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Digitalisierung und disruptive Veränderungen auf den Rosenheimer Fenstertagen 2017

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(27.11.2017) Über 868 Teilnehmer aus 14 Ländern erhielten auf den 45. Rosenheimer Fenstertagen in 33 Vorträgen eine Vielzahl neuer und praktisch nutzbarer Informationen, die erstmal „verdaut“ werden müssen.

Bereits bei der Begrüßung von Bernhard Helbing (Vorstandsvorsitzender des ift Rosenheim) und Gabriele Bauer (Oberbürgermeisterin der Stadt Rosenheim) wurde deutlich, dass die Auswirkungen der digitalen Entwicklung rasant auch unser Wohnen und unsere Gebäude erobern. Die Technik kann Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz verbessern. Allerdings müssen sich die Akteure der Fenster- und Fassadenbranche mit der neuen Technik und Details von Antrieben, Sensoren, WLAN, Apps und Steuerungen vertraut machen, um die Chancen zu nutzen. Dass dabei der „Blick auf Wirtschaftlichkeit und bezahlbares Wohnen nicht verloren geht“, war ein wichtiges Anliegen von Oberbürgermeisterin Bauer.

Mehr als nur „Smart Home“

ift-Institutsleiter Prof. Ulrich Sieberath zeigte in seinem Vortrag „Zukunft meistern - mit Wissen, Kompetenz und Mut den Trends von Digitalisierung, Technologie und gesellschaftlichem Wandel begegnen“ die wichtigen Entwicklungen und Konsequenzen für die Branche. Er machte deutlich, dass Digitalisierung nicht nur „Smart Home“ bedeutet, sondern auch neue Vertriebswege über das Internet umfasst und grundsätzliche Fragen für den Einsatz von Bauelementen aufwirft, beispielsweise wenn in es in Zukunft Dank smarter Car-Sharing-Konzepte weniger Bedarf an Garagen und damit auch Toren gibt.


Institutsleiter Prof. Ulrich Sieberath (Foto © ift Rosenheim)

Außerdem wird das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) durch die sinkenden Preise für Sensoren, Antriebe und Elektronik bald auch bei Fenstern und Türen Einzug halten sowie neue Konzepte für Wartung, Instandhaltung oder die Baudokumentation
ermöglichen. Bereits heute sind beim Isolierglas ein Auslesen der Produktdaten sowie von Informationen zur Dichtheit des Randverbundes möglich, und bei Beschlägen können die Schließzyklen, die Belastung und damit der Verschleiß genau ermittelt werden.

Bitte „Smart Home Ready“

Google, Amazon und Co. werden das „Smart Home Rennen“ im privaten Bereich machen, und in der Gebäudetechnik ermöglicht die KNX-Schnittstelle die einfache Anbindung an die Gebäudesteuerung. Deshalb sollten sich Hersteller auf die Automation und Steuerung ihrer Produkte konzentrieren und weniger auf übergeordnete Regelsysteme. Damit Verarbeiter diese Technik einfach nutzen können, forderte Sieberath die Hersteller auf, Lösungen zu entwickeln, die „Smart Home Ready“ und so einfach anzuschließen sind wie ein PC-Drucker via USB-Schnitt­stelle.

Aber auch der Klimawandel macht keine Pause, denn Wetterextreme mit  Hitze- und Kälteperioden, Starkregen und Orkanen nehmen zu und können jeden Fleck dieser Erde treffen. Mieter wie Immobilienbesitzer fragen deshalb  immer häufiger nach „katastrophensicheren“ Fenstern, Gläsern und Türen. In vielen Städten dieser Welt steigt die Luftverschmutzung, und Menschen fragen nach luftdichten Fenstern nicht aus energetischen Gründen, sondern damit die gereinigte Luft im Gebäude sauber bleibt.

International findet die Bauentwicklung in den Ballungsräumen statt. Damit bekommen eine ausreichende Tageslichtversorgung in dauerhaft beschatteten Gebäuden sowie der Brandschutz bei geringen baulichen Abstandsflächen eine große Bedeutung.

Digitale Disruption kommt

Der Plenumsvortrag des gelernten Kriminologen, Buchautors und Innovationsmanagers Dr. Jens-Uwe Meyer (Innolytics GmbH) zum Thema „Digitale Disruption“ machte an vielen Praxisbeispielen deutlich, dass eine digitale Revolution wirklich in Gang ist und sich nicht aufhalten lässt. Digitale Geschäftsmodelle sind oft radikal anders, und Kundenbedürfnisse werden durch die Digitalisierung erst erzeugt. Fitness-Apps, 3D-Drucker oder der Online-Chat mit dem Arzt - das ist die erste Stufe zur digitalen Transformation.

Das, was uns in der nächsten Stufe erwartet, ist digitale Disruption. Sie wird ganze Branchen grundlegend erneuern oder überflüssig machen. Menschliche Kompetenzen werden durch Algorithmen ersetzt. Wer die Mechanismen der digitalen Disruption versteht und sich auf die Logik der digitalen Zukunft einstellt, wird diese erfolgreich mitgestalten.

