in Berlin vorstellten, waren ein überzeugendes Plädoyer für die Methode, die auf modellorientierter Arbeitsweise und der Vernetzung aller am Bau Beteiligter basiert. Sie stießen damit auf großes In­teresse: mit weit mehr als 200 Teilnehmern war der Kongress komplett ausgebucht.

Gleichzeitig zeigte die Veranstaltung - kompetent und unterhaltsam moderiert von Dr. Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer des BDA -, dass es auch in der Fachwelt nach wie vor Aufklärungsbedarf gibt, wenn es um die durchgängige Nutzung digitaler Bau­werksmodelle im Planungsalltag geht. Als Verein, der sich diesen Aspekt auf die Fa­hnen geschrieben hat, sieht sich der buildingSMART e.V. hier in der Pflicht und agiert. Unter anderem mit der Neuausrichtung des deutschsprachigen Chapters und einer neuen Strategie, die im Frühjahr 2012 aufgesetzt wurde. Zu den Kompetenzen und Leistungen gehören Information und Integration, aber auch die Standardisierung von Prozessen und Strukturen bis hin zur Anwenderzertifizierung. Konsequenterweise stand der diesjährige Kongress unter dem Motto „BIM@Work, Aspekte der digitalen Vernetzung“.

Zuspruch erhielt der buildingSMART dafür sowohl von der Öf­fentlichen Hand als auch seitens der Berufsverbände. Ange­sichts von Rahmenbedingungen wie dem Informationsmangel im Frühstadium der Projektentwicklung, wachsendem Zeit­druck auch bei Großprojekten oder heterogenen Planungs­strukturen begrüßte Dr. Veit Steinle vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in seinem Grußwort ausdrücklich die Initiative des buildingSMART e.V. hier aktiv zu werden, „um das Bauen in und außerhalb Deutschlands zu gestalten“. Auch Hans-Ullrich Kammeyer, der Präsident der Bundesingenieurkammer lobte den Einsatz von buildingSMART e.V., sich für eine Lösung einzusetzen, die das generalistische, „das ganzheitliche Planen am selben Modell wieder ermöglicht“. Er sieht noch einigen Bedarf in der Aus- und Weiterbildung der Berufsöffentlichkeit, um hier wettbewerbsfähig zu bleiben und bietet dafür aktive Unterstützung an.

Komplexe Projekte erfordern BIM

Einer, der BIM schon längst intensiv nutzt, ist Wolf Mangelsdorf, Partner im Buro Happold, London, mit weltweit mehr als 1500 Mitarbeitern. Hier verbindet BIM die verschiedenen Disziplinen - von Architektur über Tragwerksplanung bis zur Haustech­nik und auch zur Kooperation mit Herstellern. Alle Beteiligten agieren auf einer gemein­samen Modellierungsplattform. Nicht zuletzt, um die Baubarkeit hoch komplexer Struk­turen wie auch bei Planungen mit Zaha Hadid Architekten oder Ron Arad sicher zu stellen und zu optimieren. „Der Computer erlaubt uns, Geometrien und parametrische Modelle zu entwickeln, die es vor 20 Jahren noch gar nicht gab.“

Für Mangelsdorf ist BIM wichtig für den gesamten Ablauf, von der Konzeption bis zur Fertigstellung, aber auch für die Nachhaltigkeit und Energiekonzepte. So konnte die „graue Energie“ eines von Ron Arad geplanten Gebäudes relativ einfach berechnet werden, was letztlich auch die Materialwahl beinflusste: Stahl ersetzte die geplanten Aluminiumelemente. Einige Tausend Tonnen CO₂ konnten gespart werden. Für Happold haben sich die Investitionskosten von BIM amortisiert. Dem vorgezogenen höheren Zeit- und Kostenaufwand in der Planungsphase steht eine große Zeit- und Kostener­sparnis während der Zeit des Bauens gegenüber, so Mangelsdorf. Die Londoner haben ihre Hausaufgaben in Bezug auf die BIM Strategie der Britischen Regierung, nach der integrierte BIM Methoden ab 2016 im öffentlichen Bauen vorgeschrieben sind, bereits gemacht.

Etwas anders arbeiten die Ateliers Jean Nouvel (AJN), Paris. Nouvel setzt noch auf die Trennung von Entwurf und BIM Umsetzung. Trotzdem: „Komplexe Projekte erfor­dern BIM.“ Für Brian Wait, AJN, der sich nicht als „BIM Guru“ sieht, steht das außer Frage. Bei Projekten wie dem National Museum Quatar mit der kristallinen Struktur ei­ner Wüstenrose arbeitet AJN zusammen mit externen BIM Spezialisten wie Tobias Nol­te, Gehry Technologies (GT), am zentralen Datenmodell in der Cloud. Denn hinter dem, was hier auf den ersten Blick einfach scheint, verstecken sich höchst komplexe Gebil­de, die ohne 3D-Modellierung kaum und schon gar nicht wirtschaftlich umsetzbar wä­ren.

