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Aus- und Weiterbildungsangebote zum Thema BIM in Deutschland


  

(16.7.2021) Die Zahl der Hochschulen und Universitäten in Deutschland, die BIM-Programme anbieten, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das gilt sowohl für Bachelor- als auch für Master-Studiengänge in den Ingenieur- und Architekturfakultäten. Zusätzlich werden viele BIM-Kurse von Verbänden und Kammern der Baubranche angeboten. Ebenso sind zahlreiche private Initiativen auf dem Markt, die Online- und Präsenzschulungen zu Digitalisierungsthemen im Allgemeinen und BIM im Speziellen anbieten.

Die Jade Hochschule in Oldenburg untersuchte übrigens in den Jahren 2014 bis 2016 den Stand der BIM-Ausbildung vergleichend: In diesem Zeitraum begann die Implementierung von BIM in allen untersuchten Bundesländern, sowohl in die Lehrpläne der Hochschulen als auch in die Weiterbildung. Hier ergaben sich Unterschiede zu anderen Ländern in Europa. So betrachte in England eine Vielzahl von BIM-Masterstudiengängen die BIM-Methodik  im gesamten Lebenszyklus des Bauobjektes. Verglichen dazu wurden in Deutschland weitestgehend nur einzelne Module zum Thema BIM in die Lehrpläne der Hochschulen integriert.

Im Allgemeinen richtete die Mehrheit der BIM-Aus- und Weiterbildungskonzepte in Deutschland den Fokus auf den Umgang mit bestimmter BIM-Software. Die Anwendung der eigentlichen Methodik, die veränderten Kommunikationsstrukturen im Rahmen eines OpenBIM-Konzeptes, lag im internationalen Vergleich weit zurück.

Organisationen und private Initiativen

buildingSMART Germany hat sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung von BIM-Bil­dungsinitiativen in Deutschland zu unterstützen und zu fördern. Dadurch soll sichergestellt werden, dass eine konsistente BIM-Ausbildungslandschaft hierzulande entsteht.

Mit seinem Professional Certification Program (bSI PCert) bietet buildingSMART International einen weltweit gültigen Qualitätsmaßstab zum Bewerten und Vergleichen der Kenntnisse und Kompetenzen in Building Information Modeling. Hierzulande kooperiert buildingSMART Deutschland mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Gemeinsam haben sie die Richtlinie VDI/bS-MT 2552 8.1 entwickelt, als Grundlage dieses Programmes. Das Blatt 8.2 steht - ebenfalls als Gemeinschaftsprodukt von buildingSMART und VDI - kurz vor der Veröffentlichung.

Im Rahmen dieses Zertifizierungsprogrammes bietet buildingSMART selbst keine Schulungen oder Kurse an, sondern definiert vielmehr Mindestanforderungen der Lehrinhalte und Lernergebnisse, regelt die Zulassung von Schulungsanbietern sowie die Prüfung und Zertifizierung von Einzelpersonen. Für die eigentliche Ausbildung ist der Schulungsanbieter verantwortlich

Das Basis-Programm wird Schulungsanbietern in Deutschland seit Mai 2018 als „buildingSMART/VDI-Zertifikat BIM-Qualifikationen – Basiskenntnisse“ angeboten. Über 40 Schulungsanbieter, darunter Hochschulen, private Weiterbilder, Kammern und Unternehmen, bieten seitdem in Deutschland ihren Schulungsteilnehmern diese Zertifizierung an. Mehr als 2.500 Teilnehmer haben einen solchen Kurs bereits abgeschlossen. In der zweiten Phase soll ab Herbst 2021 mit „Professional Certification - Practitioner“ eine Aufbaustufe angeboten werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung anwendungsbezogener BIM-Kompetenzen.

bSI PCert ist zweistufig aufgebaut. Die erste Stufe des buildingSMART Zer­ti­fi­zie­rungs­pro­gramms - „das Professional Certification - Foundation“ - zielt auf ein einheitliches Verständnis der BIM-Grundlagen ab. Es soll Basiswissen in Building Information Modeling vermitteln und das erlangte Wissen mittels einer zentralen, international abgestimmten Prüfung geprüft und zertifiziert werden. Dieses Basis-Programm wird den Schulungsanbietern in Deutschland seit Mai 2018 als buildingSMART/VDI-Zertifikat „BIM-Qualifikationen – Basiskenntnisse“ angeboten. Ca. 40 Schulungsanbieter, darunter Hochschulen, private Weiterbilder, Kammern und Unternehmen, bieten seitdem in Deutschland ihren Schulungsteilnehmern diese Zertifizierung an. Mehr als 2500 Teilnehmer wurden bisher zertifiziert.