Unternehmen müssen ein modernes Innovationsmanagement entwickeln, um mit kreativen Mitarbeitern schnell die verborgenen Kundenwünsche zu erkennen und in Geschäftsmodelle umzuwandeln. Hierfür stellte Dr. Meyer vier wichtige Prinzipien vor:

  • Das Smartphone ist immer dabei!
  • Alles was sich über klare Regeln (Gesetze) steuern lässt, machen intelligente Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) schneller, besser und billiger. Die Großen wie Google, Amazon & Co. können das bisher am besten.
  • Digitale Kunden wollen alles sofort (Google lässt grüßen), sind unfair, untreu und wechseln per Klick zum besseren Angebot.
  • Die Vielzahl an verfügbaren Daten (Data Mining) erlaubt treffsichere Prognosen und zusammen mit intelligenten Fertigungsverfahren (3D-Drucker) die individuelle Konfiguration von Produkten (Zielgruppe 1).

Vertrieb via Web

Welche enormen Vertriebschancen sich durch eine moderne Website ergeben, erläuterte Dr. Frederik Lehner (Interconnection Consulting) unter dem provokanten Vortragstitel „E-Commerce am Fenstermarkt - Eurograb oder Umsatzmotor?“. Anhand aktueller Marktforschungsergebnisse und Praxisbeispiele wurden für die Zuhörer schnell die richtigen „Hebel“ erkennbar, mit denen sich Onlineumsätze generieren oder steigern lassen.

Dr. Lehner ließ keinen Zweifel daran, dass Unternehmen ohne Online-Ver­kaufs­strategien keine Zukunft haben. Denn die meisten Fensterkunden informieren sich schon heute vorab über Produkte und Preise im Internet. Kunden wollen Lösungen und keine Produkte; deshalb muss man wissen, was und wie Kunden suchen.

Wer nicht über Google gefunden wird oder nicht sachlich und lösungsorientiert informiert, hat schon heute schlechte Vertriebschancen. Fast alle Zielgruppen tätigen heute mehr oder weniger oft Onlinekäufe und erwarten einen Service wie bei Amazon - das ist die Messlatte für jeden Anbieter. Heute geht das noch individuell über Notebook, Tablet oder Smartphone. Aber bereits morgen wird es heißen „Alexa, schicke mir bitte 5 Angebote für einbruchhemmende Holzfenster in der Abmessung 90 cm x 140 cm“.

Disruptive Veränderungen bei adaptiven Verglasungen

Als ein weiteres Highlight auf den Rosenheimer Fenstertage erwies sich der Themenblock „Adaptive Verglasungen“. Diese bieten gegenüber einem außenliegenden Sonnenschutz bzw. Sonnenschutzverglasungen erhebliche Vorteile, beispielsweise eine einfache und flexible Skalierung des g-Wertes, die Transparenz auch im verschatteten Zustand sowie eine nahezu wartungsfreie Technik und Funktion auch bei starkem Wind.

Lukas Niklaus (Fraunhofer-Institut für Silicatforschung, ISC) vermittelte zunächst die wissenschaftliche Grundlage und gab einen Überblick zu den verfügbaren Technologien für schaltbare Verglasungen. Interessant waren Informationen und Vergleiche zu möglichen g-Werten, Lichttransmissionsgraden, Schaltzyklen und Schaltzeiten, maximalen Abmessungen sowie möglichen Glasaufbauten. Dies ermöglichte den Teilnehmern eine eigenständige Beurteilung und Einschätzung der am Markt verfügbaren Produkte.

Im Anschluss stellte Manfred Dittmar (EControl-Glas) die unterschiedlichen technischen Möglichkeiten und Produkte für dimmbare Verglasungen vor. Anhand von Projektbeispielen wurde deutlich, dass elektrochrome Beschichtungen und Folien marktreif sind und sich bewährt haben. Gerade in schwer zugänglichen Bereichen mit hoher Witterungsbelastung wie bei Schrägverglasungen sind diese Verschattungen bereits heute wirtschaftlich.

... aus dem Beitrag „Dimmbares Glas - anstatt Raffstores - macht Schulmensa hitze- und ballwurfsicher“ vom 27.8.2014

Dr. Johannes Canisius (Merck KG) zeigte danach in seinem Vortrag „Schaltbare Flüssigkristallfenster“ einen Blick in die nahe Zukunft. Die LCD-Technik wird heute bereits millionenfach in Displays von Smartphones, PCs oder der Unterhaltungselektronik eingesetzt. Als führender Anbieter von LCD-Technik plant Merck nun den Einsatz im Baubereich, weil jährlich viele Millionen Quadratmeter Fassaden verschattet werden müssen.

Auch andere Anbieter aus den USA und China investieren hohe Millionenbeträge in die Entwicklung adaptiver Verglasungen für den Baubereich. Es ist absehbar, dass diese bald auch von den Kosten her wettbewerbsfähig werden und sich deshalb auch bei Verschattungen „disruptive“ Veränderungen abzeichnen.

Soweit ein recht kleiner Themen-Ausschnitt der Rosenheimer Fenstertage 2017. Für weitere Informationen gibt es auf im ift-Shop den Tagungsband.

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