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Fliesenmarkt kann von der positiven Baukonjunktur nicht profitieren

(10.6.2019) Bekannterweise entwickelt sich die Baukonjunktur in Deutschland (noch) gut. