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Bericht vom 4. Forum Wohnungslüftung

(29.10.2012) Wohnungslüftung hat längst den Weg aus der Passivhaus-Nische gefun­den und wird zunehmend im energieeffizienten Neubau und in der Sanierung einge­setzt. Darüber waren sich die mehr als 90 Teilnehmer des 4. HEA-Forums Wohnungs­lüftung in Frankfurt a. M. einig. Experten der Wohnungswirtschaft, Ingenieure, Archi­tekten, Energieberater, Hersteller und Fachhandwerker nutzten den Treffpunkt, um praxisnah aktuelle Entwicklungen und Trends sowie Lösungen zu diskutieren.

v.l.n.r.: Peter Hufer (arch+E architekten), Dr. Werner Neumann (Energiereferat Frankfurt a.M.), Alex­ander Sperr (HEA), Hans Baumgartner (IBB), Dr.-Ing. Manfred Riedel (Dr. Riedel Automatisierungs­technik), Frank Hartmann (Forum Wohnenergie), Peter Paul Thoma, (SHK-Innung Frankfurt a.M.), Peter Schwerdtfeger (Frankfurter Aufbau AG), Hans Westfeld (Energieberater und Sachverständiger) und Matthias Wagnitz (ZVSHK) 

Wohngesundheit ist Trumpf

Das Forum konstatierte gestiegenes Interesse am Lüftungskonzept, rangieren doch Wohngesundheit, Lufthygiene, Schallschutz und die Reduzierung des Energiever­brauchs immer öfter vor Wirtschaftlichkeits-Überlegungen. Diesem positiven Trend entspricht auch die technische Entwicklung. So wächst die Auswahl an Anlagenkom­ponenten. Zudem gibt es mittlerweile bezahlbare Mess- und Regelungstechnik für Feuchte, CO₂ und VOC.

Gut die Hälfte der Anlagen ist nach Erfahrung von Energieberater Frank Hartmann, Forum Wohnenergie, heute mit erneuerbaren Energien kombiniert, hauptsächlich mit Erdreichwärmeübertragern zur Vorerwärmung der Außenluft. Hartmann zeigte prak­tische Beispiele für Lüftungskonzepte und hob die besondere Verantwortung seines Berufsstandes hervor, Vorbehalte beim Kunden abzubauen. Das gelte zudem auch für die Kommunikation mit Architekten, Planern und Handwerkern.

Erfolgreiches Modellvorhaben im Denkmalschutz

Als oft vergessene Option bezeichnete Dr. Werner Neumann, Energiereferat Frankfurt a. M., Wohnungslüftung bei der energetischen Sanierung des Bestandes. Deshalb lob­te die Stadt 50.000 Euro für die komplexe Sanierung von Gründerzeit-Gebäuden als Modellvorhaben aus. Zwei mehrgeschossige Wohnhäuser erhielten Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Fenster mit Dreifachverglasung und zentrale Wärmeversorgung. Bei der umfangreichen Dämmung wurde darauf geachtet, das Erscheinungsbild an der Straßenseite zu erhalten.

Peter Hufer, arch+E architekten, betreute das Projekt. Er verwies auf die Notwendig­keit detaillierter Planung, um genau zu dimensionieren sowie die baulichen Spezifika zu berücksichtigen. So sei die Führung von Luftkanälen in abgehängten Decken aufgrund der Raumhöhe oft eine Option in Altbauten. Das Feedback der Mieter nach dem ersten Winter sei mehrheitlich positiv: frische Luft im Schlafzimmer auch ohne Fensteröffnung und bedeutend weniger Lärm. Beide Referenten prognostizierten ein Einsparpotenzial von einem Viertel bis zu einem Drittel an Heizenergie. Ihr Fazit: Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung muss ein integraler Bestandteil der energetischen Sanierung von Gebäuden mit schützenswerten Fassaden sein.

Nebenkosten nachhaltig reduzieren

Über die Herausforderungen bei Wartung und Instandhaltung dezentraler Anlagen in Passivhäusern referierte Hans Baumgartner, Ingenieurbüro Baumgartner, Mörlenbach. Für Eigentümer, die in Wohnungslüftung investieren, könne weniger Aufwand für War­tung zum Wettbewerbsvorteil werden. Nach seinen Erfahrungen im Geschosswoh­nungsbau sei die Wartung bereits im Planungsansatz mit Gesamtkostenansätzen ein­zubeziehen. Geräteanordnungen, die keinen Zutritt zu den Wohnungen erfordern, gab er den Vorzug. Beispielsweise könnten die Geräte für die Wartungsarbeiten über die Treppenhauswand zugänglich sein oder sich in separaten Lüftungsräumen befinden.

