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Badtrends 2015

(30.3.2015; ISH-Bericht) „Herzlich willkommen in Ihrem neu­en Bad. Mein Name ist Alisa, und ich bin Ihre digitale Assisten­tin.“ Ein Badezimmer, das mit seinem Nutzer spricht - für die einen ein faszinierender Gedanke, für die anderen undenkbar. Letz­tere dürfen (noch) beruhigt sein: Echte Dialoge zwischen Mensch und Wanne sind bisher nicht bekannt. Jedenfalls wa­ren sie während der diesjährigen ISH nicht zu hören.

Dennoch wird im Bad viel gesprochen. Damit sie ständig er­reichbar sind, haben viele Nutzer ihre Smartphones selbst dort dabei. Nicht zuletzt aber auch, weil die mobilen Alleskönner über drahtlose lokale Datennetze Wasser in die Wanne und die Nachrichten über den Spiegel laufen lassen können - oder einfach für Musik sorgen. Oft sitzen dann die Lautsprecher im Spiegelschrank oder Dusche und Wanne sorgen für den Sound.

Foto: Burgbad (Bild vergrößern)

Warum nicht im Bad kommunizieren? Schließlich ist es laut Vereinigung Deutsche Sani­tärwirtschaft (VDS) ein Ort wie jeder andere, an dem ständige Verbindung zur Außen­welt gepflegt, wenn nicht sogar genossen wird. Raumhohe Fenster und Pflanzen las­sen die Natur einziehen. Kleinmöbel sind als ein Zeichen des Wunsches nach Behag­lichkeit sowie nach guter Gesellschaft eingezogen. Denn auf sie will auch im Bad nie­mand mehr verzichten.

Armaturen formen das Wasser

Andererseits will man dem Alltag entfliehen. Badezimmer verstehen sich immer häufi­ger als Antistressoasen, und das Beste an Einrichtung ist in ihnen gerade gut genug. Auch Armaturen werden als grundlegendes Element der Ausstattung gesehen. Wäh­rend sie früher ausschließlich zum Waschen da waren, formen sie heute das Wasser und reichen es dar – mal mit kraftvollem Schwall, mal mit sanftem Strahl und sparsa­mem Verbrauch. Haben neben den Technikern fantasievolle Designer ihre Finger im Spiel, ist gleichermaßen für spektakuläres Äußeres und viel Gefühl gesorgt.

Foto: Dornbracht (Bild vergrößern)

Die neuen Wasserspender muten leicht und filigran an und kombinieren harte mit wei­chen Konturen. Dabei müssen die Griffe zur Regelung des Wasserflusses nicht zwangs­weise in der Nähe des Auslaufes sitzen, sondern lassen sich losgelöst an einer ande­ren Stelle im Waschtisch integrieren. Knopftechnologie macht dem Hebel Konkurrenz. Und immer öfter werden Modelle mit unterschiedlichen Auslaufhöhen angeboten. So passen sie stets zu den nach wie vor im Trend liegenden hohen Aufsatzwaschbecken, die es in zahlreichen Ausführungen und Materialien gibt.

Überhaupt zählt Individualität ohne Zweifel zu den Wörtern, die im Zusammenhang mit der Einrichtung des Bades am häufigsten fallen. Entsprechend ist das Angebot denn auch so breit und kombinationsstark wie nie zuvor. Immer mehr Markenhersteller mi­schen Linien zu ganz neuen Raumkonzepten. Damit setzt sich die grundlegende Ten­denz aus den Vorjahren fort, Standards den Rücken zu kehren. Das Bad als Designcol­lage, das sich an den Bedürfnissen seiner Nutzer orientiert:

Foto: Duravit (Bild vergrößern)

Mint und Meerestöne, Kupfer und Chrom

Zur offenen und entspannten Atmosphäre passen Akzentfarben wie Mint, Rosé und Apricot. Gut kombinierbares Weiß und Beige eignen sich als Grundton. Weil ebenso problemlos mit anderen Farben zu kombinieren, ist Grau im Begriff, ihnen zumindest auf Augenhöhe zu begegnen. Auch ausdrucksstarke, klare Meerestöne mischen wie­der mit. Dabei kommt die gesamte Palette an Blau- und Grünnuancen zum Tragen bis hin zu kräftigem Petrol. Edle Kupfertöne bringen Glamour in den Raum. Ein Comeback an Möbeln feiert Chrom in Form von optisch dominanten Stangengriffen.

