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Baustoff-Fachhandel: Deutliches Umsatzminus

(28.2.2002) Der deutsche Baustoff-Fachhandel geht mit überwiegend negativen Erwartungen ins Jahr 2002: Sieben von zehn Unternehmen rechnen mit weiter rückläufigen Umsätzen im ersten Halbjahr. Rund 20 Prozent gehen von einem unveränderten Geschäftsverlauf aus und nur zehn Prozent der 1.425 dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel e.V. (BDB), München, angeschlossenen Mitgliedsfirmen glauben, ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahr leicht steigern zu können.

Das Jahr 2001 markiert den vorläufigen Tiefpunkt in der wirtschaftlichen Entwicklung des deutschen Baustoff-Fachhandels. Die Branche musste nach einem Minus von 3 Prozent im Vorjahr laut Blitzumfrage bundesweit einen weiteren Umsatzrückgang um 5,5 Prozent auf 15,75 Mrd. Euro hinnehmen. Die Verluste sind im Osten mit ca. 7 Prozent höher als im Westen mit rund 5 Prozent. Der Umsatz mit gewerblichen Kunden verringerte sich deutlich stärker (minus 5,6 Prozent) als mit Privatkunden (minus 3,9 Prozent). Am Jahresende beschäftigte der Baustoff-Fachhandel in seinen rund 2.700 Betriebsstätten noch knapp 49.800 Mitarbeiter. "Damit konnten wir das Beschäftigungsniveau des Vorjahres gerade noch halten", betonte Schierer. "Im laufenden Jahr aber werden wir Entlassungen in spürbarem Umfang nicht mehr vermeiden können."

Bauvolumen um rund 6 Prozent zurückgegangen

Ursache für die Negativentwicklung im Baustoff-Fachhandel ist das stark rückläufige Bauvolumen, das sich um rund 6 Prozent oder 15,8 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr verringerte. Zwei Drittel der Leistungseinbußen entfallen auf den Wohnungsbau, das Hauptbetätigungsfeld des Baustoff-Fachhandels. Nach Berechnungen des Ifo Instituts, München, wurden im vergangenen Jahr nur noch 335.000 Wohnungen fertig gestellt, im Jahr 2000 waren es noch 423.000 Einheiten. Für das laufende Jahr sagen die Konjunkturforscher einen weiteren Rückgang auf rund 313.000 Fertigstellungen voraus. Einziger Lichtblick: Der Trend zu Sanierung und Modernisierung hält an. Rund 24 Millionen Wohnungen, das sind zwei Drittel des Bestandes, gelten als energetisch sanierungsbedürftig. Dies entspricht einem möglichen Auftragsvolumen von 364 Mrd. Euro. Weitere Chancen sieht der deutsche Baustoff-Fachhandel in der Anpassung des Wohnungsbestandes an die Bedürfnisse älterer Menschen, einer bis 2010 stark wachsenden Bevölkerungsgruppe. Auch in der Optimierung der Baustellen-Logistik und der Bauabläufe erkennt der BDB für seine Mitgliedsfirmen noch Potenzial. Keine Impulse indessen werden vom öffentlichen Bau erwartet, während dem Wirtschaftsbau immerhin ein kleines Plus von einem Prozent zugetraut wird.

Scharfe Kritik an der Regierungsarbeit

BDB-Präsident Max Schierer übte auf der Pressekonferenz scharfe Kritik an der rot-grünen Regierungskoalition. Eine Politik des Nichtstuns als "Politik der ruhigen Hand" zu bezeichnen, sei zynisch und ein Zeichen der Konzeptlosigkeit der Bundesregierung in Wirtschaftsfragen. Medienwirksam habe der Kanzler zwar einen der größten Baukonzerne vor dem Konkurs bewahrt, die Bauwirtschaft insgesamt aber lasse er schmählich im Stich. Deutlicher als mit der Abschaffung des Bundesbauministeriums habe Schröder nicht dokumentieren können, welchen Stellenwert er dem Wirtschaftsbereich Bau einräumt. "In den vergangenen drei Jahren hat in Deutschland eine koordinierte Wohnungspolitik nicht mehr stattgefunden", verdeutlichte Max Schierer die Misere. Dass Deutschland beim Wirtschaftswachstum in Europa inzwischen Schlusslicht sei und aktuell wegen seines hohen Staatsdefizits den Unmut der EU-Kommission auf sich gezogen habe, habe die Nation auch dem Desinteresse des Bundeskanzlers am Thema Bauen zu verdanken. Der BDB-Präsident wörtlich: "Eine Volkswirtschaft, die nicht mehr baut, glaubt nicht mehr an ihre Zukunft."

