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Gebaute Geschichte: 328 Seiten zur historischen Authentizität im Stadtraum


  

(17.10.2017) In Zeiten von „Fake News“ wird es immer schwieriger, das Wahre vom Unwahren zu unterscheiden - zugleich steigt das Verlangen nach Unverfälschtem. Die Authentizitätsforschung hat sich in den vergangen Jahren aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven mit daraus abgeleiteten Fragen beschäftigt. Der Sammelband „Gebaute Geschichte: Historische Authentizität im Stadtraum“ widmet sich vor diesem Hintergrund der Architektur und Stadtgeschichte. Analysiert werden darin Authentizitätsbehauptungen im Kontext gesellschaftlicher Debatten, der Stellenwert der Vergangenheit sowie politische und ökonomische Interessen.

Das Buch basiert auf Forschungen und Debatten im Leibniz-Forschungsverbund „Historische Authentizität“. Dieser Verbund aus 22 Einrichtungen untersucht in transdisziplinärer und internationaler Perspektive, wie historische und zeitgenössische Authentizitätsvorstellungen den Umgang mit dem kulturellen Erbe beeinflusst haben. Erforscht wird dies anhand ...

  • der Rekonstruktion und Konservierung von historischen Spuren,
  • der kulturellen Speicher- und Formungsfunktion von Sprache,
  • der Entwicklung von Schulbüchern und Karten ebenso wie
  • der Konzeption von Museen, Archiven, Denkmälern und Gedenkstätten.

Bauwerke haben eine Schlüsselposition

Dem Gebauten kommt in der Gesamtschau des kulturellen Erbes eine Schlüsselstellung zu, denn von der Materialität historischer Gebäude geht gemeinhin ein hohes Maß an Authentizität aus. Historische Bausubstanz bildet den Kern der Individualität städtischer Räume und ist daher aus kultureller, gesellschaftlicher, aber auch aus touristischer Hinsicht eine wertvolle Ressource.

Gleichwohl ist die projizierte bzw. wahrgenommene Echtheit faktisch oft nicht haltbar, denn sowohl in der Denkmalpflege als auch in der baulichen Instandhaltung wird Gebautes innerhalb anderer Kontexte überformt, verändert und ersetzt. Zugleich stellen historische Rekonstruktionen wie etwa die Frauenkirche und das Berliner Schloss die Zuschreibungen „historisch“ oder „authentisch“ vor große Herausforderungen. An diesen breit diskutierten Beispielen zeigt sich exemplarisch, wie vielschichtig, komplex und emotional aufgeladen gesellschaftliche Debatten um Authentizität im Bauerbe sind.

Der vorliegende Sammelband nimmt den Faden dieser Debatten auf, die von der Denkmalpflege und Architekturgeschichte bereits seit über einem Jahrhundert geführt werden. Dabei nehmen die von den Herausgebern Prof. Dr. Christoph Bernhardt (IRS), Prof. Dr. Martin Sabrow und Dr. Achim Saupe (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) selektierten Beiträge breite, disziplinenübergreifende Perspektiven ein, um auch neue kultur- und stadtgeschichtliche Ansätze für das Thema fruchtbar zu machen. Sie ...

  • nehmen Bezug auf das Weltkulturerbe-Programm der UNESCO,
  • stellen die Entwicklung von Authentizitätsdebatten im 20. Jahrhundert dar und
  • geben einen Überblick über Authentizitätskonflikte in Städten.

Der Zeit nach dem 2. Weltkrieg kommt dabei eine herausgehobene Stellung zu, weil die Zerstörung historischer Bausubstanz als Folge des Krieges die Debatten um Bewahrung und Wiederaufbau in besonderer Weise prägt.

Zu den detailliert dargestellten Beispielen des Buches gehören die Welterbestätten Stralsund, Wismar, Dessau und St. Petersbug, der Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses, Stadtgestaltungen in Riga und Halberstadt sowie mehrere Beispiele aus der islamischen Welt. Ein Fokus liegt zudem auf dem Verhältnis von Authentizität und Geschichtstourismus.

Die bibliographischen Angaben zum Buch:

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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