Insgesamt prägen softere Formen und Radien das Design und machen das Bad ein Stück weit kuscheliger. Dem Purismus vergangener Jahre soll die Strenge genommen werden. Beleuchtung sorgt für sinnliche Atmosphäre. Wo schließlich Stimmungen aus­leben, wenn nicht im Bad? Mit moderner LED-Technik lässt sich die Lichtfarbe an Spie­gelschränken stufenlos von hellweißem Tageslicht bis hin zu warmweißem Licht ein­stellen. Und dank einer sensorgesteuerten Heizung kann der Spiegel nicht mehr be­schlagen.

Foto: Ideal Standard (Bild vergrößern)

Der Wunsch nach mehr Geborgenheit und einem naturverbundenen Leben drückt sich ebenfalls in einer um dunklere Oberflächen erweiterten Farbpalette für Echtholzfron­ten sowie großblumigen Furnieren wie Nussbaum Cognac aus. Aber auch Shabby Chic in heller Eiche Vintage ist erlaubt. Neben so viel Natürlichkeit darf auch das besonders langlebige, nachhaltige Material Stahl-Email nicht fehlen. Es wird mehr und mehr für den Waschtischbereich eingesetzt und eröffnet mit eigenständiger Designsprache neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Graphic-Style mit offenen Strukturen

Ebenfalls frischen Wind ins Bad bringt das, was in der Mode mit Graphic-Style be­zeichnet wird und sich am Hochbau anlehnt: Skelettkonstruktionen, die Badewanne und Waschbecken tragen. Filigran in der Form und in der Linienführung überzeitlich üben sie einen besonderen Reiz aus. Industrie-Charme lässt grüßen. Stahl als Träger­medium spielt dabei eine wichtige Rolle. Früher haben Rahmen rundum geglänzt und geblitzt, und die Gestelle waren verchromt. Nun ist die tragende Rolle pulverbe­schichtet entweder Ton-in-Ton oder in einer Kontrastfarbe wie Rosé - siehe auch Bild aus dem Beitrag „BetteLux Shape: Wannen und Becken unverkleidet getragen von Stahlrahmen“ vom 1.4.2015:

Foto: Bette (Bild vergrößern)

Design bis unter den Spülrand

Bei so viel Extravaganz darf das WC nicht mehr stören – auch wenn es aus Platzman­gel für seine Ausgliederung nicht reicht. Das erklärt, warum die Anzahl der Modelle steigt, die ebenfalls schön aussehen, wenn man den Deckel hebt. Ganz aktuell ist ein Spülsystem, das auf einem voll glasierten Kanalsystem basiert. Es leitet einen lücken­losen Wasserstrom vom oberen Rand in die Toilettenschüssel und verleiht mit zwei Düsen dem Spülvorgang zusätzlich noch mehr Kraft. Diese Technologie soll für einen optimalen Wasserfluss sorgen, der die gesamte Schüssel unterhalb des Schlitzes na­hezu 100-prozentig ausspült:

Foto: Ideal Standard (Bild vergrößern)


Foto: Hansgrohe
(Bild vergrößern)
  

So ein sauberes und schön eingerichtetes Badezimmer gilt längst nicht mehr nur als Statussymbol - sondern als Beweis dafür, dass man für seine Fitness und Gesundheit viel tut und investiert. Ein Beispiel dafür ist der Wandel der Kopfbrause von der Düse irgendwo unter der Decke hin zum Wohlfühlregen bringenden Blickfänger.

Andererseits ist Gesundheit eine Voraussetzung dafür, lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Die andere wichtige Kom­ponente: eine Einrichtung möglichst ohne Barrieren.

Barrierefreies Design mit Chic

„Die Menschen“, sagte Jens J. Wischmann, VDS-Geschäfts­führer und gleichzeitig Mitinitiator der Aktion „Barrierefreies Bad“, auf der ISH, „sind mittlerweile bereit, für ein selbstbestimmtes Leben in den ei­genen vier Wänden tiefer in die Tasche zu greifen. Zudem beschäftigen sie sich frü­her damit.“ Einen Teil dazu beigetragen haben die zahlreichen Produktinnovationen und Einrichtungskonzepte der Markenindustrie, die mit Chic daherkommen - vor allem aber mit der Botschaft, allen Generationen Komfort und Sicherheit zu bringen. Die neue Lust am Bad basiert also nicht nur auf purem Genuss, sondern hat einen ernst­haften demografischen Grund..

Wenn man schon dabei ist, zwischen den Zeilen zu lesen, dann darf auch diese Be­obachtung nicht fehlen: Das Badezimmer hat sich in den vergangenen Jahren den an­deren Räumen geöffnet. Nun zieht es sich ganz langsam wieder in die eigenen vier Wände zurück – jedoch nicht, ohne das Beste aus der Nachbarschaft und ihrem Sinn nach Wohnlichkeit und Vielfalt mitgenommen zu haben.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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