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Bayerische Ingenieurekammer-Bau: Mit Kooperationen Auslandsaufträge abwickeln

(21.5.2001) Die in der Binnenwirtschaft dokumentierte Kompetenz mittelständischer Ingenieurunternehmen schlägt sich nur unzureichend im Export technischer Dienstleistungen nieder. Dieser Sachverhalt - von Politik, Kammern und Verbänden in den letzten Jahren in zunehmendem Maße in den Vordergrund gerückt - stellt einen besonderen Aspekt der Standortproblematik dar. Ein Umstand, dem sich nun der "Runde Tisch Außenwirtschaft" der bayerischen Consultingwirtschaft widmete. Gemeinsam gingen Vertreter der Branche, der (Bau- und Betreiber-) Industrie, der Kammern und Verbände sowie des Bayerischen Wirtschaftsministeriums der Frage nach, wie mittelständische Ingenieurunternehmen als "global player" auftreten und am "global sourcing" der zunehmend privat finanzierten internationalen Planungsmärkte teilhaben können. Ein nachahmenswerter Ansatz für den Dialog von Politik und Wirtschaft, aber auch zwischen den Ingenieurunternehmen.

Vielfältige Auslandsaktivitäten und Größenvorteile - etwa der US-amerikanischen, englischen oder dänischen Wettbewerber - führen zu einer Degression ihrer Internationalisierungskosten. Der voraussichtliche "break-even point" für einzelne Vorhaben (wie z.B. Flughäfen, Fernstraßen, Pipelines, Seehäfen, Schienenwege, Kraftwerke) wird von der internationalen Konkurrenz zum Teil deutlich früher, als von den deutschen Planern erreicht. Defiziten in der Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Planer soll deshalb die von der Staatsregierung geförderte Clearingstelle an der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau entgegenwirken. Im Verbund von Kammern, Verbänden und Wirtschaftsförderung kommt der Clearingstelle die Aufgabe zu, mittelständische Zusammenarbeit anzuregen und zu fördern.

Als Vorteile von kleinen Ingenieurunternehmen werden häufig deren besondere Qualitätsorientierung, Flexibilität, Innovationsfreudigkeit und die Bereitschaft zur Besetzung von Nischen genannt. Faktoren, die im Einzelfall und von Fachrichtung zu Fachrichtung unterschiedlich große Bedeutung haben.

Die Erfahrung spricht jedoch für die Größenvorteile: "large markets - large firms". Je größer die Unternehmen, desto umfassender ist in der Regel auch deren Internationalisierungsgrad. Die Kooperation zwischen Ingenieurunternehmen wie auch zwischen Bund, Ländern, Bauwirtschaft und Ingenieurunternehmen abgestimmte außenwirtschaftliche Aktivitäten vergrößern die Wettbewerbschancen im Globalisierungsprozess.

Dabei ist auch die deutsche Wirtschaft aufgerufen, weiteres Potential zu erschließen. Gemeinsam mit den Regierungen von Bund und Ländern sollten Unternehmen aus Handel, Industrie und Finanzwirtschaft Möglichkeiten zur Einrichtung eines Fonds zur Finanzierung von Machbarkeitsstudien prüfen.

Ziel ist der "trickle down Effekt": Neue Verfahren und Produkte im High Tech-Bereich diffundieren über den Technologietransfer des deutschen Consultings in die Exportindustrie. Die Ausfuhr von Planungsleistungen kann so zur Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Waren und Dienstleistungen beitragen. Darüber hinaus sind deutsche Großunternehmen aufgefordert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um mittelständische Planer beim Markteintritt im Ausland zu unterstützen. Kooperationsmodelle im Sinne von "Huckepackverfahren", bei denen deutsche Investoren heimische Ingenieurunternehmen bei der Markteinführung "mitnehmen", sind dazu der richtige Weg.

Angesichts der geringen Eigenkapitalausstattung und den im Auslandgeschäft zunehmend geforderten Betreiber- und Konzessionsmodellen zählen staatliche (Ausfall-) Bürgschaften und (Vor-) Finanzierungen zu den unmittelbar von den Ingenieurunternehmen artikulierten Bedürfnissen. Dieser Wunsch leitet sich nicht zuletzt aus den generellen Finanzierungsschwierigkeiten der Branche ab. Consultingunternehmen zahlen in Europa an die Kreditwirtschaft im allgemeinen einen um zwei bis fünf Prozentpunkte höheren Zinssatz als Großunternehmen. Nicht die höhere Zinsbelastung, sondern die unzureichende Verfügbarkeit von Kapital bildet den Kern des Problems. Die Kreditwirtschaft verhält sich restriktiv und orientiert sich an den nur begrenzt vorhandenen dinglichen Sicherheiten, anstatt die Ertragspotentiale von Auslandsengagements zu würdigen.Durch die tatsächlichen oder nur vermuteten Hemmnisse der Internationalisierung wird es den deutschen Consultants erschwert, ihre Vorteile innerbetrieblicher Flexibilität und innovativer Problemlösungen gegenüber ausländischen Wettbewerbern im gebotenen Maße auszuspielen. Diese Faktoren behindern nicht nur das Exportgeschäft. Sie wirken sich zum Teil noch nachteiliger bei weitergehenden Internationalisierungsschritten - z.B. beim Aufbau von Vertretungen und Niederlassungen im Ausland sowie von Joint-ventures und anderen Kooperationsformen - aus. Gerade diese Formen der Internationalisierung sind jedoch zur langfristigen Marktsicherung, zum Know-how- und Ausbildungstransfer sowie zur Sicherstellung von "after-sales services" für die Auftraggeber und Bauherren vor Ort zwingend erforderlich.

Auch in Zukunft wird die staatliche Förderung in Form der Außenwirtschaftsberatung, der Auslandsmesseförderung sowie insbesondere der durch die Clearingstelle initiierten Dienstleistungskooperation der wohl meistgenutzte Förderansatz für Ingenieurunternehmen bleiben. Zum Vorteil der bayerischen Planer gehen die Überlegungen des Freistaats zur Förderung von Dienstleistungsexporten noch weiter. Zu ihnen zählen z.B. der Aufbau von verstärkten Kontakten zur Weltbankgruppe und anderen Entwicklungsbanken. Auch der weitergehende Wunsch der Planer, verstärkt Machbarkeitsstudien zu fördern, um dadurch Märkte zu öffnen und Exportleistungen anzuregen, findet bei der Bayerischen Staatsregierung Unterstützung.

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