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Neue Nationalgalerie: Dankmalgerechte Bodenrenovierung und die Vermeidung sichtbarer Dehnfugen

(16.2.2022) Die von 1963 bis 1968 nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe gebaute Neue Nationalgalerie in Berlin (siehe Google-Maps) gilt als Ikone der Architektur des 20. Jahrhunderts. Nach fast fünfzig Jahren intensiver Nutzung als Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst benötigte sie eine umfassende Sanierung.

Fotos © BBR, Thomas Bruns 

Die Ertüchtigung und behutsame Modernisierung betraf alle Teile des Gebäudes, die teils nach Originalvorgaben demontiert, restauriert und wieder eingebaut wurden. Das ursprüngliche Erscheinungsbild sollte dabei weitestgehend unverändert bleiben, um die Gesamtwirkung des Baus zu erhalten. Denkmalschutz und Anforderungen zur Nutzung als moderner Museumsbetrieb mussten dabei in Einklang gebracht werden - auch beim Boden, bei dem Uzin-Verlegesysteme umfassend zur Instandsetzung nach allen geforderten Maßgaben beitrugen.

„So viel Mies wie möglich“ – das war die Zielvorgabe, die David Chipperfield Architects Berlin bei der Grundsanierung des zeitlosen Baus der klassischen Moderne umzusetzen hatten. Dies bedeutete, dass bei allen notwendigen Maßnahmen so viel originäre Substanz wie möglich zu erhalten war.

Um den Rohbau freizulegen, wurden rund 35.000 originale Bauteile demontiert und archiviert, darunter die komplette Innenausstattung und der Naturstein. Allein 2.500 m² Natursteinplatten aus Striegauer Granit wurden nach ihrer denkmalgerechten Restaurierung wieder eingebaut. Die Außenbereiche erhielten ihre ursprüngliche Bepflanzung. In den Ausstellungsbereichen jenseits der Treppenhalle wurde wieder Teppichboden verlegt - ein viel diskutiertes Detail, auch in Hinblick auf die Erwartung heutiger Museumsbesucher an eine zeitgemäße Gestaltung.

Nach einem intensiven Abwägungsprozess entschieden sich Architekten, Landesdenkmalamt, Bauherr und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) als baufachlicher Bauherrenvertreter für eine Neuauflage der Webware. Die Rekonstruktion des Teppichs musste ohne bauzeitliche Muster nur anhand von Fotos und Zeitzeugenaussagen erfolgen. Der textile Belag im Originaldesign sollte seine Wirkung im Raum entfalten – ganz nach Mies van der Rohes Vorstellung von Haptik, Optik und Akustik. Farblich passt die hellgraue feinmelierte Schlingenware zum Granitbelag in Foyer und Skulpturengarten.

Fugenlose Teppichbodenverlegung und Oddy-Test gefordert

Damit die Neue Nationalgalerie den heutigen technischen Anforderungen hinsichtlich Klimatisierung, Brandschutz und Sicherheit entspricht, wurde die gesamte technische Gebäudeausrüstung erneuert - vom Grundleitungssystem in der Bodenplatte, über die Raumlufttechnik bis u.a. zur Fußbodenheizung. Der Bodenaufbau erforderte dabei besonderes Know-how, denn rund 4.000 m² Teppichboden sollten in den Ausstellungsbereichen auf einer beheizten Estrichkonstruktion in fugenloser Optik verlegt werden - trotz vorhandener Dehnfugen. Laut Denkmalamt war ein durchgängiges Erscheinungsbild in der Fläche unerlässlich. Zudem waren ausschließlich Produkte verlangt, die den sogenannten Oddy-Test für die Verträglichkeit der Anwendung in Museen bestehen und keine schädlichen Emissionen verursachen.

Uzin bot als einziger Anbieter eine passende Lösung an und empfahl einen Bodenaufbau nach dem neuesten Stand der Technik - fachmännisch ausgeführt von der IB Fußbodentechnik Berman GmbH aus Berlin.

