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Institut der deutschen Wirtschaft Köln zur Baukonjunktur: Das Trauerspiel dauert an

(6.12.2002) Die Baubranche steckt in einer tiefen Rezession. Trotz aller wiederkehrenden Prophezeiungen, das Ende der Krise sei in Sicht, läuft es in jedem Jahr noch ein bisschen schlechter als zuvor: auch 2002 werden die realen Bauinvestitionen abermals zurückgehen. Zwar wird die öffentliche Bautätigkeit mehr Schwung bekommen. Der private Wohnungsbau jedoch wird an der geplanten Kürzung der Eigenheimzulage zu knabbern haben.

Eigentlich hatten die Konjunkturforscher für dieses Jahr vorhergesagt, dass die Baukrise - endlich - ihren Tiefpunkt erreichen und das unvermeidliche Minus moderat ausfallen werde. Nichts da - kurz vor Jahresende ist klar, dass sich die Krise weiter verschärft: In den ersten drei Quartalen des Jahres 2002 fielen die um saisonale Effekte bereinigten realen Bauinvestitionen jeweils noch schlechter aus als im vorhergehenden Vierteljahr. Dieser Trend hält sich seit Ende 1999 hartnäckig. In der Krise steckte der Bau zwar schon davor. Aber damals gab es wenigstens für einzelne Quartale ein leichtes Wachstum zu vermelden.

Früher hatte zudem vorrangig die Bauwirtschaft in Ostdeutschland Einbußen hinzunehmen - nach dem Bauboom in den frühen neunziger Jahren normalisiert sich die Lage schlicht wieder. Im vergangenen Jahr schließlich erfasste die Krise auch den Westen. In den ersten neun Monaten 2002 ließ hier die Bautätigkeit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 4 Prozent nach. Dies ist umso dramatischer, als zwischen Flensburg und Garmisch vier Fünftel der gesamten deutschen Bauinvestitionen getätigt werden. Im Osten ging es allerdings noch steiler nach unten: Dort lag das Minus in den ersten drei Quartalen bei 11,6 Prozent.

Wie ernst die Lage in diesem Jahr ist, zeigt die Tatsache, dass der Niedergang keinen Baubereich verschonte:

  • Wohnungsbau: Das eigene Dach über dem Kopf ist nach wie vor der Hauptgrund, Baufirmen zu engagieren; der Wohnungsbau macht weit mehr als die Hälfte der Bauinvestitionen aus. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ging er um 5,4 Prozent zurück, unter anderem weil nach wie vor regional ausgeprägte Wohnungsleerstände die Renditen der Objekte schmälern.
  • Wirtschaftsbau: Hier bewirkten Leerstände und konjunkturbedingter Nachfrageausfall den stärksten Einbruch aller Bausparten. Das Minus lag von Januar bis September bei 6,7 Prozent.
  • Öffentlicher Bau: In Zeiten leerer Haushaltskassen stehen die staatlichen Bauausgaben ganz oben auf der Streichliste der Stadtkämmerer und Finanzminister. Ein Rückgang der öffentlichen Aufträge von 4,5 Prozent in den ersten drei Quartalen zeitigt für die Baubranche spürbare Folgen.

Licht ist für 2003 kaum in Sicht: Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten im Herbstgutachten eine Stagnation der realen Bauinvestitionen; der Sachverständigenrat rechnet gar mit einem Minus von 0,2 Prozent.

  • Allein die öffentliche Baunachfrage dürfte etwas anziehen, denn es gilt, Schäden der Flutkatastrophe des zurückliegenden Sommers in Höhe von rund 4 Milliarden Euro zu beseitigen.
  • Weiterhin Gegenwind dürfte aber der Wirtschaftsbau verspüren. Verschärfte Steuerpflichten lassen den Unternehmen wenig Spielraum für größere Investitionsvorhaben.
  • Ähnliches blüht dem Wohnungsbau: Am Arbeitsmarkt gibt es keine Entwarnung; die Einkommenserwartungen der privaten Haushalte - unabdingbare Voraussetzung für langfristige Baupläne - fallen trübe aus. Höhere Steuern und Sozialabgaben machen sich schon Anfang 2003 auf dem Konto der Häuslebauer in spe bemerkbar.
    Last but not least wird die arg zusammengestrichene Eigenheimzulage Folgen zeigen. Einer Familie mit zwei Kindern würden demnach über die achtjährige Förderdauer gerechnet im Vergleich zu früher 12.000 Euro an Baukapital für einen Neubau fehlen. Wenn der Kabinettsbeschluss den Bundesrat passiert und die Eigenheimförderung nach der alten Regelung in einigen Jahren vollständig ausläuft, dann hofft der Fiskus knapp 5 Milliarden Euro mehr in den Kassen vorzufinden. Die Bauwirtschaft wird dieses Geld schmerzlich vermissen.

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