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Superwood: recyclingfähige Holzfaserplatten mit Casein-Bindemittel für Architektur und Möbelbau

(22.11.2022) Für die Produktion von Regalen, Schränken und anderen Möbelstücken werden oft mitteldichte Faserplatten (MDF) verwendet, da sie vorteilhafte Eigenschaften haben. Bei Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchte im Raum verziehen sie sich kaum. Und dank ihrer homogenen Struktur lassen sie sich sehr einfach zu Möbelstücken verleimen und sind gut streichfähig. In einem Forschungsprojekt der Designerin Sofia Souidi mit dem Fraunhofer-Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) wurden nun Holzfaserplatten entwickelt, die die Vorteile von MDF aufweisen, aber ohne petrochemische Bindemittel hergestellt werden können. Daher emittieren die neu entwickelten Holzfaserplatten kein zusätzliches gesundheitskritisches Formaldehyd.

Foto © Studio Sofia Souidi 

Bei dem „Superwood-Projekt“ kommt statt üblicher Bindemittel das Milchprotein Casein zum Einsatz, das bereits im alten Ägypten als Klebstoff für den Möbel- und Bootsbau genutzt wurde. Da heutzutage aufgrund strenger Hygieneauflagen allein in Deutschland jedes Jahr rund zwei Millionen Liter Milch entsorgt werden, lässt sich das Casein-Bindemittel ohne Lebensmittelkonkurrenz herstellen.

„Gemeinsam mit der Produktdesignerin Sofia Souidi haben wir ein hochleistungsfähiges, formaldehydfreies Bindemittel auf Casein-Basis entwickelt. Kombiniert mit Holzfasern entsteht daraus ein Material, das wie MDF verarbeitet werden kann – wir nennen es Superwood. Es lässt sich sowohl zu Platten als auch zu Formteilen pressen und kann daher für den Möbelbau und in der Architektur eingesetzt werden“, erklärt Dr. Steffen Sydow, Projektleiter am Fraunhofer WKI. Designerin Sofia Souidi ergänzt: „Denkbar wäre die Herstellung von Platten aus unserem Material, die wie Gipskartonplatten vielseitig und unkompliziert im Innenausbau verwendet werden könnten.“

Ein Ziel der Kooperation zwischen der Designerin und dem Forscher bestand darin, recycelte Holzfasern aus Altholz zu verwenden, um daraus ein Material zu entwickeln, welches selbst vollständig recyclingfähig ist. Darüber hinaus wurde die Beimischung von andersfarbigen Forst- und Produktionsabfällen erprobt. Dadurch lässt sich eine Vielzahl gestalterischer Varianten erzeugen, die den Gedanken des Recyclings visuell transportieren.

In der ersten Projektphase (von Juli 2019 bis August 2021) konzentrierten sich die Forschungsarbeiten auf die Zusammensetzung und Optimierung des Materials im kleinindustriellen Maßstab. Hier konnten vielversprechende Ergebnisse erzielt werden, die in einer zweiten Projektphase (von September 2021 bis August 2022) gefördert von der IKEA-Stiftung auf den industriellen Maßstab übertragen wurden.

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