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Wohnwünsche von Mietern und Eigentümern aus der Pandemie-Erfahrung

(18.11.2020) Kaum war der erste Corona-Lockdown im März beschlossen, begannen die Gedankenspiele zu den künftigen Wohnwünschen der Menschen. Inzwischen steckt Deutschland im zweiten Lockdown, so dass die Bundesbürger wieder mit Kontaktbeschränkungen sowie dezimierten Freizeitmöglichkeiten klarkommen müssen - und das jahreszeitlich bedingt noch mehr zu Hause. Ob und wie sich Wohnwünsche verändert haben, zeigt nun eine von LBS Research beauftragte Befragung von 20- bis 45-Jäh­ri­gen. Berücksichtigt wurden für die folgende Auswertung nur diejenigen, die nicht mehr bei ihren Eltern leben.

Dass die heimischen vier Wände durch die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung gerade im März und April eine verstärkte Aufmerksamkeit erfuhren, war angesichts der Schlangen vor den Baumärkten kaum zu übersehen. Die LBS-Umfrage bestätigt die Beobachtungen: Insgesamt fast 60% der Befragten gaben an, ihr Zuhause umgestaltet zu haben: Gut jeder Vierte hat sich mit Garten oder Balkon beschäftigt, jeder fünfte einen Heimarbeitsplatz eingerichtet und ebenso viele haben ihre Inneneinrichtung verändert.

Viel mehr Homeoffice - und die Folgen

Auslöser dieser Aktivitäten war sicherlich der Umstand, dass die Menschen mehr zu Hause waren: Nur 13% der 20- bis 45-Jährigen gaben an, dass dies bei ihnen nicht der Fall gewesen sei. Wegen und während Corona im Homeoffice gearbeitet haben 44% der Befragten, darunter 28% über einen längeren Zeitraum oder immer noch (Stand August). Vor Corona lag der Anteil der regelmäßig im Homeoffice Arbeitenden an der befragten Altersgruppe nur bei 21%, insgesamt nutzten 35% die Möglichkeit zumindest hin und wieder. Sogar knapp 60% der Umfrageteilnehmer haben im Lockdown und danach mehr Freizeit zu Hause verbracht - fast die Hälfte hat dort Urlaub gemacht, anstatt zu verreisen. Und ein knappes Drittel musste zu Hause ungeplant die Kinder betreuen.

Noch einmal umziehen? Was dann im Vordergrund steht

Vor dem Hintergrund, dass drei Viertel der Befragten davon ausgingen, dass die Coro­na-Pandemie in Deutschland noch für mindestens ein Jahr ein wichtiges Thema sein wird, ist es für Experten nicht überraschend, dass das Gros weitere Veränderungen im Wohnumfeld anstrebt:

  • 17% der Befragten möchten sich einen dauerhaften Homeoffice-Platz einrichten,
  • 16% wollen  etwas an der Inneneinrichtung ändern,
  • Jeweils 13% denken über Malerarbeiten oder neue Tapeten, den Garten bzw. Balkon sowie über eine bessere Internetverbindung nach.
  • Immerhin 8% haben vom aktuellen Zuhause die Nase so voll, dass sie am liebsten umziehen würden.

Die Befragung bestätigt, dass sich die Wohnpräferenzen infolge der Corona-Erlebnisse verschieben könnten:

  • Immerhin 34% aller Befragten wollen bei einem Umzug stärker auf Balkon oder Garten achten.
  • 30% würden lieber günstiger wohnen.
  • 23% hätten gerne mehr Zimmer.
  • Jeweils 17% wünschen sich mehr Möglichkeiten zur Selbstversorgung sowie eine bessere Internetverbindung.
  • Bei jeweils 15% stehen eine bessere Nachbarschaft und „weiter außerhalb wohnen“ auf der Wunschliste.

Viele Wünsche laufen also darauf hinaus, dass es die Bundesbürger tatsächlich verstärkt ins Umland verschlagen könnte, denn dort lassen sich die meisten Ansprüche - einschließlich der geringeren Wohnkosten - eher erfüllen als mitten in der Stadt. Eine bevorstehende Renaissance des abgeschiedenen Dorflebens lässt sich aus den Befragungsergebnissen allerdings nicht herauslesen.