Unterboden mit Fugenschließung auf beheizter Estrichkonstruktion

Die beheizte Estrichkonstruktion besteht aus rund 7 x 7 m² großen Feldern mit einzeln steuerbaren Heizkreisen. Aufgrund der großen Speichermasse des Fußbodens kann die Fußbodenheizung einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Raumklimas leisten. „Die eigentliche Herausforderung bestand darin, die Dehnfugen übernehmen zu müssen“, erklärt Igor Berman. Laut DIN 18365 sind Bewegungsfugen aus der Untergrundkonstruktion in den Oberboden zu übernehmen. Das Denkmalamt lehnte jedoch den Einsatz von Profilen klar ab, es wollte eine homogene Teppichfläche. „Dank Uzin hatten wir glücklicherweise eine Aufbauempfehlung, mit der der textile Belag ohne Trennung auf den Dehnfugen verlegt werden konnte“, so Herr Berman.

Fugen geschlossen, Untergrund vorbereitet 

Dazu wurden nach dem Schleifen und Grundieren die Fugenbereiche jeweils zirka 30 cm links und rechts der Fuge angefräst, Dämmstreifen wurden auf ca. 20 bzw. 25 mm keilförmig heruntergeschnitten. Anschließend legte das Team Rissbrücken in die Fugen ein, die mit einem 2-K-PUR-Klebstoff verklebt wurden. „Das Glasgewebe nimmt in Verbindung mit dem Klebstoff die Zugkräfte auf“, erläutert Dirk Hohenhaus, Fachberater von Uzin, der das Projekt während der gesamten Bauzeit eng begleitete. Zum Abschluss wurden die Fugen vollständig mit dem Parkettklebstoff UZIN MK 92S gefüllt und noch einmal abgestrichen. „Insgesamt haben wir auf diese Weise ca. 700 laufende Meter Fugen geschlossen“, so Herr Berman.

Ebener Boden: Gips-Schnellspachtelmasse auf vollflächig verklebter Dämmunterlage

Nach der Trocknungszeit wurde die gesamte Fläche noch einmal geschliffen und mit der Schnellgrundierung Uzin PE 414 BiTurbo grundiert. Die gebrauchsfertige 1-K-Grundierung ist leicht aufwalzbar und dringt rasch ein. Um den Teppichboden vom Untergrund zu entkoppeln, wurde auch eine Dämmunterlage verlegt. „Sie entkoppelt nicht nur, sie nimmt auch Bewegungen auf“, erklärt Igor Berman. Außerdem sorgt sie für Druckverteilung, besseren Gehkomfort, Maßstabilität und Trittschallschutz. Aufgrund der Größe der Bodenfläche und der starken Frequentierung verklebte das Team die Multimoll-Unterlage vollflächig mit dem 1-K-STP-Parkettklebstoff Uzin MK 250. Selbst meterlange Holzdielen lassen sich damit absolut schubfest verlegen.

Da der Teppichboden einen sehr ebenen Untergrund verlangte, empfahl Uzin seine selbstverlaufende Gips-Schnellspachtelmasse NC 112 Turbo. In drei Abschnitten wurden insgesamt rund 50 Tonnen bis zu 150 m weit auf die Baustelle gepumpt und in einer Schichtdicke von ca. 5 bis 10 mm aufgebracht. Die hoch belastbare und schnell belegreife Spachtelmasse hat einen besonders guten Verlauf, ist sehr spannungsarm und bildet glatte und homogene Oberflächen. Nach rund zwei Stunden war der Boden bereits begehbar, nach ca. sechs Stunden belegreif. Die sehr hohe Druckfestigkeit C40 sowie eine große Zug- und Biegefestigkeit sind ideal bei starkem Publikumsverkehr.

Textil-Klebstoff sorgt für Maßstabilität

Um die 200 cm breiten Teppichbahnen im Ausstellungsbereich optisch perfekt zu verlegen, war ein scherfester Textilklebstoff nötig, der schnell eine hohe Festigkeit erreicht. „Durch seine hohe Maßbeständigkeit und sein schnelles Anzugsvermögen eignet sich Uzin UZ 88 besonders gut“, versprach Uzin-Fachberater Hohenhaus. Der harzfreie Dispersionsklebstoff ist geruchsneutral und wie die Spachtelmasse sehr emissionsarm, mit dem Blauen Engel ausgezeichnet und bestand den Oddy-Test, mit dem die Verträglichkeit von Materialien für Vitrinen, Schränke, Objekte und Museumsräume überprüft wird. Er vermeidet zudem Nahtschrumpf und Fugenbildung. Damit betonen die textilen Beläge die ruhige Flächigkeit der Räume und unterstreichen die Wirkung von Architektur und Kunst.

Weitere Informationen zur großflächigen Verlegung von Teppichböden können per E-Mail an Uzin angefordert werden.

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