Baulinks -> Redaktion  || < älter 2021/0014 jünger > >>|  

Wohneigentumsquote 2018 in Deutschland gesunken

(5.1.2021) In Deutschland ist erstmals seit 1993 der Anteil der Haushalte, die in ihren eigenen vier Wänden leben, wieder rückläufig. Die Wohneigentumsquote lag 2018 nur noch bei 42% - 1 Prozentpunkt weniger als vor fünf Jahren (siehe Beitrag vom 18.7.2016). Dies ist das zentrale Ergebnis einer Analyse der aktuellen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts durch das Berliner Forschungsinstitut Empirica in Zusammenarbeit mit LBS Research.

Zur Erinnerung: Die EVS wird alle fünf Jahre erhoben und ermöglicht u.a. aufgrund der detaillierten Erfassung von Einkommens- und Vermögenskomponenten einen besonders eingehenden Blick auf die Zusammenhänge der Vermögensbildung.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Auch drei Jahrzehnte nach der Wende ist die Entwicklung der Wohneigentumsbildung in Deutschland nicht ohne eine Differenzierung nach Ost und West zu erklären. Während die alte Bundesrepublik in den 1980er Jahren noch große Fortschritte gemacht hatte, gab es im Nachwende-Westdeutschland aber schon Ende der 1990er erste spürbare Dämpfer. In Ostdeutschland wurde der Erwerb einer eigenen Immobilie erst nach der Wiedervereinigung zu einer echten Option. Zwar setzte hier zunächst ein kräftiger Aufholprozess ein, dieser ist nun jedoch ins Stocken geraten - und der Abstand zum Westen ist noch immer groß: Mit gut 36 Prozent lag die Wohneigentumsquote in Ostdeutschland im Jahr 2018 nach wie vor um einiges unter jener von knapp 45 Prozent in Westdeutschland.

Keine Nachwuchseigentümer

Die zuletzt schleppende Entwicklung ist laut LBS Research allerdings kein ostdeutsches Spezifikum, sondern basiert auf gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Phänomenen, die in ganz Deutschland zu finden sind:

Es fehlt vor allem an Nachwuchseigentümern. Dass der Anteil der 70- bis 79-Jährigen in Wohneigentum - wenn auch auf unterschiedlichen Niveaus - in West wie Ost im Laufe der vergangenen 20 Jahre kräftig gestiegen ist, erklärt sich durch einen Generationseffekt: Die westdeutschen Senioren von heute hatten es in jüngeren Jahren vor allem dank ihres Wohlstandsvorsprungs leichter als die Kriegsgenerationen, zu Wohneigentum zu kommen. Und die allermeisten von ihnen wohnen eben auch jetzt noch in jenem Häuschen, das sie oftmals in den 1970er Jahren gebaut haben. Mit einer Wohneigentumsquote von 58% übertrafen die 70- bis 79-Jährigen 2018 alle anderen Altersgruppen in Westdeutschland.

Im Osten der Republik ist es nach der Wiedervereinigung zumindest einigen der heutigen Rentner noch gelungen, Wohneigentum zu erwerben. Heute leben immerhin 36% der 70- bis 79-Jährigen im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung, vor zwanzig Jahren waren es erst 15%. Dass die vergleichsweise kurze Zeit bis zum Ruhestand nicht reichte, um noch den Sprung auf westdeutsches Niveau zu schaffen, ist nachvollziehbar.

In den jüngeren Altersgruppen ist der Ost-West-Unterschied über die Jahre zwar kräftig geschmolzen, allerdings ist vor allem die nachrückende Generation hier wie dort weit weniger erfolgreich bei der Wohneigentumsbildung als die Generation ihrer Eltern. Die eine oder andere Immobilienerbschaft könnte das Bild noch etwas korrigieren, dennoch droht sich der auch als Kohorteneffekt bezeichnete Einflussfaktor in seiner Wirkungsrichtung umzukehren, wie die Schwierigkeiten der aktuellen „Thirtysomethings“ zeigen, vom Mieter zum Eigentümer zu werden: Im Jahr 2008 hatten 34% der Ostdeutschen und 37% der Westdeutschen im Alter von 30 bis 39 Jahren den Sprung ins Wohneigentum schon geschafft, zehn Jahre später galt dies nur noch für 25 beziehungsweise 30 Prozent in diesem Alter.

