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Existieren Wärmeübergabeverluste nur in der Energieeinspar-Verordnung?

(18.8.2004) In der Fachwelt wird durchgängig davon ausgegangen, dass die Rechenvorschriften der Energieeinspar-Verordnung (EnEV) nur für das baurechtliche Genehmigungsverfahren gültig seien und die Bedarfswerte der EnEV nicht in einem technisch physikalischen Sinn zu interpretieren seien. Sie haben insbesondere nichts mit einem später gemessenen Verbrauch zu tun.

Andererseits ist aber das erklärte Ziel der EnEV die Reduzierung des Primärenergiever­brauchs im Neubau und Bestand. Wenn die Verordnung aber keinen Anreiz zur weiteren Steigerung der Effizienz der Gebäudehülle schafft, so wird ihr eigentlicher Zweck in Frage gestellt.

Ginge es nach den Rechenvorschriften der EnEV, könnte es Passivhäuser mit extrem geringem Heizwärmebedarf gar nicht geben: Allein die sogenannten Übergabeverluste, welche nach DIN V 4701 Teil 10 für die Passivhaus-typische Zuluftheizung und Badezimmer-Komfortheizkörper anzusetzen sind, belaufen sich bezogen auf die Wohnfläche schon auf etwa 11 kWh/(m²a). In mehreren hundert Passivhaus-Wohneinheiten wurden mit Wärmemengenzählern aber Verbrauchswerte von unter 15 kWh/(m²a) gemessen. Und diese Messwerte enthalten den Heizwärmebedarf, der allein bei über 13 kWh/(m²a) liegt, die Wärmeabgabe der Wärmeverteilung und evtl. Wärmeübergabeverluste. Existieren Wärmeübergabeverluste also nur in der Verordnung?

Zur Klärung dieser Frage hat das Passivhaus Institut die Wärmeübergabe bei Heizkörper- und Zuluftheizung sowohl mit Hilfe von Simulationsrechnungen als auch durch Auswertungen von Messergebnissen untersucht. Als Ergebnis stellte sich heraus, dass die regelungstechnischen Abweichungen von der vom Nutzer gewünschten Raumtemperatur so gering sind, dass sie nicht zu Einbußen in der Behaglichkeit führen. Eine Anhebung der mittleren Raumtemperatur durch den Nutzer (durch Sollwertverstellung am Thermostat) ist also aus Komfortgründen zur Kompensation von regelungstechnischen Defiziten nicht zu erwarten. Es entstehen also auch keine daraus abgeleiteten Wärmeübergabeverluste. Auch die Auswertung der Messergebnisse ist damit vereinbar, dass diese Wärmeverluste vernachlässigbar gering sind.

Von erheblicher Bedeutung für die Effizienz sind dagegen die Wärmeverteilverluste von wärmeführenden Leitungssystemen. Insbesondere Leitungen außerhalb der Gebäudehülle und das Trinkwarmwassersystem sind hier mit besonderer Sorgfalt zu planen. Hier gilt der Vermeidungsgrundsatz: Kurze kompakte Leitungssysteme sparen nicht nur Investitionen, sondern reduzieren auch die Verteilverluste. Bei guter Planung und Ausführung können Verteilverluste über 50% reduziert werden. Auch kleine Details haben große Wirkung: z.B. Dämmschalen für Armaturen und wärmegedämmte Rohrschellen. Vernachlässigbar sind dagegen die Verteilverluste der Zuluftheizung, aber auch hier sollte man schon aus Kostengründen auf möglichst kurze Kanallängen achten.

Die Forschung zum Thema "Wärmeübergabe- und Wärmeverteilverluste im Passivhaus" wurde vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung finanziell getragen. Der gleichnamige Protokollband Nr. 28 des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser kann beim Passivhaus Institut zum Preis von € 21,10 bestellt werden: mail@passiv.de.

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