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Mediation für Hausbesitzer und Bauherren: Konfliktfrei Bauen und Verhandeln

(7.1.2003) Aggression und Stillstand. Gefühlsausbrüche, persönliche Abwertung und eisiges Schweigen. Konflikte bewirken oft, dass man sich aus dem Weg geht oder die Probleme abgibt und vor Gericht zieht. Dass es auch anders geht, zeigt ein neuer Weg der Klärungshilfe.

Nette Nachbarschaft kann schnell in bittere Feindschaft umschlagen: Über 400.000 Verfahren haben deutsche Richter jährlich am Hals, weil Hausbesitzer, Bauherrn oder Nachbarn sich bekriegen. Noch weitaus kostenträchtiger und belastender sind die langwierigen Baukonflikte, wie sie in unterschiedlichen Bauphasen zuhauf zwischen Bauherren, Architekten, Fachingenieuren und/oder Handwerksfirmen entstehen und fast immer vor Gericht enden. Hier stehen intakte private und geschäftliche Beziehungen sowie wirtschaftliche Erfolge auf dem Spiel.

Dass es auch anders gehen kann, wissen die wenigsten. "Aggression und Stillstand, Gefühlsausbrüche, persönliche Abwertung, eisiges Schweigen - damit verbinden viele Menschen den Begriff Konflikt", so Vera Wissing-Hellwig, Fachberaterin für Systemische Dialoge. "Diesen Horrorvorstellungen will jeder lieber aus dem Weg gehen - indem sie Probleme verdrängen, sie unter den Teppich kehren oder sie abgeben und den vermeintlichen Streit den Anwälten überlassen." Seit zwei Jahren bietet die Essener Technikerin und profilierte Konfliktberaterin ("Fachberatung für Systemische Dialoge") Betroffenen einen neuen Weg an, um bei derartigen Streitigkeiten eine außergerichtliche Vereinbarung auszuhandeln: Die Mediation (Vermittlung), ein in den USA entwickeltes Verfahren, in dem zwei oder mehr Streitparteien mit Unterstützung eines Mediators, ihren Konflikt selbstständig und zukunftsorientiert lösen, so dass beide Parteien sich nach einer getroffenen Vereinbarung wirklich wohl fühlen. Vera Wissing-Hellwig, ausgebildete Mediatorin und dem Bundesverband Mediation angeschlossen, erklärt: "Gemeint ist mit dieser neuartigen Klärungshilfe, dass hier in Streitfällen durch unparteiische Dritte vermittelt wird und Lösungen gefunden werden, die von allen Seiten akzeptiert werden können. Hintergedanke dabei ist, dass ein Außenstehender ohne eigene Interessen das Dickicht von Argumenten und Gefühlen, Positionen und Interessen leichter durchdringt als direkt Betroffene."

Im Unterschied zum Schiedsverfahren, bei dem eine unparteiische dritte Instanz entscheidet, welche Konfliktlösung zum Zuge kommen soll, sollen die streitenden Parteien in der Mediation eine ihren Interessen optimal entsprechende Problemlösung erarbeiten können. "Das heißt, dass diese Art von Konfliktlösung nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch zukunftsorientierter ist. Sie ermöglicht es in der Regel, dass die Betroffenen wieder miteinander umgehen können und häufig entwickelt sich daraus wirklich Gutes mit dem vorher niemand gerechnet hätte", sagt Vera Wissing-Hellwig. "Voraussetzung ist allerdings die klare Bereitschaft zur Konfliktlösung bei allen Beteiligten und der Mut zur offenen Aussprache, denn nur dann kann der Streitfall von allen verstanden und neu gesehen werden."

Für den Prozess einer Konfliktlösung nach dem Mediationsverfahren gibt es einen exemplarischen Ablauf, der im folgenden modellhaft skizziert ist.

Vom Konflikt zum Kontrakt

ERSTENS - Einleitung des Verfahrens: Hier geht es, darum das Problem und möglicherweise das Ziel präzise zu benennen und sich auf Rahmenbedingungen und Regeln zu einigen. Also etwa: "Zwischen Bauherrn A. und Bauherrin B. gibt es seit einiger Zeit Probleme über Erhalt bzw. Gestaltung und Kostenträger für die Sanierung einer zerstörten Grenzmauer. Hier geht es darum, alle unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen, die zu dem Konflikt geführt haben, darzustellen, um dann herauszufinden, welche Lösungen für beide Parteien akzeptabel wären. Wir haben zwei Stunden Zeit und ich will Ihnen kurz die Regeln vorstellen, nach denen vorzugehen ich Ihnen vorschlage.