Neben buildingSMART Germany gibt es in Deutschland weitere Institutionen, die das Ziel verfolgen, die Digitalisierung im Bauwesen voranzutreiben und Unternehmen der Baubranche dabei zu unterstützen.

Die planen-bauen 4.0 GmbH – getragen von über 70 Gesellschaftern aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette Bau - koordiniert und beschleunigt seit ihrer Gründung 2015 die Digitalisierung des deutschen Bauwesens. Sie begleitet die BIM-Pilotprojekte des Bundes im Bereich Hochbau, Straße, Schiene und Wasserstraße. Darüber hinaus ist die Gesellschaft in zahlreichen nationalen und internationalen Projekten zur Standardisierung und Implementierung der modellbasierten Arbeitsweise involviert.

Neben buildingSMART und planen-bauen 4.0 gibt es in Deutschland weitere Institutionen und Unternehmen, wie etwa die Akademie der Ruhr-Universität, Schüßler-Plan, Plandata GmbH, Contelos GmbH, BIMwelt GmbH, auxalia GmbH, HOCHTIEF ViCon, EDUBIM CAMPUS oder die TÜV Süd Akademie und die DIN Akademie, welche die Digitalisierung im Bauwesen voranzutreiben und Unternehmen der Baubranche unterstützen

Förderprojekte des Bundes

Auch der Bund unterstützt die Digitalisierung des Bauwesens rund um das Thema BIM. Kleinere und mittlere Unternehmen profitieren von Projekten wie dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen oder BIM Deutschland.

Seit 2017 unterstützt das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Planen und Bauen kleine und mittelständische Unternehmen der Bau- und Immobilienwirtschaft bei der digitalen Transformation. Das Kompetenzzentrum wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Förderschwerpunkts „Mittel­stand-Digital - Strategien zur digitalen Transformation der Unternehmensprozesse“. Das übergeordnete Anliegen des Kompetenzzentrums ist, die vermehrte Anwendung der Methode BIM zu fördern sowie eine erfolgreiche Implementierung digitaler Planungsmethoden im Bauwesen zu erreichen. Das bedeutet, dass die BIM-Debatte von Bauherren, Projektsteuerern, Architekten, Fachplanern, Ingenieuren und Software-Entwicklern auf die Phasen der Projektentwicklung und des Betriebs ausgeweitet werden soll. Damit sollen angrenzende Branchen der Banken-, Versicherungs- und Immobilienwirtschaft, des Facility-Managements und des Handwerks für die neuen Möglichkeiten sensibilisiert werden.

Die deutsche Bundesregierung möchte (inzwischen) die Digitalisierung der Geschäftsprozesse im Bauwesen beschleunigen und aktiv mitgestalten. Deshalb hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zusammen mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat im Sommer 2019 BIM Deutschland als das Zentrum für die Digitalisierung des Bauwesens gegründet. Das wichtigste Ziel von BIM Deutschland ist die Erstellung abgestimmter und einheitlicher Vorgaben im Infrastruktur- und Hochbau. Alle erarbeiteten Informationen und Werkzeuge sollen offen und unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden.

Wahrnehmung der BIM-Methode in Deutschland

Building Information Modeling als Planungsmethode ist in Deutschland durchaus existent. Dennoch zeigen Studien, dass immer noch viele Unternehmen diese Methode nicht oder nur unzureichend nutzen. Dies birgt das Risiko, dass sie ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel setzen, weil sie den Anschluss an neue Geschäftsfelder verlieren. Die Forderung privater Auftraggeber nach dem Einsatz von BIM ist noch gering. Zunehmend fordern jedoch immer mehr Ausschreibungen das digitale Planen und Bauen.

In Deutschland nimmt inzwischen der Bund eine Vorreiterrolle ein. So wird bei der Vergabe öffentlicher Aufträge für den Bundesinfrastrukturbau und den infrastrukturbezogenen Hochbau verstärkt auf BIM gesetzt. Die größte Herausforderung sind dabei fehlende Regeln und Standards. Deshalb haben Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden bei einer Anhörung im Deutschen Bundestag im Januar 2020 gefordert, verlässliche Rahmenbedingungen für Planungs- und Bauunternehmen bei der Digitalisierung zu schaffen.

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