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Zulassung erlaubt Variotec-Passivhaustüren in Flucht- und Rettungswegen

(10.4.2012, fensterbau/frontale-Bericht) Auf der fensterbau/frontale 2012 präsentierte Variotec eine druckfrische Zulas­sung für sechs Türmodelle, die nun deren Einsatz in Flucht- und Rettungswegen erlaubt. Damit können Planer die Vorgaben für öffentliche Gebäude jetzt auch im Passivhaustandard er­füllen. Schreinern, Tischlern und Türen-bauern bietet der Her­steller eine Lizenzpartnerschaft an.

Passivhäuser stehen bei Bauherren hoch im Kurs. Die mit raffi­nierter Klima- und Lüftungstechnik ausgestatteten Gebäude helfen dabei, wertvolle Energie zu sparen. Mit einem jährlichen Heizölbedarf von umgerechnet 1,5 l/m² verbrauchen sie bis zu fünfmal weniger Heizenergie, als es die derzeitige Energieein­sparverordnung (EnEV) von Neubauten verlangen würde. Das schont nicht nur die Geldbeutel der Bauherren, sondern verbessert auch die CO₂-Bi­lanz. Damit der Staat seine selbst gesteckten Klimaschutzziele erreicht, soll bis 2020 der Passivhausstandard in Deutschland für alle Neubauten zur Pflicht werden. Als Vor­bild geht der öffentliche Sektor voran. So beauftragen Städte und Gemeinden Archi­tekten immer häufiger damit, Schulen, Kindergärten, Bibliotheken oder Verwaltungs­bauten im Passivhausstandard zu errichten. Dabei geraten Planer jedoch schnell in die Zwickmühle, alle gestellten Anforderungen an öffentliche Gebäude wie z.B. Wärme­schutz, Brandschutz, oder Schallschutz kombiniert mit einer zeitgemäßen Architektur unter einen Hut zu bekommen.

Türen werden leichter

Ein typisches Problem bei der Planung von passivhaustauglichen Außentüren in Flucht- und Rettungswegen hat das oberpfälzische Unternehmen Variotec offenbar gelöst. Da für Passivhaustüren ein Mindestdämmwert (Ud) von 0,8 W/m²K gefordert ist, erreich­ten herkömmliche metallverstärkte und stark gedämmte Türflügel mit den für Flucht­wegen notwendigen Öffnungsbreiten oft Gewichte von bis zu 170 kg. Der Einsatz sol­cher Konstruktionen wäre z.B. für einen Kindergarten undenkbar, denn welches Klein­kind könnte einen solchen Koloss im Brandfall schon „jederzeit leicht“ öffnen? Genau diesen Punkt muss eine Fluchttür jedoch erfüllen. Diese Türeigenschaft, auch als „Fä­higkeit zur Freigabe“ bezeichnet, müssen Hersteller nach der europäischen Produkt­norm EN 14351-1:2006 + A1:2010 zusammen mit den eingesetzten Beschlägen nach­weisen:

  • Handelt es sich dabei um eine so genannte „Notausgangstür“, die dann zum Einsatz kommt, wenn sich der Flüchtende in den Räumlichkeiten auskennt, reicht der Einsatz eines Drückers nach DIN EN 179. Hier darf die maximale Öff­nungskraft 7 kg betragen.
  • Im Gegensatz dazu werden so genannte „Paniktürverschlüsse“ mit Beschlägen nach DIN EN 1125 in allen öffentlichen Bereichen mit Publikumsverkehr einge­setzt. Hier darf die Öffnungskraft maximal 8 kg betragen. Die mit horizontalen Griff- und Druckstangen ausgestatteten Türen können ein- und zweiflügelig ausgeführt werden.

Neue Zulassung als Komplettsystem

Matthias Bellan, technischer Vertriebsleiter bei Variotec, freute sich darauf, Planern und Verarbeitern zur Nürnberger Messe mehrere energiesparende Lösungen für den Flucht- und Rettungsweg präsentieren zu können: „Uns ist es gelungen, sechs unse­rer Türtypen so auszustatten, dass sie im nach EN 14351-1:2006 + A1:2010 schwie­rigsten Konformitätsverfahren 1 geprüft, zertifiziert und zugelassen sind. Sie erfüllen damit als Komplettelemente auch die Anforderungen nach DIN EN 179 und DIN EN 1125. Drei Türmodelle erfüllen zudem die Vorgaben des Passivhausstandards mit einem U-Wert kleiner 0,8 W/m²K. Möglich machte dies u.a. die Kombination aus einem Faser-Kunststoff-Verbund (FKV) zur Aussteifung der Türblätter und unserer Vakuumdäm­mung. Dadurch konnten wir das Gewicht gegenüber einem stahlverstärktem Türblatt um bis zu 15% reduzieren“. Die Prüfung übernahm die PfB GmbH & Co. Prüfzentrum für Bauelemente KG in Stephanskirchen.

FKV-armierte Rahmenkantel bändigt Türblattverzug
Bild aus dem BAU 2011-Bericht "FKV-armierte Rahmenkantel bändigt Türblattverzug" vom 22.2.2011

Die neue Zulassung deckt folgende Variotec-Türtypen ab:

  • in der Stärke 68 mm
    • „VARIO PUR“ (UP = 0,99 W/m²K),
    • „Allround F2“ (UP = 0,99 W/m²K),
    • „Allwetter/W“ (UP = 0,99 W/m²K) und
    • „Vario-VIP Multifunktion“ (UP bis zu 0,58 W/m²K)
  • in den Stärken 78 bis 90 mm
    • „Ultrahaus-Effizienzhaus KfW 55-135“ (UP = 0,77 W/m²K bereits bei 85 mm)
  • in der Stärke 100 mm
    • „Thermosafe 100 Passivhaustür“ (UD = 0,62 W/m²K)

Dabei sind der Gestaltungsfreiheit wenige Grenzen gesetzt. Neben gängigen Holzarten wie Fichte, Kiefer, Meranti, Lärche oder Eiche kann der Hersteller auch Designwünsche wie Nutfräsungen, Lichtausschnittformen jeglicher Art oder Edelstahlapplikationen in den Türblättern erfüllen.

Einzelne Türflügel lassen sich fertigen bis zu ...

  • 2,80 m Höhe und
  • 1,24 m Breite.

Die Maximalgrößen für ein komplettes Türelement, z.B. für eine mehrflügelige Variante inkl. Rahmen, liegen bei

  • 3,50 m Höhe und
  • 4 m Breite.

Als Beschlagshersteller kommen Systeme von GU (Gretsch-Uni­tas), Assa Abloy oder KFV (Karl Fliether) zum Einsatz.

Lizenzen helfen Fehler zu vermeiden

Kunden mit eigener Türproduktion bietet Variotec eine Lizenz­partnerschaft an. Im Rahmen dieses Abkommens dürfen Tisch­ler, Schreiner und Türenbauer geprüfte Systeme für zugelasse­ne Türen in Flucht- und Rettungswegen selbst beraten, anbie­ten, herstellen und vertreiben. Damit vermeiden sie das Risiko, fehlerhafte Türen herzustellen. Klare Abläufe, die werkseigene Produktionskontrolle und eine externe Überwachung bieten Sicherheit. Variotec-Kunden erhalten damit geprüfte und CE-konforme Türsysteme, mit denen sich nicht nur hohe Energiestandards sondern auch alle Vorgaben an Flucht- und Rettungswege in öffentlichen Bauten in einer zeitgemäßen Optik umsetzen lassen.

Weitere Informationen zu Passivhaustüren in Flucht- und Rettungswegen können per E-Mail an Variotec angefordert werden.

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