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Fertigteilhäuser gewinnen in Österreich wieder Marktanteil, aber ....

(2.5.2013) Im Jahr 2012 stieg die Fertighausquote in Öster­reich wieder moderat um +0,3 Prozentpunkte. Nichtsdesto­trotz stecken die Hersteller nach wie vor in der „Individuali­täts-Falle“, analysieren Kreutzer Fischer & Partner | Markt­analyse im aktuellen Branchenradar.

Befeuert von einer wachsenden Anzahl von Baubeginnen bei Ein- und Zweifamilienhäu­sern, stieg die Nachfrage nach Fertigteilhäusern für private Bauherren im Jahr 2012 robust um +3,9% gegenüber dem Vorjahr auf nunmehr 4.331 Häuser. Gleichzeitig stieg die Fertighausquote auf 27,0 Prozent, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Der moderate Marktanteilsgewinn gegenüber dem DIY-Bau, dem Architekten-/Baumeisterhaus oder von Bauträger errichteten Einfamilienhäusern lag zweifelsohne im steigenden Anteil von preisgünstigen Modellhäusern. Folglich wuchsen auch die Herstellererlöse im Vergleichszeitraum langsamer, um +1,4% gegenüber dem Vorjahr auf 665 Millionen Euro. Von der über 30 Prozent liegenden Fertighausquote zu Beginn des Jahrtausends ist man aber noch ein gutes Stückt entfernt.

Vertrauensverlust durch Pleiten im Fertighausmarkt

Doch wer gewinnt? Das DIY-Haus, also das klassische Häuslebauer-Haus in Eigenregie und mit Nachbarschaftshilfe errichtet, ist zwischenzeitlich keine Konkurrenz mehr. Der Anteil von selbst errichteten Ein- und Zweifamilienhäusern tendiert in Österreich ge­gen fünfzehn Prozent des Marktes. Vielmehr verlor das Fertigteilhaus im letzen Jahr­zehnt kontinuierlich Marktanteile an das mancherorts als bereits besiegt vermutete handwerklich errichtete Einfamilienhaus, entweder als Massivbau („Baumeister-Haus“) oder in Holzbauweise mit einem mehr oder weniger geringen Grad der Vorfertigung, als dies die einschlägige Norm für Fertighäuser definiert. Dies alleine mit einem steigenden Bedürfnis nach Individualität der Bauherren zu erklären, greift jedoch zu kurz, bauen doch praktisch alle Fertighausanbieter auch nach individuellen Plänen. Vielmehr war es eher die Folge eines Vertrauensverlustes in die Fertighausbranche insgesamt, nach den zum Teil spektakulären Pleiten der letzten Jahre, der sich zuletzt die Insolvenz von Griffner Haus anschloss. Viele Bauherren vertrauen heute daher wieder eher ei­nem Unternehmen aus ihrer Region, über dessen wirtschaftliche Lage man meint, bes­ser Bescheid zu wissen.

Fertighausbranche ohne Selbstbewusstsein in der „Individualitäts-Falle“

Das Hauptproblem des Fertigteilhauses liegt laut KFP-Branchenradar aber im Umstand, dass die Branche es nie wirklich verstanden hat, ein eigenständiges Selbstbewusstsein zu entwickeln. Immer sah man sich nur als eine semi-industrielle Variante eines Hand­werksbetriebs, entweder im Holz- oder im Massivbau. Die eigentliche Stärke eines möglichen massiven Preisvorteils gegenüber dem Handwerk durch Standardisierung und industrialisierte Fertigung in hohen Losgrößen, habe man nie umgesetzt. Vielmehr lief man in die „Individualitäts-Falle“, die von den Standesvertretern der Bauwirtschaft und des Holzbaus - medial gut inszeniert - aufgestellt wurde. Doch wenn es um Indivi­dualität geht, hat das Handwerk immer einen strategischen Vorteil gegenüber der In­dustrie. Das Geschäftsmodell des Handwerks ist Individualität.

Schon aus der industriellen Logik heraus, kann die Chance der Fertighaus-Industrie daher nur in großen Losgrößen liegen. Um diese auch am Markt platzieren zu können, benötigt man neben durchdachten, für ganz spezifische Zielgruppen entworfenen Mo­dellhäusern (die auch ohne konstruktive Adaptionen ihre Käufer finden), vor allem ei­nen substanziellen Preisvorteil gegenüber dem „maßgeschneiderten Haus“. Denn es würden wohl alle Anzüge nur beim Schneider kaufen, wenn der Preisvorteil der Stan­genware nur zehn oder zwanzig Prozent betragen würde. Kurzum, bei gleichem Aus­stattungsgrad darf ein Fertighaus höchstens halb so viel kosten, wie ein individuell vom Baumeister oder Zimmerer geplantes und errichtetes Gebäude.

Die DNA der Industrialisierung sind Skaleneffekte und der Nutzen für den Käufer ist nicht nur standardisierte Qualität, sondern insbesondere ein gewaltiger Preisvorteil. Und dieser fehle der Fertighausindustrie bislang vielerorts. Dabei hat Kreutzer Fischer & Partner | Marktanalyse bereits vor vielen Jahren darauf hingeweisen, dass die indi­viduellen Wünsche eines privaten Bauherren bei entsprechendem Preisvorteil eines Standards rasch in den Hintergrund rücken. Bei einem schlüsselfertigen Einfamilien­haus um 80.000 Euro akzeptiert praktisch jeder die vorliegende Planung, gesetzt den Fall, der Haustyp entspricht grundsätzlich den Wünschen des Käufers.

Und dass Standards auch bei hochpreisigen Produkten verkaufbar sind, beweist die Automobilindustrie seit Jahrzehnten. Hier hat der Konsument gelernt, dass er selbst beim Erwerb eines PKWs der Luxusklasse nur die Motorisierung, das Ausstattungspa­ket und die Wagenfarbe wählen kann, jedoch keinen Einfluss hat auf den Radstand oder das Karosseriedesign.

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