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Zollingerdach 2.0

(14.12.2016) Die Wohnungsnot in den 1920er Jahre zwang Architekten und Stadtplaner, möglichst rasch und kostengünstig Wohnungen zu bauen. Bestehende Bautechniken und Verfahren wurden dazu verbessert und rationalisiert. In Merseburg befasste sich Stadtbaurat Friedrich Zollinger damit, Systeme für die fabrikmäßige Massenherstellung von typisierten Konstruktionen zu entwickeln. Er griff das von ihm bereits vor 1910 erprobte Zollbauverfahren, ein schnelles Mauererrichtungsverfahren mit Hilfe typisierter Schalungen und Schüttbeton, wieder auf und entwickelte passend hierzu ein leicht, schnell und kostengünstig zu errichtendes Dach - das Zollingerdach.


Erster Aufbau des modernisierten Zollinger-Bogens in der Bauversuchshalle der HTWK Leipzig. (alle Fotos © Marius Zwigart)

Geringer Materialbedarf, gute Raumausnutzung und ein einfacher Aufbau sind die wesentlichen Merkmale der lamellenartigen Holzkonstruktion. Dennoch konnte die Bauweise sich nicht durchsetzen. Denn das Errichten der kleinteiligen Konstruktion war ausgesprochen zeitaufwendig und somit teuer. Hinzu kam, dass die anspruchsvolle statische Berechnung des Zollingerdaches - zu Zeiten ohne Computer - eine große Hürde darstellte.

Heute arbeiten Wissenschaftler der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig an einer Renaissance dieser Bauweise. „Die Vorteile des Zollingerdaches, vor allem der geringe Materialbedarf bei hoher Traglast und die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffs Holz, sind unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit heute wichtiger denn je“, erklärte Alexander Stahr, Professor für Tragwerkslehre an der HTWK Leipzig, im Rahmen der diesjährigen „denkmal“, der Europäischen Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung, in Leipzig . „Wir haben deshalb mit einem interdisziplinären Team aus Bauingenieur- und Architektur-Studenten erforscht, wie die Konstruktion mit heutigen Erkenntnissen und Herstellungsverfahren verbessert und den aktuellen Anforderungen angepasst werden kann.“


Moderne, rechnergesteuerte Maschinen zur Holzbearbeitung können heute Holz millimetergenau zuschneiden. Die höhere Präzision verbessert merklich die Statik. Weiterhin sind die Herstellungsprozesse in der Lage, die Bauteile bereits so stapeln, dass alle Teile in der richtigen Reihenfolge sortiert sind - eine enorme Zeitersparnis beim Aufbau der Konstruktion. Stahr erinnert sich: „Nachdem wir den Planungsvorgang verstanden hatten, haben wir uns entschlossen, den entwickelten Entwurf real anzufertigen.“ Das fertige Produkt aus über 200 individuell gefertigten Einzelteilen konnte schließlich auf der „denkmal“ 2016 präsentiert werden - fünf Meter lang, drei Meter breit und zwei Meter hoch.

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