Der Rückgang der Wohneigentumsquote in der nächsthöheren Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen fällt nicht ganz so dramatisch aus, ist aber ebenso symptomatisch. Denn wirft man einen genaueren Blick auf diese mittlere Generation, wird schnell klar, dass es auch hier Schwierigkeiten bei der Wohneigentumsbildung gibt. So sind die klassischen Familien - Paare mit minderjährigen Kindern - zwar unverändert mit Abstand am häufigsten von allen Haushaltstypen selbst nutzende Wohneigentümer, sie wohnen inzwischen aber nicht mehr ganz so oft in den eigenen vier Wänden: Waren es 2008 in Westdeutschland fast 73% der Familien, sind es heute nur noch knapp 69%. In Ostdeutschland sieht es ähnlich aus.

Kinderlose und Alleinerziehende wohnen öfter zur Miete. Nicht zu trennen sind die altersspezifischen Beobachtungen von veränderten und sich nach wie vor verändernden Lebensumständen.

Was ist heute anders als früher?

Letztlich spielen viele Faktoren eine Rolle, einer der bestimmenden dürfte nach Einschätzung von LBS Research die Akademisierung sein, also der Umstand, dass immer mehr junge Leute eine höhere berufliche Qualifikation durch ein Studium anstreben: Deshalb ...

  • sind sie aus ländlichen Regionen in die Städte gezogen,
  • möchten sie oft auch dort bleiben und arbeiten,
  • führen viele jüngere Menschen wegen der Karriere  Fernbeziehungen und gründen erst später eine Familie oder überhaupt nicht.

Mit diesem Lebensstil verbunden ist zumeist ein langjähriges Mieterdasein.

Konsequenzen für die Politik

Familien benötigen weiterhin Unterstützung, um Kindern ein möglichst behütetes Leben in der Sicherheit des eigenen Hauses oder wenigstens der eigenen Wohnung ermöglichen zu können. Welche Vorteile beispielsweise ein Garten bietet, haben nicht zuletzt die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie gezeigt.

Förderungswürdig ist die Wohneigentumsbildung aber auch, weil sie zugleich Vermögensaufbau bedeutet und vor allem über das mietfreie Wohnen eine bedeutende Komponente der privaten Altersvorsorge darstellt. Wie groß der Vermögenseffekt tatsächlich ausfällt, beleuchtet der im kommenden Jahr erscheinende zweite Teil der Wohn­eigentums-Studie von Empirica für die Landesbausparkassen.

Da der Eigentumserwerb vor allem daran scheitert, dass die Ersparnisse und damit das Eigenkapital vieler frischgebackener Familien nicht mit den explodierenden Immobilienpreisen Schritt gehalten haben, war das Baukindergeld durchaus der richtige Förderansatz und verdient eine Neuauflage in der kommenden Legislaturperiode. Mindern ließe sich der Eigenkapitalbedarf auch durch eine Reduktion der Erwerbsnebenkosten, am ehesten umsetzbar erscheint hier ein Freibetrag für Ersterwerber bei der Grunderwerbsteuer. Gerade für Familien ist es auch wichtig, dass sie bei der Vergabe von Bauland nicht gegenüber dem Mietwohnungsbau benachteiligt werden oder durch eine zu restriktive Handhabe der Baulandausweisung überhaupt nicht mehr an günstige Flächen kommen können.

Die vielen jungen Menschen in den Städten, die den Zeitpunkt der Familiengründung teilweise immer weiter hinausschieben, brauchen zumindest einen Zugang zu Wohneigentum, auch um auf diesem Weg schon einen Einstieg in diesen Baustein der Altersvorsorge zu finden. Was ist dazu nötig? Sparfähigkeit und Sparbereitschaft sind das eine, das andere aber erschwingliche Wohnungen, gerade in den besonders beliebten Schwarmstädten. Auch vor diesem Hintergrund ist das zuletzt viel diskutierte und stark kritisierte Umwandlungsverbot - genauer gesagt: die weitere Begrenzung der Aufteilung von Mietshäusern in Eigentumswohnungen - kontraproduktiv. An ausreichendem Neubau führt allerdings auch kein Weg vorbei.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

ausgewählte weitere Meldungen:

siehe zudem:


zurück ...
Übersicht News ...
Übersicht Broschüren ...

Impressum | Datenschutz © 1997-2021 ARCHmatic - Alfons Oebbeke (XING, linkedin)
ANZEIGE