Tristram Carfrae von Arup Australia machte seine ersten BIM Erfahrungen in 2003, im Zusammenhang mit den Planungen für den Water Cube in Peking. Das dreidimensio­nale parametrische Datenmodell bot ihm die einzige Möglichkeit, alle relevanten Daten der beteiligten Planer und Gewerke zu integrieren: Design, Architektur, Statik, Haus­technik, Lichttechnik bis hin zur Materialauswahl für die Hülle, die u.a. Lichteinfall und Geräuschpegel beeinflusst. Carfrae war fasziniert davon: Abstimmungsprobleme, die sich normalerweise erst im Verlauf des Bauprozesses ergeben, konnten bereits in der Planungsphase erkannt und anhand des 3D-Modells gelöst werden. Noch während der Formfindung und in der Konzeptionsphase konnte der Entwurf immer wieder optimiert werden. Was nach mehr als 25 Iterationen schließlich zu der Lösung führte, mit der das Planungsteam den Wettbewerb für sich entscheiden konnte.

„Nichts anderes als BIM“ macht Fabian Scheuerer, designtoproduction, Zürich. Sein Unternehmen entwickelt digitale Modelle als Grundlage für die maschinelle Pro­duktion von Präzisionsbauteilen. Beispielsweise für Shigeru Bans Holzkonstruktion des neuen Centre Pompidou in Metz. Dessen netzartige Struktur ist inspiriert vom traditio­nellen chinesischen Strohhut mit einem Tragwerk aus 1.800 unterschiedlichen Brett­schichtholzträgern. Gefragt war die Arbeitsweise mit BIM auch für die mehrfach ge­krümmte Dachkonstruktion des Konzerthauses im norwegischen Kristiansand von ALA Architects:

Bei „file to factoring“ geht es um Genauigkeit, auch wenn am Ende alles ganz einfach aussieht. Eine CNC-Maschine, die im Maßstab 1:1 produziert, brauche parametrische Daten mit einer extrem hohen Planungstiefe. Eine Voraussetzung dafür ist für Scheur­er auch BIM: der komplett integrierte modellorientierte Ansatz und die intensive Kom­munikation aller Beteiligten. Dass die Projekte auf seinem Tisch heute immer komplexer werden, sieht der Informatiker entspannt, denn: „wir werden ja auch immer besser“.

Interessante Parallelen zum schlanken Kreuzfahrt-Schiffbau und zur Vorfertigung par excellence zog Matthias Hartmann, Meyer Werft Akademie. Die Werft hat einige Rekorde aufzuweisen: So steht Europas längstes Fließband für die Kabinenfertigung in Papenburg. Und jährlich werden hier drei Theater gebaut. In Zeiten immer kürzerer Bauzeiten bei gleichzeitiger Kostenoptimierung sind Lean Management und der konti­nuierliche Verbesserungsprozess längst selbstverständlich. Dabei geht es insbesondere um die Identifikation der erforderlichen Teilaufgaben beim Planen und Bauen der Schif­fe, die tagesgenau definiert werden. So wird der Gesamtprozess transparent, präzise steuerbar und deutlich wirtschaftlicher, um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Viele Prozesse sind weitgehend automatisiert. Und nichts geht ohne eine op­timierte Taktung, intensive Kommunikation, koordinierten Informationsaustausch und permanentes Reporting.

BIM-BAM-BOOM

Die Planungs- und Bauprozesse verändern sich, ebenso wie sich die Berufsbilder der daran Beteiligten weiter verändern werden. Ihre Zusammenarbeit spielt dabei eine wesentliche Rolle - gerade in Deutschland, wo eher kleinere Büros dominieren, die ihre Wettbewerbsfähigkeit mit BIM und über Kooperationen erhöhen können. Über Innov­ation durch ein "Miteinander" sprach auch Irja Wichert von Exalead / Dassault Systemes in ihrem Vortrag über Kommunikation, Kollaboration und Koordination. Das sind Softskills, die auch bei BIM im Mittelpunkt stehen. Und die sich - wie der schnelle, direkte Informationsaustausch - für die neue, Socialmedia erfahrene Generation mögli­cherweise einfacher und selbstverständlicher gestalten.

Die Technik und die Methode dafür stehen bereit. Und der buildingSMART e.V. ist hoch motiviert: für 2013 sind verschiedene BIM Projekte, weitere Anwendertage mit Fokus auf die Praxis sowie ein internationaler Kongress in Deutschland geplant. „Wenn buil­dingSmart die Normierung von BIM über Zertifizierungen wie DIN und ISO erreicht hat, geht es weiter mit BAM (Building Assembly Model) für die Bauphase und BOOM (Buil­ding Operation Optimization Model) für die Betriebsphase des Gebäudes“, betonte buil­dingSMART Vorstand Siggi Wernik, für den BIM derzeit erst der Anfang ist.

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