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Emissionen aus Holzwerkstoffen vor einer Richtlinien-Änderung im Natureplus-Dialog


Foto © Pixabay / Valeria Jannoo

(1.2.2022) Über Emissionen aus Holz und Holzwerkstoffen wird seit Jahrzehnten vehement diskutiert und vor Gericht gestritten. Natureplus hat nun zahlreiche Vertreter unterschiedlicher Standpunkte zusammengebracht. Anlass war die geplante Neufassung der entsprechenden Richtlinie, nach der Natureplus sein Qualitätszeichen an geprüfte Produkte vergibt. Der von der unabhängigen Kriterienkommission des Vereins erarbeitete Vorschlag sieht eine Anhebung entscheidender Parameter für natürlicherweise aus dem Holz ausgasende Stoffe wie Terpene und Aldehyde vor. So soll unter anderem der zulässige Summenwert für flüchtige organische Verbindungen (TVOC) 1.000 µg/m³ Raumluft betragen. Bislang sind maximal 300 µg/m³ für die freiwillige Zertifizierung mit dem Natureplus-Label vorgesehen.

Natureplus reagiert auf Forschungsergebnisse

Der in mehreren europäischen Staaten aktive Verein reagiert mit der Richtlinien-Ände­rung auf mehrere aktuelle wissenschaftliche Studien. Diese sehen in holzeigenen Emissionen deutlich geringere Gesundheitsgefahren als bisher angenommen. Trotzdem will Natureplus nach wie vor für eine gesundheitliche Vorsorge stehen, um Menschen in Gebäuden vor möglichen Gesundheitsschäden zu bewahren: „Neben bestimmten Einzelwerten ist hierfür der VOC-Summenwert nach wie vor ein handhabbarer und anerkannter Parameter“, plädierte Dipl.-Biologe Michael Köhler vom Bremer Umweltinstitut und Berichterstatter der Kriterienkommission für die grundsätzliche Beibehaltung der bisherigen Systematik.

Gefahrenabwehr versus gesundheitliche Vorsorge

In der Online-Anhörung zu den geplanten Änderungen mit mehr als 40 Teilnehmern brachten zahlreiche Berufs- und Umweltverbände, Verbände der Holzindustrie und des Holzfertigbaus sowie Hersteller und Prüflabore ihre Stellungnahmen vor. Diese reichten von der grundsätzlichen Ablehnung produktspezifischer Prüfungen und des Parameters VOC bis zu Vorschlägen für eine vorsichtigere Anhebung der Grenzwerte.

Diskutiert wurde auch über das Prüfverfahren selbst. Dieses entspricht dem Schema des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Baustoffen (AgBB), welches auch Grundlage ist für die Empfehlungen des Umweltbundesamts und für die vor Gericht umstrittenen Regelungen in den Landesbauordnungen entsprechend der Musterbauordnung (MVVTB). Natureplus konnte hier den Unterschied zwischen staatlich notwendiger Gefahrenabwehr und gesundheitlicher Vorsorge aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, wie sie das Natureplus-Qualitätszeichen leistet, deutlich machen.

Neue Richtlinie voraussichtlich im März 2022

Natureplus-Geschäftsführer Tilmann Kramolisch zeigte sich gerade wegen der intensiv geführten Diskussion sehr zufrieden mit der Veranstaltung: „Natureplus als gemeinnütziger, unabhängiger Verein mit klarem Fokus auf Ökologie, Nachhaltigkeit und Gesundheit bringt Akteure ins Gespräch, die ansonsten eher übereinander statt miteinander sprechen. Das geschieht transparent und seriös auf der Basis zeitgemäßer, wissenschaftlicher Erkenntnisse.“

Die Experten der Natureplus-Kriterienkommission wollen nun die eingegangenen Einwände sowie Anregungen prüfen und  die neue Richtlinie voraussichtlich im März 2022 vorstellen.

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