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Theumaer Fruchtschiefer: Viel Wissenswertes bot Sopros Naturstein-Expertenseminar

(1.8.2022) Das Naturstein-Expertenseminar der Sopro Bauchemie GmbH fand dieses Mal am 1. Juni 2022 in Sachsen im Abbaugebiet des Theumaer Fruchtschiefers statt. Die Gruppe mit 25 Personen traf sich am Vorabend im Gasthaus Matsch, dem ältesten Gasthaus Plauens, zum Abendessen und entdeckte schon am Boden des historischen Gewölbekellers große, schwere Bodenplatten aus Theumaer Fruchtschiefer.

Fotos © Sopro 

Am Folgetag referierte die Diplom-Geologin Dr. Ritter-Höll von der Ritter Natursteinberatung und -begutachtung GmbH über die Entstehungsgeschichte und die Namensgebung des Theumaer Fruchtschiefers. Darüber hinaus informierte die öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Naturstein und Vorsitzende der Baukompetenz München (BKM e.V.) über die die Eigenschaften, das Aussehen und den Erhalt der Schönheit des Gesteins.

Fruchtschiefer entstand vor rund 470 Mio. Jahren

... und war damals ein Tonschlamm. Dieser wurde vor rund 340 Mio. Jahren infolge der sogenannten „variszischen Gebirgsbildung“ (Auffaltung) zu einem Schiefer zusammengeschoben. Durch diese Auffaltung konnten in den entstehenden Spalten nach oben Granitmagmen eindringen und blieben stecken („Bergener Granit“). Im unmittelbaren Kontaktbereich zwischen Schiefer und Granit wurden die umgebenden Gesteine kontaktmetamorph beeinflusst - das heißt, dass der abkühlende Granit in den Schiefer bei 200-600 Grad und bis 10 km Tiefe eindrang. Dadurch entstand u.a. das Cordierit-Mi­ne­ral, sichtbar als blaugraue bis grüngraue Kristalle in Form der so genannten Früchte. Früher sah man im Cordierit „Feldfrüchte“, die an Getreidekörner erinnerten. Daher rührt der Name: Theumaer Fruchtschiefer.

Die Schieferung des Gesteins steht im Winkel von 26° bis 40° an. 

Dipl.-Ing.(FH) Sebastian Kammerer, Leiter Anwendungstechnik der Sopro Bauchemie GmbH, informierte über die optimale Verlegung von Natursteinen und lobte den Theumaer Fruchtschiefer, der mit seinen besonders guten Eigenschaften ein sehr geringes Verschüsselungs- und Verfärbungsrisiko aufweist. Für besonders dünne Formate empfahl er für den Innenbereich Schnellkleber wie den Sopros No.1 schnell 404 oder No.1 silver 403.

Für den Außenbereich, z.B. Dachterrassen, gab er den Tipp für eine schwind- und frostfreie, drainagefähige Aufbaukonstruktionen in Verbindung mit einem schnellerhärtenden System wie dem Sopro megaFlex S2 turbo in vollflächiger Verlegung.

Trockenmauer aus Theumaer Fruchtschiefer 

Theumaer Fruchtschiefer zum Anfassen gab es beim geologisch-historischen Rundgang mit Bianca Hallebach, Goldschmiedin und geologischer Wanderwart in Plauen. Sie konnte ihre Begeisterung über den Naturstein und dessen Verwendung als Mauer, Abdeckung, Fassade, in Kunstwerken und in der Sanierung, gepaart mit geschichtlichen Erzählungen, auf die Teilnehmer übertragen, zeigte am Ende der Tour aus Naturstein bestehende Schmuckstücke und überraschte mit einem Stein als Andenken.


Vorbereitung einer hydraulischen Spaltung
  

Den Theumaer Fruchtschiefer bereits ins Herz geschlossen, ging es nun ans Eingemachte: Im Steinbruch Theuma hieß Abteilungsleiter Türk Wünsch die Gruppe herzlich willkommen und führte sie durch den Steinbruch und das Werk. Höhepunkt der Führung war die hydraulische Spaltung eines bereits aus dem Berg gelösten Felsbrockens, eine Spaltung, die besonders bei schieferartig anstehendem Gestein Sinn macht und nahezu geräuschlos vonstatten geht.

Ziel beim Abbau sei es, die natürliche Klüftung des Schiefers im 45-Grad-Winkel anzubohren. Etwa 120-150 Löcher werden pro 500 Tonnen Werkstein gesetzt. Mittels 700 g Schwarzpulver pro Loch werden der Fels gesprengt und damit einzelne Gesteinsbrocken gelockert. Große Steine werden mit der hydraulischen Spaltung aufgespalten und dann im Werk mit den Maschinen weiterbearbeitet.

„Ein Stein verarbeitbar wie ein Weichstein mit den Eigenschaften eines Hartsteins“ sagte Türk Wünsch vom Natursteinwerk Theuma.  Die Eigenschaften:

  • verwitterungsstabil,
  • hohe Beständigkeit gegen Frost und Tausalze,
  • geringe Wasseraufnahme,
  • dadurch geringe Verschüsselungsgefahr bei der Verlegung,
  • gut einsetzbar im Innen- und Außenbereich für Fassaden, Bodenplatten, Arbeitsplatten, Mauern, Treppen…

Schleifen von Rohplatten 

Das Theumaer Natursteinwerk wurde 1899 als Theumaer Plattenbrüche AG und 100 Mitarbeitern gegründet und firmiert heute unter dem Namen Natursteinwerk Theuma GmbH mit 65 Mitarbeitern als international konkurrenzfähiges Unternehmen. Das Verkaufsbüro ist auf den Handel sowie die direkte Beratung von Hausbesitzern oder Architekten ausgerichtet.

Weitere Natursteinseminare im In- und Ausland sind laut Sopro für 2023 in Planung.

Weitere Informationen zur Natursteinverlegung  und zu weiteren Natursteinseminaren können per E-Mail an Sopro angefordert werden.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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