  • Jeder darf ausreden und jeder wird angehört
  • Keine Beleidigungen oder Handgreiflichkeiten
  • Der Mediator oder die Mediatorin ist verantwortlich für den Gesprächsverlauf und greift ein, wenn es erforderlich ist.

Falls es noch Fragen zum Verfahren gibt, sollten sie jetzt geklärt werden."

ZWEITENS - Sichtweise der einzelnen Konfliktparteien: Alle Beteiligten haben die Gelegenheit, den Konflikt aus ihrer Sicht zu schildern. Sie bekommen dafür soviel Zeit, wie sie brauchen, um alles auszusprechen, was dazugehört. Es spricht jeweils nur einer, die anderen hören zu, stellen Rückfragen oder Einwände zurück, bis sie an der Reihe sind. Sie können sich jedoch Notizen machen, um ihre Erwiderungen in Erinnerung zu behalten. Der Mediator hört in diesem Stadium vor allem zu, stellt Verständnis- oder Informationsfragen, um den Sachverhalt zu erfassen, fasst das Gehörte mit eigenen Worten zusammen.

DRITTENS - Konflikthintergründe: Verborgene Wünsche, Ansprüche und Erwartungen - alles, was als Hintergrund zum offenen Streit von Bedeutung ist, soll hier zur Sprache kommen. "Viele Menschen glauben, ein Konflikt habe nur rein sachliche Ursachen und lasse sich deshalb auch emotionsfrei und sachlich lösen", erläutert Frau Wissing-Hellwig. "Doch Auseinandersetzungen berühren häufig auch verborgene Gefühle oder lösen sie aus. Diese werden häufig zum Motor, der einen Streit erst richtig eskalieren lässt." Das ist die brisante Phase im Prozess: Für den Moderator gilt jetzt größte Sorgfalt im Umgang mit verbalen und nonverbalen Botschaften. Er fördert den Klärungsprozess durch präzises Nachfragen, bleibt gleichwertig in seinem Interesse und seiner Zuwendung gegenüber allen Beteiligten: Neutral und allparteiisch. Diese Haltung ist unabdingbares Prinzip in der Konfliktmoderation. Am Ende dieser Phase sollten die einzelnen Knackpunkte klar sein und detailliert aufgeschrieben werden.

VIERTENS - Problemlösung: Wenn durch die vorangegangene Phase ein gegenseitiges Verstehen ermöglicht wurde, können die Streitenden nun überlegen, wie sie ihre Meinungsverschiedenheiten beilegen wollen. Aus dem "Konflikt" wird ein "Problem" für das alle Kontrahenten gemeinsam Verantwortung tragen. Jetzt werden kreative Ideen gesammelt und die interessantesten Lösungsvorschläge ausgearbeitet.

FÜNFTENS - Übereinkunft: Die Streitparteien einigen sich auf die Lösungsvorschläge, die ihnen am meisten zusagen. Über die erarbeitete Lösung schließen sie einen Kontrakt. Darin werden alle Fragen geregelt, die mit der Umsetzung und möglichen Folgen zu tun haben. Es wird auch beschlossen, wie die Einhaltung und die Umsetzung der Vereinbarung überprüft wird. Das Ganze wird schriftlich festgehalten und von den Beteiligten unterschrieben. Der Moderator sorgt hier vor allem dafür, dass kein Vorschlag oder Einwand unter den Tisch fällt. Es ist seine Aufgabe, sicherzustellen, dass wirklich alle mit der vereinbarten Lösung leben können und wollen.

"Mediation ist zukunftsorientiert", ist sich Vera Wissing-Hellwig sicher. "Damit haben wir eine Möglichkeit, einen aktuellen Streit außergerichtlich, kostengünstig und einvernehmlich, zur Zufriedenheit aller zu lösen."

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zur Erinnerung "systemisch": ein Organsystem oder mehrere Organe in gleicher Weise betreffend oder auf sie wirkend (Biol., Med.); systemische Insektizide sind Insektengifte, die von der Pflanze durch Blätter u. Wurzeln mit dem Saftstrom aufgenommen werden u. so von innen her einen wirksamen Schutz gegen saugende Schädlinge bieten.

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