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Gips-Wandbauplatten: massiv, leicht und trocken

(23.11.2006) Das Gebäude als festgefügte Struktur, bei der Grundriss und Raumfunktionen für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte unverändert fortexistieren, gehört der Vergangenheit an. Zeitgemäße Konstruktionen bestehen aus leichten Trennwänden, die sich unabhängig von der Gebäudestatik an jeder beliebigen Stelle errichten und bei Bedarf auch wieder spurenlos zurückbauen lassen. Nur so kann das Bauwerk flexibel auf veränderte Nutzungsanforderungen oder völlig neue Zweckbestimmungen reagieren.


Mit Gips-Wandbauplatten lassen sich leichte und variable Trennwände im Trockenbau errichten, ohne dass deshalb auf massive homogene Wände verzichtet werden muss. Die Bauweise will so in sich die Vorteile von Mauerwerk und Trockenbau-Montagewänden vereinen, weshalb sie auch als "massiver Trockenbau" bezeichnet wird.

Gips-Wandbauplatten bestehen durchgängig aus Stuckgips und werden ohne Mörtel, allein mit Fugengips als Kleber zusammengesetzt. Eine Unterkonstruktion ist nicht erforderlich. Das Nut- und Federprofil der Gipselemente (Bild) verspricht die einfache und passgenaue Montage sowie eine in horizontaler und vertikaler Ebene dauerhaft kraftschlüssige Verbindung. Mit dem Standardformat von 666 x 500 mm ist der vom Trockenbau bekannte schnelle Baufortschritt gewährleistet - schon drei Platten ergeben einen Quadratmeter Wand.

Gips-Wandbauplatten werden nicht verputzt, sondern lediglich verspachtelt, so dass die Plattendicke zugleich die Wanddicke ist. Dadurch werden ausgesprochen schlanke Konstruktionen möglich. Der Verzicht auf den Putz spart nicht nur Grundfläche, einen kompletten Arbeitsgang sowie Materialaufwendungen, er reduziert auch den Feuchteeintrag in das Gebäude. Die Bausubstanz bleibt trocken und der Bauablauf wird beschleunigt, weil Wartezeiten auf das Austrocknen entfallen.

Flexible Grundrissplanung

Gips-Wandbauplatten können für alle inneren nicht tragenden Trennwände eingesetzt werden, auch in häuslichen Feuchträumen. Einschalige Wände lassen sich mit dem Sortiment von VG-ORTH, dem einzigen Hersteller in Deutschland, ab 60 mm Dicke ausführen. Im Wohnungsbau werden vor allem 80 und 100 mm dicke Platten eingesetzt. Möglich sind auch zweischalige Konstruktionen mit innenliegender Dämmung.

Die Rohdichte der naturweißen Standardplatten beträgt 0,85 kg/dm³, bei einer 100 mm-Wand entsteht dadurch ein Wandgewicht von ca. 85 kg/m². Für Spezialanwendungen mit erhöhtem Schallschutz stehen außerdem rötlich eingefärbte Platten mit 1,2 kg/dm³ Rohdichte zur Verfügung. Auch mit der erhöhten Rohdichte gelten Trennwände aus Gips-Wandbauplatten als leichte Trennwände im Sinne der DIN 1055-3 und benötigen keine besonderen Deckenträger oder Verstärkungsstreifen. Unter Beachtung des in der Norm vorgegebenen Zuschlags zur Verkehrslast der Decke können die Wände völlig frei innerhalb des Grundrisses geplant werden. Selbst die Anordnung auf schwimmendem Estrich ist in der Regel möglich, so dass die Wände sehr spät in der Bauphase oder sogar erst nachträglich eingefügt werden können.

Variabel bei Öffnungen und Lasten

Für den elastischen Anschluss der Trennwand an die angrenzenden Wände, die Decke und den Boden stehen Randdämmstreifen aus Kork, Bitumenfilz oder Mineralwolle bei Brandschutzanforderungen zur Verfügung. Sie entkoppeln zum einen die Wand schalltechnisch von allen flankierenden Bauteilen. Zum anderen begünstigen sie den einfachen Rückbau der Trennwand bei späteren Nutzungsänderungen ohne Eingriff in die übrige Bausubstanz.

Doch nicht nur beim vollständigen Entfernen zeigen sich Gips-Wandbauplatten äußerst flexibel, sondern auch bei der Anordnung von Öffnungen, Installationen oder wandhängenden Lasten. So können beispielsweise Türöffnungen während des Wandaufbaus ausgespart oder später an jeder gewünschten Stelle ausgesägt werden, denn es handelt sich um homogene Wände, mit gleichbleibenden Eigenschaften über die gesamte Fläche und im gesamten Querschnitt.

