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Wandstrahlungsheizung und Gipsputze

(13.9.2004) Strahlungswärme, die aus der Wand kommt, wird als besonders angenehm empfunden. Neben diesem eher psychologischen Effekt ergeben sich als Folge der hohen Dämmmaßnahmen (EnEV) immer geringere Leistungsanforderungen an das Heizsystem. Die notwendigen Heizflächen lassen sich hervorragend in Wandflächen integrieren. Gleichzeitig entspricht diese technische Lösung dem aktuellen Gestaltungstrend nach Verzicht auf herkömmliche Heizkörper. Diese "stören" gestalterisch und "verstellen" nutzbare Flächen. Eine kostengünstige Art, sowohl in punkto Investitionskosten als auch Betriebskosten sind Bauteiltemperiersysteme. Solche Systeme, eingebettet in Gipsputze, werden gerne in Museen eingebaut und finden zunehmend Märkte im gehobenen Wohnungsbau und in der Altbaumodernisierung. Gerade hier kann vielfach die bei solchen Bauaufgaben nur mit erheblichen Kosten verbundene Feuchteproblematik erheblich entschärft werden.

Was heißt Bauteiltemperiersystem?

Bauteiltemperiersysteme kommen derzeit häufig in der Denkmalpflege und im musealen Sektor zur Raumklimastabilisierung und zu Heizzwecken zum Einsatz, da hier meist keine flankierenden baulichen Maßnahmen zur Feuchtesanierung der Hüllflächen möglich sind (Dämmmaßnahmen, Horizontalsperren...) und die vorliegende historische Wandsituation möglichst nicht optisch verändert werden soll. Die Erfolge in diesem Sektor sind unbestritten und vielfach bewährt. Aufgrund der Vorteile von Bauteiltemperiersystemen auch in Bezug auf die Gestaltung von Wohnbereichen und das Raumklima, werden derartige Wärmeverteilungssysteme in zunehmenden Maße auch bei privaten Modernisierungen aber auch in Neubauten eingesetzt.

Unter einem Bauteiltemperiersystem verstehen wir den Aufbau eines Wärmeverteilungssystems, das die konsequente Temperierung der Gebäudehülle (Verlustflächen), über ein beheiztes Rohrsystem ermöglicht. Die sogenannten Temperierleitungen werden dabei in der Regel in das Putzsystem integriert und stehen so in direktem Kontakt zu Wand und Putz. Das System wird so ausgelegt, dass eine Beheizung des Objektes ohne zusätzliche Heizflächen möglich wird. Als Rohrmaterial kommt in der Regel Kupferrohr zum Einsatz, es sind jedoch auch Kunststoffverbundrohre möglich.

In den Keller- und in den erdberührten Erdgeschossbereichen ist häufig eine Temperierung auch in den Sommermonaten auf geringem Niveau sinnvoll, damit die Entfeuchtung dieser Bereiche auch in problematischen Zeiten (Hohe Absolutfeuchten) in den sonst unterkühlten Bereichen sichergestellt werden kann (zur Erinnerung: "Der Sommer macht den Keller feucht" vom 12.8.2004).

Hauptvorteile eines Bauteiltemperiersystems

  • Trocknung und Trockenhaltung der Bausubstanz bei der Sanierungsanwendung
  • Unsichtbare Heizflächen (keine optische Beeinträchtigung, Gewinn an nutzbaren Wandflächen)
  • Reine Strahlungswärme, keine Konvektion, "Allergikergeeignet".
  • In der Regel keine baulichen Zusatzmaßnahmen zum Feuchtigkeitsschutz erforderlich (Horizontalsperre...), damit Kosteneinsparung bei der Sanierung.
  • Bei Neubauten in der Regel geringere Investitionskosten als herkömmliche Wärmeverteilungssysteme (Heizkörper, Fußbodenheizung...)

Der Einsatz eines Bauteiltemperiersystems reduziert das Risiko von feuchtebedingten Schäden an Putzsystemen, auch bei schwierigen Gebäudesituationen und ermöglicht in vielen Fällen den Einsatz von Gipsputzsystemen auch in der Altbausanierung.

Gipsputze ideal für Bauteiltemperierung

Ein Forschungsvorhaben an der Universität Kassel hat ergeben, dass Wandheizungen in Gipsputzen mit weit höheren Vorlauftemperaturen betrieben werden können als ursprünglich angenommen - ohne, dass der Putz Schaden nimmt. So lassen sich Knauf MP 75 G/F und Knauf Legito, die Systemputze für Temperiersysteme bis zu einer Vorlauftemperatur von 60°C im normalen Systemaufbau (vollflächige Armierung oberhalb des Rohrsystems mit Gitex) einsetzen. Bei Vorlauftemperaturen bis 70°C ist ein Putzträger (zum Beispiel Armanet) oberhalb des Rohrsystems zu verwenden.

Planung und Auslegung von Bauteiltemperiersystemen

Bauteiltemperiersysteme werden derzeit nur von wenigen Planern in verschiedenen Objekten in enger Zusammenarbeit mit Architekten ins Sanierungskonzept integriert. Dies kann damit begründet werden, dass derzeit weder allgemeine technische Unterlagen zur fachgerechten Auslegung noch DIN-Normen oder dergleichen existieren, die einen breiteren Einsatz möglich machen würden. Derzeit erfolgt die Auslegung nach Erfahrungswerten, die sich die wenigen Anwender im Laufe der Jahre selbst erarbeitet und in vielen Beispielanlagen verfeinert haben. Eine einheitliche Planungsgrundlage besteht derzeit nicht.

Fazit

Die vielfältigen Vorteile eines Bauteiltemperiersystems für die Nutzer und die Bausubstanz werden dazu führen, dass die Einsatzbereiche für Bauteiltemperiersysteme künftig größer werden und nicht nur auf Denkmalpflege und Museen begrenzt bleiben. Vor allem der Kostendruck wird hier neue Chancen vor allem in der Altbausanierung, aber auch im Neubau für das System Bauteiltemperierung/Gipsputz ergeben, die vorbereitet und genutzt werden müssen.

Knauf erarbeitet zurzeit Grundlagen und Verarbeitungsrichtlinien, damit diese Technik auf breiter Front vermarktet werden kann. Sanitär- und Heizungsfachfirmen sowie Stuckateure, Maler und Putzfirmen werden künftig verstärkt kooperieren und zusammenarbeiten, um dieses interessante Geschäftsfeld abzudecken.

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