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Schadstoffe in europäischen Teppichböden; DUH fordert Konsequenzen


  

(6.11.2018) Bei aktuellen Untersuchungen europäischer Teppichböden fanden die Vrije Universiteit Amsterdam (Niederlande), das Ecology Center (USA) und die Notre Dame University (USA) chlorierte Flammschutzmittel, hormonaktive Substanzen und krebsverdächtige Stoffe. Weil Teppichböden weich, fleckenresistent und farbig sein sollen, werden sie chemisch behandelt.

Angesichts der Studienergebnisse fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ein Verbot gesundheitsgefährdender Chemikalien in Teppichböden und die Einführung des Prinzips der Produktverantwortung für Hersteller. Nur so könne der Gesundheitsschutz der Verbraucher und der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft sichergestellt werden.

Im Auftrag der Changing Markets Foundation (CMF) wurden fünfzehn Teppichböden der acht Hersteller Interface, Tarkett, Milliken, Forbo, Balta Group, Beaulieu International Group, Donkersloot und Associated Weavers untersucht. Überprüft wurde das Vorhandensein von antimikrobiellen Substanzen, Bisphenol A, Flammschutzmitteln, fluorierten Fleckschutzmitteln, Isocyanaten, Nonylphenol, Phthalaten und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Bei der Analyse wurden in zwölf von fünfzehn Teppichböden Schadstoffe, wie zum Beispiel Diethylhexylphthalat (DEHP), perfluorierte Verbindungen (PFAS) oder das Flammschutzmittel Tris(1,3-dichlorisopropyl)phosphat (TDCPP) nachgewiesen. Nur 3 der 15 Teppichböden enthielten keine der untersuchten Schadstoffe.

„Schadstoffe in Teppichböden sind ein Problem und haben dort nichts zu suchen. Chemikalien, die die Gesundheit der Verbraucher gefährden können, müssen verboten werden. EU-weit verbotene Substanzen dürfen nicht in Recyclingmaterialien zugelassen sein, so dass sie den Weg in Produkte finden können, mit denen Verbraucher fast täglich in Kontakt kommen. Substanzen, die in Kinderspielzeug reguliert sind, müssen auch in Teppichböden, denen Kinder beispielsweise beim Krabbeln besonders intensiv ausgesetzt sind, ebenso gesetzlich geregelt werden“, fordert Barbara Metz, Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin. Sie empfiehlt Verbrauchern, auf den Blauen Engel zu achten. Dem Siegel lägen die strengsten Anforderungen beim Einsatz von Chemikalien zugrunde. Außerdem müssten das europäische Chemikalienregister REACH angepasst und Widersprüche der europäischen Chemikalienpolitik aufgehoben werden.

DUH-Kampagnefilm zu Schadstoffen in Teppichböden

Auch müsse die EU-Kommission dringend Regelungslücken schließen und die Schadstofffreiheit von Neuware und Recyclingmaterialien gleichermaßen vorschreiben: „An Neu- und Recyclingmaterial müssen im Sinne des Umwelt- und Gesundheitsschutzes dieselben Anforderungen gestellt werden,“ verlangt Barbara Metz. Die Deutsche Umwelthilfe fordert deshalb auch das Prinzip der Produktverantwortung für Hersteller. Dies würde bedeuten, dass Hersteller von Teppichböden zukünftig für eine umweltfreundliche Entsorgung der von ihnen in Verkehr gebrachten Produkte verantwortlich wären. Dazu gehörten laut DUH ...

  • der Aufbau eines flächendeckenden Sammelsystems,
  • die Schadstofffreiheit und Recyclingfähigkeit von Teppichböden sowie
  • der Aufbau von Recyclingkapazitäten.

Bislang werden fast alle Teppichböden in Deutschland nach ihrem Lebensende verbrannt. Jährlich fallen allein in Deutschland rund 400.000 Tonnen Teppichböden zur Entsorgung an.

„Viele Teppichböden enthalten hochwertige, für das Recycling geeignete Kunststoffe. Diese Stoffe können derzeit leider viel zu selten recycelt werden. Weil sich Schadstoffe in Recyclingmaterialien anreichern können, sollten Teppichbodenprodukte deshalb von Anfang an schadstofffrei sein. Dass dies möglich ist, zeigen zwei untersuchte Teppichböden mit Anteilen von Recyclingmaterialien, bei denen keiner der untersuchten Schadstoffe gefunden werden konnte“, sagt Elena Schägg, Projektmanagerin des DUH-Fachbereichs Kreislaufwirtschaft.

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