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Resistance Class (RC) löst Widerstandsklasse (WK) ab - Einbruchschutz auf Europäisch

  • Fachbeitrag von Hans-Gert Mücke, Konstruktion und Zulassung, Teckentrup

(16.11.2012) Im vergangenen Jahr löste die DIN EN 1627 die bisherige Vornorm (DIN V ENV 1627) ab. Damit ist der Ein­bruchschutz jetzt auf europäischer Ebene verbindlich genormt. Sichtbarstes Zeichen ist der Sprachwechsel: Statt „WK“ (Wi­derstandsklasse) ist nun von „RC“ (Resistance Class) die Rede. Allerdings sind die neuen Klassen nicht deckungsgleich mit der bisherigen WK-Einteilung, auch wenn weiterhin sechs Klassen bestehen. Unter die Norm fallen Türen, Fenster, Vorhangfassa­den, Gitterelemente und Abschlüsse.

Korrelation der Widerstandsklassen

Die neuen Klassen sind etwas strenger geworden, die für die Prüfung vorgesehenen Werkzeugsätze wurden verändert. Daher ist das einfache Übertragen von den WK- in die RC-Klassen nicht zulässig: Nur bei den Klassen WK 4 bzw. WK 5 ist es möglich, die Prüfung nach bisheriger Vornorm (DIN V ENV 1627) für die Einstufung in die Klassen RC 4 und RC 5 zu verwenden. Beim Übergang von WK 2, WK 3 und WK 6 auf RC 2, RC 3 bzw. RC 6 sind Ergänzungsprüfungen abzulegen. Und auch für die Klassifizierung RC 1 ist eine Prüfung durchzuführen. Gerade in der Einstiegsklasse (RC 1N) führt die neue Prüfung allerdings auch dazu, dass nun ein widerstandsfähigeres Element vorliegt als früher mit der Klasse WK 1. So hatte die Polizei beispielsweise WK 1-Türen nicht empfohlen.

Neu sind die Klassen RC 1N und RC 2N. Sie betreffen verglaste Elemente, bei denen nur für das Element, nicht aber für das Glas Vorschriften bestehen. Dies gab es so in Deutschland bislang nicht, war in einigen europäischen Staaten aber üblich und ist daher als Kompromiss innerhalb der europäischen Normung zu sehen. Die Polizei rät, anstelle von RC 1N /RC 2N-Türen (bzw. Fenstern) auf die Klassen RC 1 / RC 2 zu set­zen.

Türen mit ET-Klassifizierung nach der alten DIN 18103 sind nicht mehr berücksichtigt - siehe Tabelle:

WK nach alter DIN und RC nach EN 1627
Widerstandsklasse nach DIN V ENV 1627:1999 Widerstandsklasse nach DIN EN 1627:2011 Bemerkung
    RC 1 N Prüfanforderung höher als bei WK 1, daher keine Zuordnung
  WK 2   RC 2 N RC 2 N ohne Vorgaben für Verglasung
  WK 2   RC 2  
  WK 3   RC 3  
  WK 4   RC 4
  WK 5   RC 5  
  WK 6   RC 6 Für RC 6 gelten Zusatzprüfungen gegenüber WK 6

Widerstand – nicht nur von der Tür oder dem Fenster!

Die Norm legt in einem nationalen Anhang fest, welche Schlös­ser, Schließzylinder oder Schutzbeschläge welcher RC zuzuord­nen sind. Für Türen der RC 3 sind dies bspw. Schutzbeschläge mindestens der Klasse ES2 / ES2-ZA, Schlösser der Klasse 4 und Zylinder der Klassen 21-, 31- 71-BZ.

Da Einbruchschutz nur funktioniert, wenn den Langfingern keine alternativen Wege nach innen offen stehen, stellt die Norm auch Vorgaben für die Wände auf. Mindest­dicken und Mindestanforderungen an die Druckfestigkeit steigen mit dem Niveau der Schutzklasse - für Mauerwerk wie für Stahlbeton. Außerdem sind nun normativ Werte für weitere Wandtypen definiert, z.B. für Porenbetonwände.

Analog gilt für Verglasungen, dass ihre Widerstandsfähigkeit in höheren Widerstands­klassen höher sein muss als in den niedrigen. Ein Bauelement der Klasse RC 4 darf zum Beispiel nur mit Glas der Klasse P6B (nach EN 356) oder höher ausgestattet werden - in der RC 3 genügt ein P5A-Glas. Alle nicht-gläsernen Füllungen dürfen kein Versagen in der beanspruchten Widerstandsklasse aufweisen.


Schema: Einbinden einer Sicherheitstür an eine Schließ- und Überwachungsanlage. (Bild vergrößern)

Prüfzeichen

Geprüfte Bauteile tragen ein entsprechendes Prüfzeichen. Dieses nennt die „resis­tance class“ und bestätigt, dass das Bauteil die erforderliche Prüfung bestanden hat. Viele Hersteller, die ein Prüfzeichen verwenden, lassen sich freiwillig regelmäßig fremd­überwachen und dokumentieren so noch deutlicher, dass sie normkonform produzie­ren.

Liste der Zertifizierungsstellen:


Typenschild einer T 30-1-Tür der Sicherheitsklasse RC 2. (Bild vergrößern)

Sonderfall Fluchttür

Bei Fluchttüren steigen die Anforderungen an die Ausführung - schließlich treffen hier entgegen gesetzte Vorgaben aufeinander - Einbruchschutz von außen auf ständige, einfache Öffenbarkeit von innen. Hier muss bspw. zusätzlich ausgeschlossen werden, dass der Türgriff von außen mit einer Drahtschlinge erreicht werden kann. Lösungen dafür sind u.a. Halbrund- oder Anschlagschwellen, die das Durchführen der Schlinge unterhalb des Türblattes verhindern. Analog gilt bei Verglasungen, dass diese so wi­derstandsfähig sein müssen, dass keine - auch nicht kleine! - Löcher eingeschlagen werden können, die den Zugriff auf den Drücker ermöglichen würden. Daher ist hier auch über das Standard-Niveau der EN 1627 hinaus zu gehen.

Passend zur EN 1627 sind auch die dazugehörigen Prüfnormen (EN 1628 – 1630) in Kraft getreten. Bislang noch nicht von einer Euro-Norm erfasst ist der Einbruchschutz bei Toren.

Weitere Informationen zum Einbruchschutz können per E-Mail an Teckentrup angefordert werden.

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