Bedeutung des Bauens für Konjunktur unterschätzt

Mitte der 90er Jahre trug die Bauwirtschaft noch mit einem Anteil von 7 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, heute sind es gerade noch 4,7 Prozent – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Bau- und Ausbaugewerbe gelten als wichtige Konjunkturindikatoren. Fallen die Umsätze in diesem Bereich, wie seit Mitte der 90er Jahre geschehen, ist dies fast immer der Vorläufer einer allgemeinen Rezession. "Die Politik hat die Bedeutung der Bauwirtschaft für die Konjunktur völlig unterschätzt", verwies der BDB-Präsident Schierer auf die Schlüsselrolle des Wirtschaftsbereiches Bau für die Volkswirtschaft. "Die Bundesregierung darf nicht länger im Bremserhäuschen sitzen. Es ist höchste Zeit, die Weichen richtig zu stellen."

"Die Bundesregierung hat nichts verstanden"

Seit 1999 die Einkommensgrenzen für die Eigenheimzulage erheblich abgesenkt wurden, ist die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen um rund ein Drittel eingebrochen. Trotzdem diskutiert die rot-grüne Koalition aktuell über die weitere Kürzung der Neubauförderung. "Damit zeigt die Bundesregierung, dass sie nichts, aber auch gar nichts verstanden hat", verdeutlichte Schierer auf der bautec-Pressekonferenz. Die neuen staatlichen Anreize blieben weitgehend ohne Wirkung. Das CO₂-Gebäudesanierungsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beispielsweise erziele nur ein Zehntel des Effekts, den die steuerliche Abschreibung nach § 82a des Ende der 80er Jahre noch gültigen Einkommensteuergesetzes erbracht habe. Max Schierer: "Damit verfehlt die Bundesregierung nicht nur ihr erklärtes Ziel, die CO₂-Emissionen deutlich zu reduzieren. Sie leistet auch einen nur unzureichenden Beitrag zur Ankurbelung der Baukonjunktur und damit zur Schaffung von so dringend benötigten Arbeitsplätzen." Seit 1995 sind im Baugewerbe rund 500.000 legale Stellen verloren gegangen. Der Arbeitsplatzabbau hat sich in 2001 mit 100.000 Stellen dramatisch beschleunigt. Zum Jahreswechsel waren damit im Wirtschaftsbereich Bau über 275.400 Menschen ohne Beschäftigung, die bei einem durchschnittlichen Arbeitslosengeld von 1212 Euro die Kasse der Bundesanstalt für Arbeit mit 333,8 Mio. Euro monatlich (!) belasten.

Gute Baupolitik zugleich gute Finanz- und Steuerpolitik

"In Berlin scheint man nicht mehr zu wissen, dass eine gute Baupolitik zugleich eine gute Finanz- und Steuerpolitik ist", zitierte der BDB-Präsident eine Beispielsrechnung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Essen: Steigt das Bauvolumen bei Ein- und Zweifamilienhäusern um eine Mrd. Euro, so nimmt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage um 2,3 Mrd. Euro zu. Auch die Beschäftigungseffekte sind erheblich; 1 Mrd. Euro mehr Bauvolumen bringt 26.000 neue Jobs. Das bedeutet: Würden die 24 Millionen zur Sanierung anstehenden Wohnungen auf einen Schlag in Angriff genommen, ließen sich damit rein rechnerisch 9,46 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen.

Ermäßigter Mehrwertsteuersatz auf Bauleistungen

Neben einer wieder deutlich verbesserten staatlichen Förderung des Eigenheimbaus, vor allem durch Veränderung der steuerlichen Rahmenbedingungen, fordert der BDB die Einführung eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Dienstleistungen im Baubereich und die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen für Privatpersonen – zugleich ein Beitrag gegen die Schwarzarbeit, die inzwischen dreimal so schnell wächst wie die offizielle Wirtschaft. Max Schierer: "Rund 80 Prozent der Bundesbürger wünschen sich, im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung zu leben. Tatsächlich aber sind wir Deutschen mit einer Eigentumsquote von 41 Prozent Schlusslicht in Europa. Dieser Vergleich zeigt, welches enorme Potenzial die Bauwirtschaft besitzt. Wenn der Konjunkturmotor Bau wieder auf Touren kommt, gewinnt auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik wieder an Tempo."

Mit Imagekampagne neuen Spaß am Bauen vermitteln

Auf die Politik allein aber will und kann sich der Baustoff-Fachhandel nicht verlassen. BDB-Präsident Max Schierer sucht deshalb den Schulterschluss mit allen am Bau Beteiligten. "Der Wirtschaftsbereich Bau muss künftig mit einer Stimme sprechen. Nicht nur gegenüber der Politik, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit." Die Branche brauche eine von Industrie, Handel und Handwerk gemeinsam initiierte und getragene Imagekampagne, um in Deutschland wieder den Spaß am Bauen, Sanieren und Modernisieren zu wecken. "Wir leben heute in einer Spaßgesellschaft. Deshalb muss es uns gelingen den Menschen in diesem Land zu vermitteln, dass Wohnen mindestens so viel Freude macht wie Auto fahren und Reisen."

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