Baulinks -> Redaktion  || < älter 2004/1520 jünger > >>|  

International Green Roof Congress: Rückschau

  • Gründachexperten aus 25 Ländern beim International Green Roof Congress in Nürtingen

(10.11.2004) Wie entwickelt sich der Gründachmarkt weltweit? Welche Herausforderungen und welche Risiken ergeben sich für die "grüne" Branche? Wer setzt in Zukunft die Standards für die Dachbegrünungstechnik?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt des "International Green Roof Congress" am 14. und 15. September in Stuttgart-Nürtingen. 200 Kongressteilnehmer aus dem In- und Ausland nutzten die Gelegenheit, um sich aus erster Hand über den aktuellen Stand der Dachbegrünung zu informieren. Die letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass der internationale Erfahrungsaustausch im Bereich der Umwelttechnik unverzichtbar ist. Sonst geht wertvolle Zeit bei der Lösung der drängenden ökologischen und ökonomischen Probleme verloren.

Den Veranstaltern des Kongresses (IGRA, DDV, BGL, ELCA, ZVDH, FLL und B.A.U.M.) und dem Hauptsponsor ZinCo GmbH war es gelungen, ein Programm zum Thema Dachbegrünung auf die Beine zu stellen, das in dieser Qualität und Vielfalt noch nicht erreicht wurde. Experten aus Europa, Nordamerika und Asien nahmen zu allen aktuellen Gründachthemen Stellung. Die Grundlage für den intensiven Wissensaustausch wurde durch die Simultanübersetzung der Vorträge gelegt. Denn aufgrund der Sprachbarrieren sind gerade die umfassenden Gründach, Dachbegrünung, extensiv begrüntes Steildach, Flachdachbegrünung, Dachbegrünungsrichtlinien, Solarenergie, Wärmedämmung, Regenwassernutzung, Begrünung, Gründachforschung, Gründach-ArchitekturErkenntnisse und Untersuchungen der deutschen Forschungsinstitute im Ausland kaum zugänglich. Ausgangspunkt für die lebhaften Diskussionen rund ums "Grüne Dach" war denn auch die internationale Standortbestimmung der Dachbegrünung in politischer, ökologischer und technologischer Hinsicht.

Gründach-Innovationen

Wer auf dem Gründachmarkt der Zukunft erfolgreich sein will, muss bereit sein, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Dies zeigen die wichtigen Gründach-Innovationen der letzten Jahre. Dachbegrünungen lassen sich heute problemlos mit anderen zukunftsorientierten Technologien wie Solarenergie, Wärmedämmung und Regenwassernutzung kombinieren.

Dies ist umso wichtiger, als die zukünftige Energie- und Wasserversorgung ein Schlüsselproblem für Industrienationen und Entwicklungsländer darstellt. "Synergieeffekte erkennen und nutzen" heißt deshalb die Devise. Das große umwelt- und energiepolitische Potential der Dachbegrünung wurde von Dr. Franz Alt (Solarexperte), Martin Oldeland (B.A.U.M.), Dr. Bettina Menne (WHO, Italien) und Klaus W. König (Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung) vorgestellt.

Gründach-Politik

Städte und Gemeinden besitzen in Deutschland sehr vielfältige Möglichkeiten, um Dachbegrünungen auf kommunaler Ebene zu fördern. Klaus-Jürgen Evert (Garten- und Friedhofsamt, Stuttgart) stellte in diesem Zusammenhang das Förderprogramm der Stadt Stuttgart vor. Bereits seit Mitte der 80er Jahre wird hier eine Palette unterschiedlichster Instrumente (Festsetzung in Bebauungsplänen, Gründach-Wettbewerbe, direkte finanzielle Zuschüsse, Begrünung städtischer Gebäude) eingesetzt, um die Dachbegrünung in der Stadtentwicklung zu etablieren.


Erstes extensiv begrüntes Steildach in Stuttgart. (Städtisches Bürogebäude). Auf der Nord- und Südseite haben sich zwei völlig unterschiedliche Vegetationsstandorte gebildet (Foto: Evert).

So wurde z.B. im Industrie-Baugebiet "Weilerpark" (24 ha im Nordwesten von Stuttgart) Flachdachbegrünung zwingend vorgeschrieben. Im privaten Bereich wurden in den letzten Jahren 358 Projekte mit einer Gesamtfläche von fast 50.000 m² gefördert. Im Ausland stecken umfassende staatliche oder städtische Förderprogramme für Dachbegrünungen leider immer noch in den Kinderschuhen. Dies wurde in den Vorträgen von Paolo Abram (A.I.VE.P., Italien) und James van Zee (Northern Virginia Regional Commission, USA) deutlich.

Gründach-Visionen

Die Zukunft der Dachbegrünung ist eng mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung verbunden. Aber auch die Bevölkerungsstruktur spielt eine bedeutende Rolle. Wenn der Siedlungsdruck durch die sinkenden Geburtenzahlen weiter abnimmt und gleichzeitig durch die EU-Agrarreform große landwirtschaftliche Flächen in Deutschland in Naturlandschaften umgewandelt werden, müssen sich alle Naturschutzmassnahmen neu einsortieren. Erfolgsrezepte für den Gründachmarkt der Zukunft lieferte Prof. Klaus Neumann (1.Vizepräsident FLL) in seinem visionären Kongressbeitrag.

Gründach-Praxis

Aber auch praxisbezogene Themen kamen beim Kongress nicht zu kurz. Den Qualität und Zuverlässigkeit sind die Garanten für den dauerhaften Erfolg der Dachbegrünungsbranche.

Eines von vielen Highlights war deshalb der Vortrag des Landschaftsarchitekten und Gründach-Sachverständigen Bernd W. Krupka, der neben potentiellen Fehlerquellen bei der Installation, Wartung und Pflege von Gründächern auch Tipps und Tricks vorstellte, um diese zu vermeiden.