Dies erweist sich auch für die Planung der leichten und schweren Konsollasten als Vorteil, die unabhängig von Ständerabständen oder Rastermaßen geplant werden können. Davon profitiert ebenso der Gebäudenutzer, der nach Fertigstellung des Gebäudes schwere Möbel oder Geräte ohne Bedenken an jedem beliebigen Ort anbringen kann.

Bauphysik des Gipses

Gips-Wandbauplatten bestehen vollständig aus unbrennbarem Gips (Baustoffklasse A1 nach DIN 4102). Im abgebundenen Zustand hat Gips die Formel CaSO4 · 2 H₂O. Die beiden Wassermoleküle sind nicht chemisch gebunden, sondern in die Zwischenräume der Kalziumsulfat-Struktur als Kristallwasser eingelagert. Im Brandfall leistet dieses Wasser ein aktiven Beitrag gegen das Feuer, weil es unter Hitzeeinwirkung verdampft und dadurch die Temperatur auf der feuerabgewandten Seite der Wand nur sehr langsam ansteigen lässt.

Der Effekt wirkt umso stärker, je dicker die massive Gipsschicht ist. Bereits einschalige Trennwände aus nur 60 mm dicken Gips-Wandbauplatten bilden feuerhemmende Wände (F 30-A). Ab 80 mm Dicke gelten die Wände als feuerbeständig (F 120-A) und ab 100 mm sogar als hochfeuerbeständig (F 180-A). (siehe auch Beitrag "Broschüre von VG-ORTH: Leichte Brandwand aus Gips-Wandbauplatten" vom 7.11.2006)

Gips weist eine Vielzahl von Makroporen mit Durchmessern von bis zu 1 mm auf. Die ruhende Porenluft ist die Ursache für die Dämmeigenschaften des Materials ( λR ab ca. 0,41 W/mK). Gipsoberflächen fassen sich dadurch stets angenehm warm an. Die Makroporen sind außerdem in der Lage, Wasser und Wasserdampf aus der Umgebungsluft aufzunehmen, zu speichern und in trockenen Perioden wieder abzugeben. Der Baustoff puffert auf diese Weise Feuchtigkeitsveränderungen ab und es entsteht ein behaglich trockenes sowie schwankungsarmes Raumklima.

Trennwände aus Gips-Wandbauplatten bieten mit ihrer hohen inneren Dämpfung einen ausgezeichneten Schallschutz. Schon einschalige Wände erreichen bewertete Schalldämm-Maße RW von 35 bis 44 dB. Zweischalige Wände beginnen bei 59 dB und erfüllen damit selbst die erhöhten Schallschutz-Anforderungen für Geschossbauten, Beherbergungsstätten und Krankenhäuser.

Wandfinish ohne Wartezeit

Mit den massiven Gips-Wandbauplatten lassen sich recht wirtschaftlich schlanke Trennwände ohne Wandputz ausführen. Schon beim Versetzen der Elemente entstehen glatte Oberflächen, die anschließend vollflächig oder nur im Fugenbereich verspachtelt werden. Danach sind die Wände malerfertig. Fliesen- oder Natursteinbeläge können mit den heute üblichen Dünnbettklebern aufgebracht werden. Ebenso ist ein direktes Anstreichen oder Tapezieren möglich.

In Abhängigkeit von der vorgesehenen Wandgestaltung kann der Planer die Oberflächengüte der Trennwände aus Gips-Wandbauplatten nach vier Qualitätsstufen Q1 bis Q4 festlegen. Bereits die einfachste Ausführung Q1 ist ausreichend für verflieste Wände. Für die gängigen Tapeten oder Anstriche sollte der Planer vom Verarbeiter die Standardqualität Q2 fordern, die das Feinspachteln aller Fugen und Übergänge beinhaltet. Sind als Wandfinish sehr fein oder gar nicht strukturierte, glatte oder glänzende Wandbekleidungen bzw. Anstriche vorgesehen, lassen sich mit den Qualitätsstufen Q3 oder Q4 Oberflächen mit höchsten dekorativen Anforderungen realisieren. Diese Ausführungen liegen deutlich über dem Standard und müssen im Leistungsverzeichnis ausdrücklich aufgeführt werden. Fachgerecht gesetzte und verspachtelte Gips-Wandbauplatten stellen damit nicht nur wirtschaftliche Lösungen für solide massive Trennwände dar, sondern erfüllen mit ihrer Flexibilität sowie den erreichbaren Oberflächenqualitäten auch gehobene Architekturansprüche.

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