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Neue Studie untersucht Bedürfniswandel im Bad

(17.9.2007) Wir Deutschen werden immer älter. Schon jetzt sind laut einer aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamtes rund 37,6 Prozent über 50 Jahre alt, Tendenz steigend. Bis 2035 wird sich die durchschnittliche Lebenserwartung um weitere 4,5 Jahre erhöhen. Der fortschreitende demographische Wandel bringt auch eine Veränderung der individuellen Bedürfnisse an das Bad mit sich. Im Auftrag von Kaldewei hat das renommierte Kölner rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen aktuell den Bedürfniswandel im Bad in der morphopsychologischen Studie "Die Bad- und Badekultur der Generation 50plus" untersucht.


Die Studie belegt, dass das Alter psychologisch ein komplexer und vor allem ambivalenter Prozess ist, der individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. So beschreiben die Befragten das Alter einerseits als "befreites Auskosten", das uneingeschränkten, aktiven Lebens-Genuss ermöglicht. Diese idealisierte Wahrnehmung erfolgt beispielsweise mit dem Eintritt ins Rentenalter, das neue Freiheit, Ungebundenheit und Selbstbestimmtheit verheißt. Andererseits stehen dem in der Realität Erfahrungen gegenüber, in denen man das Alter primär als fortschreitende Ein- und Beschränkung verspürt.

In dieser Logik nach den neuen Anforderungen an ihr privates Lebens- und Wohnumfeld befragt, äußern die über 50-Jährigen besonders häufig den Wunsch nach neuen, komfortableren Bädern, die ein vollkommenes Verwöhnerlebnis ermöglichen. Umso sensibler reagieren sie gleichzeitig auf die Frage nach einer spezifisch altersgerechten Ausstattung des Bades. "Auf Grundlage der Ergebnisse vorangegangener rheingold Studien ist es absolut nachvollziehbar, dass diese spannende, ambivalente Wahrnehmung des Alters insbesondere Auswirkungen auf die individuellen Anforderungen an das private Bad hat. Wie wir wissen, haben Baden und Duschen psychologisch betrachtet eine unvergleichlich intensivere Bedeutung als beispielsweise die Nutzung der Küche", so Martin Koch, Leiter Unternehmenskommunikation Kaldewei.

Funktionswandel im Bad: Von der Transitstation zur Verwöhnoase

Bereits vorliegende Erkenntnisse zeigen, dass mehr als zwei Drittel der deutschen Bäder renovierungsbedürftig sind. Wie die aktuelle Studie belegt, ist der Entschluss zur Badrenovierung häufig an den "gefühlten" Übergang in einen neuen Lebensabschnitt geknüpft. Dazu gehören insbesondere Situationen wie der Auszug der Kinder oder der Beginn des Rentenalters oder dass man schlicht das "Alter spürt". Vor diesem Hintergrund lassen sich zwei unterschiedliche Motive für die Renovierung unterscheiden: Zum einen ist es der Wunsch nach Erneuerung bzw. individueller Neuausrichtung des Badezimmers. Es ist quasi mit einem gealtert und trägt sichtbare Altersspuren, die unbewusst auch an die ungeliebten Seiten des eigenen Älterwerdens erinnern. Zum anderen wird letztlich eine indizierte Anpassung an erste körperliche Einschränkungen nötig, um in Sachen Körperreinigung und -pflege so lange als möglich autonom agieren zu können (siehe auch Beiträge "forsa für Sanitärwirtschaft: 'Das Bad gewinnt'" vom 12.3.2007 und "Generation 50plus als Modernisierer" vom 16.9.2007).

Neben diesen rein praktischen Erwägungen, verändert das Badezimmer vor allem auch psychologisch seine Bedeutung. Solange die Aufgaben des Arbeitslebens im Vordergrund stehen, wird es eher als "funktionaler" Ort - eine Art Transitstation - erlebt, in dem man mit der täglichen Körperpflege vor allem einer sozialen Pflicht gegenüber der Gesellschaft nachkommt. Mit dem Rückzug aus dem "öffentlichen" Leben und dem Gewinn frei verfügbarer Zeit wird das Badezimmer stärker als "Ich-bezogener" Raum empfunden, in dem man sich nach Herzenslust selbst verwöhnen kann. Aus diesem Funktionswandel resultiert der Wunsch, das Traum-Bad zu realisieren, in seiner Ausstattung aufzuwerten und sich mehr als die Standard-Lösungen zu gönnen.