Misslungener Versuch einer Trockenansaatbegrünung mit Sedumsprossen; einschichtige Extensivbegrünung (Foto: Krupka)

Die umfangreichen Dachbegrünungsrichtlinien der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (FLL) sind das Standard- und Regelwerk der Dachbegrünungspraxis in Deutschland. Welche Punkte dabei besonders zu beachten sind, erläuterte Prof. Gilbert Lösken (Vorsitzender des FLL-Arbeitskreises "Dachbegrünung").

Die große Beachtung, die die Richtlinienarbeit der FLL mittlerweile auch im Ausland genießt, zeigte der rasende Absatz der FLL-Dachbegrünungsrichtlinie, die anlässlich des Kongresses erstmals in der aktuellen englischen Version zur Verfügung stand. Weitere hochkarätige Referenten aus dem Bereich der Dachbegrünungstechnik waren Roland Appl (Technischer Leiter, ZinCo GmbH), Kurt Michels (Dachdeckerschule Mayen) und Hans-Jörg Kiesewetter (Fa. ProNatur, Metzingen).

Gründach-Forschung

Im internationalen Vergleich spielt die Gründachforschung in Deutschland durch ihre lange Tradition eine herausragende Rolle. Trotzdem gibt es keinen Grund sich auf den Lorbeeren von gestern auszuruhen. Neue Begrünungstechniken und Anwendungsmöglichkeiten spielen neben der sich abzeichnenden Klimaveränderung eine wichtige Schrittmacherrolle für die Forschung. Vertreter der bekanntesten deutschen Gründach-Institute (Prof. Stephan Roth-Kleyer, Geisenheim / Dipl. Ing. Martin Jauch, Weihenstephan / Prof. Manfred Köhler, Neubrandenburg / LOR Tassilo Schwarz, Veitshöchheim) stellten deshalb beim Kongress die neusten und wichtigsten Erkenntnisse aus den Bereichen Substrate, Pflanzenauswahl und Wasserhalt von begrünten Dächern vor.

Dass die deutschen Erfahrungen aber nicht 1:1 auf andere Länder übertragen sind, machte Dr. David Beattie (Pennsylvania State University, USA) in seinem Vortrag deutlich. Fehlende staatliche Förderung, hohe Investitionskosten, mangelhafte Materialstandards und eine Bauplanung bei der Nachhaltigkeit und ökologische Kriterien bisher eher ein Schattendasein führen, machen die USA zu einem besonderen Gründachmarkt.

Zudem spielen bei der Pflanzenauswahl für Dachbegrünungen die lokalen klimatischen Bedingungen immer eine ganz besondere Rolle. So gestattet z.B. das typische britische Inselklima (feuchte Sommer, warme Winter) die Auswahl weniger trockenheitsresistenter Arten und ermöglicht dadurch neue Bepflanzungsoptionen (Dr. Nigel Dunnett, Sheffield University, England).

Gründach-Architektur

Abgerundet wurde das aktuelle und informative Tagungsprogramm durch die Vorstellung herausragender Praxisbeispiele aus dem Bereich der internationalen Gründach-Architektur. Dazu gehörte neben dem DaimlerChrysler Areal am Potsdamer Platz in Berlin natürlich auch das weltweit größte Dachbegrünungsobjekt, die Finanzstadt Banco Santander in Spanien:


Finanzstadt Banco de Santander, Madrid (Foto: Barrio)

Auf mehr als 100.000 m² entstehen hier extensive Dachbegrünungen und intensive Dachgärten. Neben der ökologischen Ausgleichsfunktion wird so zusätzlich ein attraktives und motivierendes Umfeld für die Bankangestellten und Besucher geschaffen. Auch in Holland, England, Dänemark, Japan, Singapore und den USA ist die grüne Architektur mittlerweile auf dem Vormarsch. Die zunehmende Verstädterung und Versiegelung ist ein globales Problem und Gründächer können einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität in den urbanen Zentren leisten.

Trotz des anstrengenden Tagungsprogramms mit 29 Fachvorträgen an 2 Tagen wurden die Diskussionen und Gespräche rund um das Thema Dachbegrünung auch bei den abendlichen Get-Togethers fortgeführt. Ein weiteres Indiz für die hohe Qualität der Veranstaltung und das große Interesse des internationalen Publikums.

Zusätzliche Informationen zum Kongress, den Referenten sowie den umfassenden Kongresstagungsband (Preis: 40 Euro, zzgl. Versandkosten) erhalten Sie über das Kongressbüro in Nürtingen: info@greenroofworld.com.

siehe auch:

ausgewählte weitere Meldungen:

Baulinks folgen auf...

Datenschutz !!
Aus datenschutztechnischen Gründen haben wir das Twitter-Plugin deaktiviert.
Wollen Sie jedoch dieses Feature nutzen, so klicken Sie einmal auf das ausgegraute Bild.
Datenschutz !!
Aus datenschutztechnischen Gründen haben wir das Facebook-Plugin deaktiviert.
Wollen Sie jedoch dieses Feature nutzen, so klicken Sie einmal auf das ausgegraute Bild.
Datenschutz !!
Aus datenschutztechnischen Gründen haben wir das +1-Plugin deaktiviert.
Wollen Sie jedoch dieses Feature nutzen, so klicken Sie einmal auf das ausgegraute Bild.
Anmeldung zum kosten­losen Bauletter:
Der Baulinks-Newsletter kann jeder­zeit leicht auch wieder ab­bestellt werden!

Relevante BauDates

Impressum (c) 1997-2017 ARCHmatic - Alfons Oebbeke (Google+, XING, linkedin)