Wohnungsmanager reduziert Raumheizenergie um ein Drittel

Auf die Möglichkeit der Vernetzung und Steuerung energetischer Prozesse bei gerin­gem Aufwand und hohem Einsparpotenzial machte Dr.-Ing. Manfred Riedel, Dr. Riedel Automatisierungstechnik GmbH aufmerksam. Der von seinem Unternehmen entwickelte Wohnungsmanager RIEcon Touch regelt Wärmeerzeugung, Raumtemperatur und Lüf­tung nach Bedarf, automatisiert die Heizkostenabrechnung, ermöglicht Ferncontrolling und damit Kostentransparenz. Mittlerweile seien 30.000 Wohnungen mit der Smart-Home-Lösung ausgestattet. Sie bietet dem Mieter Szenarien wie „Weggehen“ und „Ankommen“ und senke damit den Energieverbrauch für die Lüftung. Weiterer Vorteil: die Anschaffung ist nach Beispielrechnung Riedels für den Mieter kostenneutral, da die Heizkostenersparnis die entsprechende Kaltmietenerhöhung mindestens deckt.

Handwerk fordert genormtes Zubehör

„Lüftungsanlagen sind Stand der Technik, aber in der Branche besteht noch viel Klä­rungs- und Fortbildungsbedarf.“ Matthias Wagnitz, Referat Technik im ZVSHK, nannte eine ganze Reihe von Hürden.

Die Defizite reichten von technischen Grundlagen über Praxistauglichkeit bis zum Ge­brauch. Darum plane der ZVSHK eine Fachinformation „Lüftung“ mit bundesweiten Schulungsmaßnahmen zum Frühjahr 2013. Außerdem wird aktuell die Planungssoftware ZVPLAN um den Bereich Lüftung ergänzt. Zugleich forderte Wagnitz die Normung von Produkten wie Rohrsystemen und Filtern, damit Ersatzteile auch in zehn oder 20 Jah­ren noch liefer- und bezahlbar bleiben.

Darauf verwies auch Peter Schwerdtfeger von der Frankfurter Aufbau AG in seinem Referat zu Lüftungskonzepten in der Praxis. Anhand mehrerer Varianten stellte er seine Erfahrungen mit zentralen Anlagen im Passivhaus-Geschosswohnungsbau vor.

staatlich geförderte Bauschäden

Dieser Meinung ist (nicht nur) Hans Westfeld, unter anderem Sachverständiger für thermische Bauphysik bei Gericht. Die Rechtspraxis zeige ein beträchtliches Haftungs­risiko auch bei Einhaltung der DIN 1946-6, beispielsweise wenn der zu gewährleistende Luftwechsel nur durch zusätzliche Lüftungsmaßnahmen des Nutzers erreicht werden kann. Tritt dann Schimmel auf, würde das Gericht zugunsten des Kunden entscheiden. Schließlich schulde der Planer diesem nicht die Einhaltung einer Norm, sondern den Erfolg. In diesem Zusammenhang sprach er von „staatlich geförderten Bauschäden“, da die KfW-Förderbank den Austausch der Fenster und andere Maßnahmen der Wär­medämmung auch ohne Betrachtung der Lüftung belohne.

Der U-Wert ist nicht alles…

Peter Paul Thoma, Obermeister der Frankfurter SHK-Innung und Moderator des Fo­rums, forderte klare Regelungen in der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV) zum verpflichtenden Einbau von Wohnungslüftungsanlagen. Es könne nicht sein, dass zum Beispiel Fensterfalzlüfter und Abluftanlage ausreichten, um Effizienzhausstandard 55 zu erreichen. Hier müsste auch die Förderung der KfW einer kritischen Prüfung unter­zogen werden.

Alexander Sperr, HEA-Fachgemeinschaft: „Wir von der HEA sind überzeugt, dass vom Forum Impulse für die Umgestaltung politischer Rahmenbedingungen ausgehen.“ Er forderte die Teilnehmer auf, sich auf allen Ebenen dafür einzusetzen.

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