Mieter versus Eigentümer

Viel Platz und einen Garten zu haben, nach Herzenslust renovieren zu können - diese Vorstellungen sind eher mit dem Eigenheim im Grünen als mit der Mietwohnung in der Stadt verbunden. Deshalb richtete sich ein besonderes Augenmerk der Befragung auch auf die unterschiedliche Wahrnehmung der zurückliegenden Monate bei Mietern und Eigentümern. Und tatsächlich finden 40% der Mieter ihre Wohnsituation nach den Corona-Erfahrungen nicht mehr optimal, aber nur 23% der Bewohner eines eigenen Hauses oder einer eigenen Wohnung.

Gerne umziehen würde nur jeder fünfzigste Eigentümer, aber immerhin jeder zehnte Mieter. Dass er oder sie nach einem Umzug alles gerne genauso hätte wie bisher, das sagen zwar 28% der Eigentümer, aber nur 19% der Mieter. Was letztere besonders oft stört und in einem neuen Zuhause dementsprechend besser sein sollte, sind ein fehlender Garten oder Balkon, die zu hohen Wohnkosten und eine zu geringe Zimmerzahl.

Aus dieser Wahrnehmung resultiert bei vielen auch ein Sinneswandel in puncto Wohneigentum: Bei 30% der Mieter ist infolge der Pandemie der Wunsch größer geworden, eine Immobilie zu erwerben.

Finanzielle Aspekte

Alle Wohnträume sind hinfällig, wenn sie nicht zu bezahlen sind. Deshalb wurde auch diese Facette des Themas in der Befragung berücksichtigt. Je nachdem, ob man das Glas eher als halbvoll oder halbleer betrachten möchte, ist es entweder erfreulich, dass 57% der 20- bis 45-Jährigen finanziell unverändert dastehen und 8% sogar über mehr Geld verfügen als zuvor - oder besorgniserregend, dass 32% mit weniger auskommen müssen. Dass dies künftig der Fall sein wird, schätzen sogar 40%, und zwar Mieter wie Eigentümer gleichermaßen. Trotzdem sind Eigentümer etwas besser gepolstert, wie die Antworten auf eine weitere Frage zeigen: So haben 83% von ihnen die Verschönerung ihres Wohnumfelds in den vergangenen Monaten aus eigenen Ersparnissen bezahlt, aber nur 77% der Mieter.

Dazu passt laut LBS Research auch, dass 30% der eigentlich renovierungsfreudigen Mieter auf die Frischzellenkur für das Zuhause verzichten, weil es ihnen an Geld fehlt. Bei den Eigentümern ist Geldmangel mit 20% erst das drittwichtigste Hindernis, gewünschte Veränderungen anzugehen. Häufiger ausschlaggebend sind bei ihnen mit 30 bzw. 25% das Aufschieben ungeplanter Ausgaben aus Gründen der Unsicherheit sowie Zeitmangel.

Ein Umzug kommt für 62% aller Befragten aktuell nicht infrage, weil die Immobilienpreise zu hoch sind. Allerdings tangiert dies „nur“ 52% der Eigentümer, aber 68% der Mieter. Diese Diskrepanz erklärt sich möglicherweise daraus, dass Eigentümer wenigstens ihre ebenfalls im Wert gestiegene vorhandene Immobilie als Eigenkapital mitbringen, während Mieter den gestiegenen Mieten und Kaufpreisen oft ohne ein entsprechend mitgewachsenes Vermögen gegenüberstehen.

Zur Befragung

Für die Untersuchung wurden im August 2020 gut 1.000 20- bis 45-Jährige im Auftrag der LBS West und LBS Research durch das Befragungsunternehmen Feedbaxx zu den Auswirkungen von Corona auf ihr Wohnumfeld und ihre Wohnwünsche befragt. Rund 27% der Befragten wohnten in einer eigenen Immobilie, 60% der Befragten waren Mieter. Die übrigen 13% der Befragten lebten noch bei ihren Eltern, sie wurden für die hier wiedergegebenen Ergebnisse nicht berücksichtigt. Von den Mietern waren 64% kinderlos, von den Eigentümern nur 44%. Zudem waren zum Zeitpunkt der Umfrage lediglich 13% der Eigentümer Singles, aber 37% der Mieter.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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