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Jubiläum: 125 Jahre Linoleumproduktion in Deutschland

(2.10.2007; upgedatet am 19.6.2015: Armstrong DLW hat nach Insolvenz Ende 2014 mit der Fields Group eine neue Mutter.) Linoleum ist eines der ältesten und beliebtesten Designprodukte der Bodengestaltung. In Deutschland wird Linoleum ausschließlich in Delmenhorst produziert, und das seit nunmehr 125 Jahren. Architekten, Innenarchitekten und Raumausstatter schätzen Linoleum auch heute wieder(!) als einen modernen und ökologischen Bodenbelag, der zudem ein großes Potenzial zur kreativen Raumgestaltung hat und darüber hinaus viele positive funktionelle Eigenschaften besitzt.

In Delmenhorst produziert der weltweit operierende Bodenbelagspezialist Armstrong qualitativ hochwertige und ästhetisch anspruchsvolle Linoleumprodukte unter dem Label "DLW Linoleum". Für die Region hat die Linoleumproduktion bis heute eine zentrale wirtschaftliche Bedeutung: Die Armstrong DLW GmbH ist mit mehr als 470 Beschäftigten am Standort Delmenhorst der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt (siehe auch Bing-Maps und/oder Google-Maps).

An den Bestandteilen hat sich wenig geändert seit den Anfängen. Zwar hat sich die Produktionstechnik ständig weiterentwickelt und ist heute hochmodern; doch nach wie vor wird Linoleum aus den natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen ...

  • Leinöl,
  • Harze,
  • Farbstoffe sowie
  • Kork- und Holzmehl

... hergestellt. Als Basis dient ein Jutegewebe. Zunächst müssen Leinöl und Harze erhitzt und gut gemischt werden, daraus ergibt sich schließlich der so genannte Linoleumzement. Nach einigen Wochen Lagerung wird diese zähe Masse mit Holz- und Korkmehl sowie Farbe mehrfach durchmischt, geknetet, geglättet und schließlich über Walzen auf das Jutegewebe aufgebracht. In langen Bahnen hängt Linoleum dann zum Trocknen in einer riesigen Halle, bevor diese dann geschnitten und verkaufsfertig auf Rollen gewickelt werden.


Seine lange und wechselvolle Geschichte macht Linoleum zum Klassiker unter den Bodenbelägen. Die Erfindung datiert immerhin aus dem Jahr 1863: Durch Zufall entdeckte der englische Chemiker Sir Frederick Walton, dass sich aus Leinöl, Korkmehl und Harzen ein Bodenbelag herstellen lässt. Mit der Produktion des ersten industriell gefertigten Bodenbelags begann eine große Erfolgsgeschichte, denn Linoleum war leicht zu verlegen und vergleichsweise einfach zu reinigen, es dämmte den Trittschall und isolierte vor Kälte - in den Großstädten des 19. Jahrhunderts ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Ungleich schwerer war der Start in Deutschland: Man betrachtete das in England hergestellte Linoleum mit Skepsis, zumal es teuer verkauft wurde. Um die hohen Zölle zu umgehen, entschlossen sich Investoren, direkt in Deutschland zu fertigen. Als Produktionsstandort bot sich Delmenhorst an, denn hier war bereits eine Kork und Jute verarbeitende Industrie ansässig. Zwischen 1882 und 1898 wurden in Delmenhorst drei Linoleum-Werke gegründet. Die dort produzierte Ware stand rasch für deutsche Wertarbeit und Qualität. Bekannt wurde sie unter den drei historischen Marken "Hansa", "Anker" und "Schlüssel", die 1926 in der heutigen Traditionsmarke "DLW" aufgingen.

Die Delmenhorster Fabriken begannen früh mit Farben und Formen zu experimentieren, schon um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Die Ästhetik des Linoleums machte den Belag Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem bedeutsamen Bestandteil der zeitgenössischen Architektur. Es waren bekannte Architekten, Designer und Künstler, die dem so genannten Inlaid-Linoleum zu anspruchsvollen, oft an den Jugendstil angelehnten Dessins verhalfen (siehe Bild rechts vergrößert). Zu ihnen gehörten Bruno Taut, Carl Eeg, Albin Müller, Henry van de Velde und - allen voran - Peter Behrens. Die von Behrens für die Anker-Werke entworfenen, oft verblüffend einfachen Muster verschafften den Delmenhorster Linoleumfabriken endgültig Weltruf (siehe auch nächstes Bild unten). Mit dem Bauhaus-Stil erlebte Linoleum einen weiteren Höhepunkt seiner Geschichte: Star-Architekten jener Jahre, wie Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius, nutzten Linoleum als wirkungsvolles innenarchitektonisches Gestaltungsmittel und begründeten eine künstlerisch-raumgestalterische Tradition, der sich Armstrong bis heute verbunden fühlt.

