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Barrierefreies Leitsystem Easycross für Fußgängerüberwege

(24.8.2007) Eine große Koalition aus Wissenschaft, Verwaltung, Verbänden und Industrie setzt sich in Hessen offensiv für die Mobilität behinderter Menschen ein. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist das barrierefreie Leitsystem Easycross für Fußgängerüberwege:


Für die Beschreibung der verschiedenen Easycross-Elemente siehe Textabschnitt "Taktile Informationen"

Öffentliche Verkehrsflächen müssen barrierefrei ausgeführt werden, fordert der Gesetzgeber*). Allerdings fehlen in den relevanten Normen- und Regelwerken die Planungsgrundlagen. So hat das Amt für Straßen- und Verkehrswesen Kassel die Initiative für behinderte Menschen ergriffen: Die Fachleute entwickelten mit Behindertenverbänden, Sachverständigen und Technikern des Betonwerks Klostermann das Modulsystem Easycross. Dabei handelt es sich um die Kombination von berollbaren Bordsteinen und taktil wahrnehmbaren Bodenbelägen, so genannten Bodenindikatoren. Kernvorteil: Das System gewährt sowohl Gehbehinderten als auch blinden und sehbehinderten Menschen Mobilität, Komfort, Sicherheit und Orientierung.

Nach insgesamt neun Modellprojekten, darunter der Um- und Ausbau einer Bushaltestelle und Fußgängerquerungsanlage im Zuge der B 520 in Schauenburg, Ortseil Breitenbach, wird das nun ausgereifte Leitsystem flächendeckend in Hessen bei entsprechenden Baumaßnahmen eingesetzt. Die Modulbauweise bietet Ausführungslösungen für unterschiedliche Straßenraumsituationen. Das System wird zurzeit von den Betonwerken Klostermann vertrieben, ein Vertriebsnetz soll in diesen Monaten entstehen.

Taktile Informationen

Blinde Menschen benötigen zur Orientierung im Straßenraum Merkmale im Bodenbelag, die sie mit ihren Füßen und über den pendelnden Langstock wahrnehmen können. So verfügt das System Easycross über ein Aufmerksamkeitsfeld mit Hinweisfunktion (Noppenplatten, 1) und Leitfunktion (Rillenplatten, 2), wobei das trapezförmige Rillenprofil die Spitze des Langstocks aufnimmt. Der Rollbord (3) am Übergang zur Fahrbahn ist ebenfalls mit dieser taktilen Information ausgestattet - das Rillenprofil fungiert wieder als klar erkennbare Orientierungshilfe. Auf der anderen Straßenseite finden sich die gleichen taktilen Verhältnisse.

Keine Stolperfalle

Der Rollbord ermöglicht Mobilitätsbehinderten einen niveaugleichen Übergang zur Fahrbahn. Von diesem Komfort profitieren Rollstuhlfahrer und Rollator-Benutzer gleichsam wie Verkehrsteilnehmer mit Fahrrad oder Kinderwagen. Mit den Verbindungssteinen (4) wird der linke und rechte Anschluss zu Standardbordsteinen hergestellt. Weitere Bausteine sind Ergänzungssteine mit kleineren Abmessungen und Trapezsteine für Radienbereiche. Der erforderliche Kontrast zu dunkleren Bodenbelägen ist durch Oberflächen in hellem Sichtbeton gewährleistet.

Bundesweite Bedeutung

Die Modellprojekte werden in dem aktuellen Leitfaden "Unbehinderte Mobilität" der Hessischen Straßen- und Verkehrsverwaltung vorgestellt. An dieser Planungsrichtschnur orientiert sich heute die Gestaltung barrierefreier Verkehrsflächen von Nord- bis Südhessen.

Auf die bundesweite Bedeutung des hessischen Wegs verwies Karin Evers-Meyer (SPD). Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen sagte wörtlich: "Aus Sicht des Bundes wäre es begrüßenswert, wenn sich in allen 16 Bundesländern zumindest ähnliche Standards hinsichtlich der barrierefreien Gestaltung öffentlicher Räume durchsetzen würden."

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*)  Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen, Behindertengleichstellungsgesetz (BGG), Mai 2002

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