Die Wiederentdeckung und Krise des Badens

So verschieden die Vorlieben und Gewohnheiten rund um das Bad auch sind, in einem sind sich die Befragten einig: Mit zunehmendem Alter braucht man mehr Zeit im Bad und man nimmt sie sich auch. Psychologisch wird zudem insbesondere der mit dem Baden und Duschen verknüpfte seelische Neustart deutlich intensiver erlebt. "Viel stärker als in jüngeren Jahren empfinden die über 50-Jährigen das Bade- und Duscherlebnis als 'Jungbrunnen', der eine real empfundene, umfassende Revitalisierung ermöglicht" erklärt Martin Koch den psychologischen "Frische-Kick".

Die Möglichkeit, mehr Zeit im Bad zu verbringen, kommt zunächst besonders den "bade-affinen" Best Agern entgegen. Stärker als die "Dusch-Affinen" haben sie die Tendenz, das Badezimmer zu einer privaten Verwöhnoase umzugestalten, in der sie sich wohl und geborgen fühlen. Dabei wünschen sich gerade die "jüngeren Alten" eine größere Badewanne, in der es sich auch zu zweit baden lässt oder die Umstellung auf eine Whirlwanne. Gleichzeitig wird jedoch das Baden mit zunehmenden Alterserscheinungen auch als problematisch empfunden. Viele Bade-Affine verabschieden sich daher im Alter vom Baden und "begnügen" sich mit der Dusche.

Die "Altersgerechte" Anpassung des Bades

Ebenso wie das "Alter" an sich, erweist sich auch das Thema der altersgerechten Anpassung des Bades als sehr ambivalent. Idealerweise möchte man einerseits frühzeitig Vorkehrungen treffen, um so lange als möglich autonom leben zu können. Andererseits sollte die "Altersgerechtigkeit" bei der Badplanung nicht im Mittelpunkt stehen, sondern sozusagen unsichtbar integriert sein - eine Herausforderung an die Produktentwicklung. Im Vordergrund stehen dabei vor allem Aspekte wie Komfort und Bequemlichkeit, beispielsweise durch Duschen mit größerer, pflegeleichter Standfläche, ansprechendes, innovatives Produktdesign, aber auch Sicherheit, etwa durch spezielle rutschhemmende Oberflächen (siehe dazu auch Beitrag "Trittsicherheit beim Duschvergnügen im XXL-Format" 5.7.2006).

"Menschen-gerecht" anstatt "Senioren-gerecht"

In seinem Vortrag "Senioren-gerechtes Design?" gab Prof. Dr. Rainer Funke, Leiter Fachbereich Design der Fachhochschule Potsdam und des interdisziplinären Forschungsprojekts "Leben im Alter", Einblicke in die kleinen und großen Probleme, denen ältere Menschen bei der Nutzung scheinbar alltäglicher Produkte gegenüberstehen. Darüber hinaus zeigte er, worauf es bei der Gestaltung "altersgerechter" Produkte tatsächlich ankommt. "Eigentlich geht es nicht um die Entwicklung eines 'Senioren-gerechten', sondern vielmehr 'Menschen-gerechten' Designs, das unabhängig von Alter und Gesundheitszustand von jedem Menschen gleichermaßen genutzt werden kann!", so der Designexperte. "Die Produktgestaltung muss also den Spagat zwischen seniorengerechter Funktionalität einerseits und den Idealen von Schönheit, Jugend und Attraktivität andererseits meistern. Denn seien wir mal ehrlich: Der Wunsch nach exklusivem Design hat grundsätzlich nichts mit dem Alter eines Menschen zu tun", erklärt Prof. Dr. Funke abschließend.

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