Seit den 50er Jahren verdrängten neu entwickelte Konkurrenzprodukte Linoleum fast vollständig vom Markt: Kunststoff-Beläge und industriell gefertigte Teppichböden, später dann Fertigparkett und Kork. Fast überall wurde die Linoleum-Produktion eingestellt, in Deutschland blieb nur ein einziges Werk übrig - in Delmenhorst. Damit aber war der Tiefpunkt überwunden: Mit der Ökologiebewegung und ihrem Bewusstsein für wohngesunde Bau- und Werkstoffe begann die Wiederentdeckung von Linoleum, die bis heute für eine imposanten Renaissance des Bodenbelags-Klassikers sorgt.


Die von Peter Behrens für die "Anker"-Werke entworfenen, oft verblüffend einfachen Muster verschafften den Delmenhorster Linoleumfabriken Weltruf.

Linoleum ist modern, schön, wirtschaftlich, praktisch - und überzeugt Architekten, Inneneinrichter und Raumausstatter durch die Einzigartigkeit des Werkstoffes. Gemeinsam mit ihnen entwerfen Top-Designer Linoleum-Kollektionen, die mit ihren vielen frischen Farben eine unverwechselbare Ausstrahlung besitzen - aktuell stehen bei Armstrong mehr als 130 Farben und 7 verschiedene Strukturen zur Verfügung. Ein echtes Designhighlight ist der unifarbene Belag "Uni Walton", der dem Trend zur puristischen Raumgestaltung perfekt entspricht (siehe auch Bild aus dem Beitrag "Armstrong DLW präsentiert: Kindergarten mit flexiblem Raumnutzungskonzept" vom 15.7.2003).

Verschieden marmorierte oder im Chip-Design gestaltete Linoleumbeläge haben mittlerweile auch den privaten Wohnraum zurückerobert: In Kinder- und Arbeitszimmern ist Linoleum ebenso präsent wie in der Küche. In gewerblich genutzten Bauten spielt der Belag vor allem wegen seiner vielen positiven Eigenschaften eine wichtige Rolle: Linoleum ist ökologisch, ökonomisch, strapazierfähig und reinigungsfreundlich obendrein. Verlegt wird es in Kindergärten und Schulen, in Museen und Bibliotheken sowie in Verwaltungsgebäuden und Krankenhäusern.

Armstrong kreuzt Linoleum mit PUR

Im Rahmen der Weiterentwicklung hat Armstrong den be­währ­ten elastischen Belag (doch) noch einmal verbessert: Linoleum gibt es nun auch mit dem "PUR Eco System". Anstelle der herkömmlichen, entfernbaren Acrylatschicht wird eine Schicht aus vernetztem Polyurethan aufgebracht. Mit der PUR-Vergütung kommt zur Umweltfreundlichkeit eine hohe Kostenersparnis durch Langlebigkeit und Reinigungseffizienz hinzu - ein wichtiges Argument für alle Bauherren und Facility Manager. Ein praktischer Vorteil rundet DLW Linoleum PUR von Armstrong ab: Nach der Verlegung ist keine Einpflege mehr notwendig, der Boden kann sofort genutzt werden. Auch die Grundreinigung in regelmäßigen Zeitabständen kann entfallen. Gereinigt wird der Boden einfach mit einem Alkohol- oder Neutralreiniger, der spürbar preiswerter ist als gewöhnliche Wischpflegemittel (siehe auch Beitrag "Armstrong kreuzt Linoleum mit PUR" vom 4.7.2005).

Das PUR Eco System verbessert zudem die Ökobilanz von Linoleum über seine gesamte Lebensdauer hinweg, weil wesentlich weniger Strom, Wasser und Reinigungsmittel verbraucht werden. Und da nicht nur das Produkt selbst, sondern auch seine Herstellung bei Armstrong strengen Umweltrichtlinien unterliegt, wurde in Delmenhorst eigens ein Umweltmanagementsystem nach DIN ISO 14001 installiert. Der "Blaue Engel" und das bekannte skandinavische SWAN-Label sowie eine Untersuchung des Architekten Prof. Manfred Hegger bestätigen diese Nachhaltigkeit (siehe Beitrag "Ökobilanz für DLW Linoleum von Armstrong" vom 21.11.2007).

Update vom 19.6.2015

Die Geschäftsführung der Armstrong DLW GmbH hat am 11. Dezember 2014 beim zuständigen Amts­gericht in Heilbronn Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzver­fahrens gestellt. Der Insolvenzantrag wurde notwendig, nach­dem die Muttergesellschaft kurz zuvor die Entscheidung getroffen hatte, sich aus dem Bodenbelags-Geschäft in Europa, Russland, dem Mittleren Osten und Afrika zurückzu­ziehen. Mitte 2015 wurde dann bekannt, dass (Armstrong) DLW hat mit der Fields Group eine neue Mutter gefunden hat - siehe Baulinks-Beitrag dazu vom 19.6.2015

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