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Warum Neubautrocknung im Sommer?


Foto © Bautrocknung matter GmbH
  

(25.5.2022) „Es trocknet doch alles so schnell bei der Hitze…“ Leider hat das im Baubereich so noch nie gestimmt. Technische Hilfsmittel oder Zeit zum „Trockenwohnen“ sind und waren schon immer vonnöten, um (nicht nur) ein konventionell errichtetes Gebäude zu trocknen.

Zur Erinnerung: Früher wurden Rohbauten über den Winter stehengelassen, und Baufeuchte konnte mit Hilfe der trockenen Winterluft über die Bauöffnungen entweichen. Zeit hat sich jedoch zu einem schwerwiegenden Kostenfaktor entwickelt. Zudem hat sich das Klima verändert: Starkregen, Stürme und lange Hitzeperioden nehmen zu. Tropische Wetterlagen sind keine Seltenheit mehr im Sommer. Warme Sommerluft ist dann bereits so  mit Feuchtigkeit gesättigt, dass keine weitere Aufnahme erfolgen kann.

Feuchtigkeit im Neubau

Mineralische Baustoffe wie Beton, Estrich und Mörtel werden mit Wasser angemacht und sind außerdem immer häufiger auch pumpfähig. Damit diese Baustoffe leicht verarbeitet werden können, wird diesen entsprechend viel Wasser zugegeben, welches die Baustoffe nur zu einem Teil zum Abbinden und Erlangen der geforderten Festigkeit benötigen. Das  überschüssige Wasser muss dann in irgendeiner Form aus dem Baukörper entweichen. Bespiele:

  • Ein Calciumsulfat-Fließestrich kann bei einer Einbaustärke von 4 bis 5 cm ca. acht Liter Überschusswasser pro Quadratmeter enthalten. Rein rechnerisch würde das bedeuten, dass bei einem Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von 120 m² (Estrichfläche) 960 Liter Wasser aus dem Estrich frei werden.
  • Aus einem Gipsputz kommt eine ähnliche Menge Wasser. Die Einbaustärke beträgt zwar nur 1,5 cm, die gesamte Fläche ist aber die dreifache.
  • In der Summe kann man von ca. 3.000 bis 5.000 Liter Überschusswasser bei einem Einfamilienhaus in Massivbauweise sprechen.
Foto © baulinks/AO 

Dauer der Trocknung

Wie lange eine Trocknung für ein Gebäude dauern kann, hängt von der Größe des Gebäudes, dem Baumaterial und den klimatischen Bedingungen auf der Baustelle ab. Zur Trocknung mineralischer Baustoffe kommt gerne die Faustformel „Pro Zentimeter eine Woche“ zu Anwendung. Das gilt bis zu einer Schichtstärke von ca. 4 cm. Weitere Zentimeter werden im Quadrat hinzugerechnet.  Beispiele:

  • Ein Estrich ist 6 cm stark. 4 cm benötigen 4 Wochen, die verbleibenden 2 cm werden mit 2 x 2 = 4 hinzuaddiert - das heißt, dass der 6 cm dicke Estrich auf „natürlichem“ Wege 8 Wochen zum Trocknen benötigt - unter guten klimatischen Bedingungen und diszipliniertem Lüften.
  • Bei einer Betondecke, die 16 cm stark ist, wird die gleiche Faustformel angewandt. Also wieder 4 Wochen für 4 cm, die verbleibenden 12 cm werden mit 12 x 12 = 144 hinzugerechnet. Wiederum die ersten 4 cm hinzuaddiert, ergibt dann 148 Wochen -  was fast dem Zeitraum von 3 Jahren entspricht. Die Erfahrungen in der Praxis bestätigen dies immer wieder.

Vorteile der aktiven Bautrocknung beim Neubau

Die Neubautrocknung hat vor diesem Hintergrund gleich mehrere Vorteile. Nasse Bauteile werden zügiger trocken. Dadurch können Anschlussarbeiten eher stattfinden. Trockene Bauteile haben außerdem ein drastisch verringertes Schimmelrisiko. Die Neubautrocknung wirkt sich überdies positiv auf die Heizkosten nach dem Bezug aus.

Während der Trocknungsphase, die zwischen zwei und mehreren Wochen dauern kann, empfiehlt es sich, die Feuchtigkeit in dem Gebäude und die der Bauteile durch geeignete Messgeräte zu überprüfen, sinnvollerweise durch eine Fachfirma.

Weitere Informationen zur Neubautrocknung im Sommer können per E-Mail an Matter angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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