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Fehlerkostenbilanz von BauInfoConsult kommt für 2020 auf eine Schadenssumme von über 18 Mrd. Euro

(17.1.2022) Bauprojekte verlaufen nur selten reibungslos. Pannen, Fehler und Verzögerungen sind im Baualltag quasi vorprogrammiert, so dass sich über die Jahre ein bemerkenswerter Berg an Fehlerkosten aufgetürmt hat. Zwar sank die Schadenssumme der verbauten Fehler 2020 leicht, lag jedoch mit einer Summe von 18,3 Mrd. Euro immer noch weit über dem, was tolerabel wäre. Dabei waren die Kommunikationsmängel auf den Baustellen - neben den anderen „Klassikern“ mangelhafte Planung oder Bau­leitung - erneut eine der Hauptfehlerquellen.

Da über die Höhe der gesamten Fehlerkosten in der deutschen Baubranche keine offizielle Statistik geführt wird, bedient sich BauInfoConsult eines Umweges: Um sich der Höhe der Fehlerkosten, die jährlich in der gesamten Baubranche auftreten, wenigstens anzunähern, führt das Marktforschungsunternehmen seit mehr als zehn Jahren eine umsatzanteilige Analyse der Fehlerkosten auf Basis der Branchenbefragung zur Jahresanalyse durch.

befragte Bauakteure: Anteil der Fehlerkosten am Jahresumsatz der gesamten Baubrache (in %, n=6OO)

Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis für 2020 nach einer leichten Entwarnung aus: So schätzen die befragten Bauakteure, dass die gesamten Fehlerkosten am deutschen Bau im Jahr 2020 etwa 12,8% des gesamten Branchenumsatzes ausgemacht haben. Das ist zwar immer noch sehr hoch, doch im Jahr 2019 hatte der Fehlerkostenanteil am Bauumsatz noch 15,4% ausgemacht, für 2018 wurden 14,0% ermittelt.

Dennoch ist auch das Ergebnis für 2020 immer noch weit von einer wirtschaftlich tolerierbaren Fehlerrate entfernt. Setzt man den von den Profis am Bau geschätzten Fehlerkostenanteil mit dem vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie auf etwa 143 Mrd. Euro taxierten baugewerblichen Gesamtumsatz ins Verhältnis, entspräche das einer Fehlersumme von immer noch 18,3 Mrd. Euro. Das ist vom Fehlerkostenwert von 2019 nicht allzu weit entfernt (20,79 Mrd. Euro) und liegt noch über dem Ergebnis von 2018 (17,78 Mrd. Euro).

Was zu dem Fehlerkostenklassiker Kommunikationsmangel führt

Dass im Jahr 2020 Fehlerkosten immer noch so massiv auftraten wie in den Jahren zuvor, könnte womöglich zum Teil auch mit den erschwerten Rahmenbedingungen der Baustellenorganisation unter Pandemie- und Lockdown-Bedingungen zu tun gehabt haben. Doch nimmt man diesen Faktor einmal aus dem Reigen der „klassischen“ Fehlerkostenquellen raus, gehören mangelhafte Kommunikation und dadurch entstandene Missverständnisse bei den Absprachen zu denjenigen Problemen, die seit Jahren (neben Fehlern bei Planung oder Bauleitung) als eine der häufigsten Fehlerursachen schlechthin genannt werden.

Dabei sind die Kardinalfehler, die zu den häufigen Kommunikationsmängeln auf der Baustelle führen, grundsätzlich pandemieunabhängig. Das gilt für das Problem Nummer eins, den Zeitmangel, ähnlich wie für den zweitplatzierten Kommunikationskiller der unklaren Verantwortlichkeiten. Mangelnde Koordinationsfähigkeit des Bauleiters und Desinteresse der beteiligten Gewerke wird von den Interviewten Branchenakteuren ebenfalls als Ursachenbündel für mangelhafte Baustellenkommunikation angesehen - wenn auch nicht so häufig wie die beiden erstgenannten Ursachen „Zeitmangel & unklare Verantwortlichkeiten“.

Über die Studie: Die Fehlerkostenanalysen stammen aus der Studie „Jahresanalyse Deutschland 2021/2022“ von BauInfoConsult. Sie beruht auf über 660 Interviews mit Architekten, Bauunternehmern, Dachdeckern/Zimmerern, Malern/Trockenbauern, SHK-Installateuren und Herstellern aus der Bau- und Installationsbranche. Auf dieser Basis ist die Jahresanalyse das umfassende Nachschlagewerk von BauInfoConsult über aktuelle Entwicklungen in der Bau- und Installationsbranche in Deutschland. Auf Grundlage von eigener Marktforschung, Prognosemethodik und Desk Research werden Trends und Entwicklungen aus der Branche übersichtlich aufbereitet.

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