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Wohneigentumsquote in Europa

(16.9.2012) Aktuelle Zahlen des Statistischen Amtes der Euro­päischen Union (Eurostat) zeigen für 2010, dass in allen 27 EU-Staaten Wohneigentümer die absolute Mehrheit stellen. Das gilt auch für Deutschland, denn die EU-Erhebung zählt die Menschen und nicht die Haushalte. Da Eigentümerhaushalte im Schnitt größer sind als Mieterhaushalte, ist diese Quote eben höher als die haushalts- oder woh­nungsbezogene Wohneigentumsquote, die in den letzten Jah­ren hierzulande zwar merklich gestiegen ist, aber die 50-Pro­zent-Marke immer noch nicht „geknackt“ hat.

DACH am wenigsten mit eigenem Dach

Im europäischen Vergleich sind die Wohneigentumsquoten in Osteuropa am höchsten. Gleichsam im Uhrzeigersinn werden sie über Südeuropa und viele westeuropäische Länder bis in den Norden des Kontinents immer etwas kleiner, unterschrei­ten aber fast überall nicht (oder nicht wesentlich) den EU-Durchschnittswert von 71%. Nur am Tabellenende, in den zentraleuropäischen Staaten Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH), liegt der Anteil der Menschen in eigenen vier Wän­den deutlich unter dem Durchschnitt.

Die Ursachen für die ganz unterschiedlichen Wohneigentumsquoten sind nach Auffassung von LBS Research recht vielfältig. So habe die Wohneigentumsbildung in vielen Staaten Mittel- und Osteuropas nach dem Fall des Eisernen Vorhangs - also in den 1990er Jahren - dank marktwirtschaft­licher Reformen besonders davon profitiert, dass in einem erheblichen Maße Woh­nungsbestände privatisiert und an ihre Bewohner übertragen wurden - teilweise zu sehr geringen Preisen und nicht unbedingt in einem guten Erhaltungszustand. Solche Übertragungen von Wohnungen an die Mieter hat es in Westeuropa in nennenswertem Um­fang in der Vergangenheit nur in Großbritannien gegeben. Außerdem haben eigene vier Wände große Tradition vor allem in Südeuropa - und dort nicht nur in Form des Ein­familienhauses, sondern vielfach auch in Eigentumswohnungen.

Sozialwohnungsbestände versus  freifinanzierten Mietwohnungsbau

In den westeuropäischen Ländern sowie in Skandinavien haben dagegen viele Länder lange Zeit politisch bewusst auf den Mietwohnungsbau gesetzt. Manche dieser Staa­ten verfügen noch heute über erhebliche Bestände im sozialen Wohnungsbau, wie etwa in Großbritannien, wo rund 18% der Bevölkerung in Wohnun­gen mit entsprechend ermäßigten Mieten leben. Auch in Österreich, Frankreich und Irland wohnen rund 15% der Menschen in solchen Beständen, die teils deutlich weniger als Marktmieten kosten. In Deutschland, das nach dem zweiten Weltkrieg sehr stark auf den sozialen Wohnungsbau gesetzt hatte, leben mittlerweile nur noch 7% der Bevölkerung in Sozialwohnungsbeständen leben. Der freifinanzierte Mietwohnungsbau liegt dagegen hierzulande an der europäischen Spitze. 40% der Menschen wohnen hier zu „Marktmieten“. Weitere Länder mit einem nennenswer­ten privaten Mietwohnungsbauanteil (um die 30%-Marke) sind etwa die Nieder­lande, Dänemark und Schweden.

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