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Fack ju, Graffiti! Trespa-Schulfassade mit wirkungsvoller Antwort

(18.3.2026) Graffiti auf Fassaden gelten für Bauherren und Planer als besonders problematisch, wenn die Gebäudehülle auf lange Nutzungsdauer, geringe Unterhaltskosten und materialgerechte Beständigkeit ausgelegt wurde. Beim Erweiterungsbau der Gerhard-Thielcke-Realschule in Radolfzell zeigte sich nach einer Sachbeschädigung, dass die Wahl des Fassadenmaterials entscheidend für die Art der Instandsetzung sein kann.

Der 2020 fertiggestellte Erweiterungsbau der Gerhard-Thielcke-Realschule in Radolfzell. (Bild: Susanne Sommerfeld, Konstanz) 

Vandalismus kurz nach Inbetriebnahme

Im Jahr 2020 wurde der auf einem Passivhauskonzept basierende Erweiterungsbau der Gerhard-Thielcke-Realschule seiner Bestimmung übergeben. Geplant wurde das Gebäude von Gerhard P. Maier vom Architekturbüro Bauraum GmbH auf Grundlage einer städtischen Vorplanung, die ein nachhaltiges und nach ökonomischen Prinzipien erstelltes Konzept mit reduzierten Materialien vorsah. Realisiert wurden sechs Klassenräume, ein Physiksaal, ein Mehrzweckraum sowie Räume für das Ganztagesprogramm.

Weniger als ein halbes Jahr nach Bezug des Gebäudes wurden Teile der Fassade im Eingangs- und Giebelbereich sowie Sichtbetonflächen im Inneren mit Graffiti und Permanentmarker beschmiert. Gerhard P. Maier erinnert sich: „Was wie ein Dumme-Jungen-Streich ausschaute, war eine erhebliche Sachbeschädigung, die nicht nur das Gebäude entwertete”. Zugleich bestand Unsicherheit darüber, ob sich die Schmierereien vollständig, dekorgerecht und ohne Beeinträchtigung des Materials entfernen lassen würden. Maier sagt dazu: „Wir mussten auch befürchten, auf hohen Kosten für die Behebung des Schadens sitzen zu bleiben”.

Was wie ein Dumme-Jungen-Streich ausschaute, war eine Sachbeschädigung. (Bild: Gerhard P. Maier) 

Minimaler Aufwand bei der Instandsetzung

Für den Erweiterungsbau war in der Planungsphase eine Vorabstudie mit auf 70 Nutzungsjahre ausgelegter Betrachtung verschiedener Fassadenalternativen durchgeführt worden. Die Entscheidung fiel auf eine energieeffiziente und atmungsaktive hinterlüftete Fassade mit „Trespa Meteon”-Platten. Eingesetzt wurde das Dekor „Tempered Grey NM06” mit matter Oberfläche aus der Kollektion „Naturals”.

Nach der Beschädigung wurde keine Überarbeitung der betroffenen Flächen durch Überstreichen erforderlich. Auch ein Austausch einzelner Platten war nicht nötig. David Hanses, damals Gebietsleiter Fassade und Balkon bei Trespa Deutschland, empfahl eine Reinigung mit Azeton und Wasser. Zur Begründung erklärte er: „Azeton kommt in vielen Pflanzen vor und wird universell als organisches Lösungs- und Reinigungsmittel genutzt”. Die Reinigung konnte durch den Hausmeister der Schule in einer einmaligen, etwa fünfminütigen Aktion durchgeführt werden. Nach Angaben des Unternehmens wurde die Fassade dabei in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Die Schmierereien konnten wirtschaftlich, wirksam und werterhaltend beseitigt werden. (Bild: Gerhard P. Maier) 

Architektur als Träger von Wertschätzung und Ressourcenschonung

Für das Architekturbüro bestätigte der Vorfall die materialtechnischen Eigenschaften der eingesetzten HPL-Platten. Gerhard P. Maier bezeichnet das Ergebnis als „genial” und verweist auf die Oberflächenqualität: „Es handelt sich um eine geschlossene, nahezu porenfreie Oberfläche mit hoher Widerstandsfähigkeit. Aber nicht alle HPL-Platten halten einer solchen Reinigung auch stand.” Aus Sicht der Planung erwies sich die Materialwahl damit nicht nur als technisch belastbar, sondern auch als wirtschaftlich relevant.

Während die Entfernung der Schmierereien auf Sichtbeton mit größerem Aufwand verbunden war, beschränkten sich die Kosten im Bereich der HPL-Fassade im Wesentlichen auf das Reinigungsmittel. Nach Darstellung des Architekten konnte die Stadt Radolfzell daher auf eine Anzeige und auf Schadenersatzansprüche verzichten.

Über die rein technische und wirtschaftliche Wirkung hinaus wurde dem vollständigen Entfernen der Schmierereien auch eine symbolische Bedeutung zugeschrieben. Maier formuliert es so: „Das muss die Täter entmutigen und ihnen ein klares Signal senden, das Grenzen setzt.” Damit wird der Schulbau auch als Ort verstanden, an dem Wertschätzung und Ressourcenschonung nicht nur im pädagogischen Konzept, sondern ebenso in Materialwahl und architektonischer Ausführung vermittelt werden.

Bautafel

  • Projekt: Erweiterungsbau der Gerhard-Thielcke-Realschule, Radolfzell
  • Bauherrschaft: Stadt Radolfzell
  • Planung/Bauleitung: Gerhard P. Maier und Julia Bierbach, Bauraum GmbH Konstanz
  • Bauphase:  April 2019 bis Dezember 2020
  • Fassade: VHF mit „Trespa Meteon”, Dekor: „Tempered Grey NM06”, matte Oberfläche, Kollektion „Naturals”
  • Fassadeninstallation: Zimmerei Martin, Eigeltingen

Weitere Informationen können per E-Mail an Trespa angefordert werden.

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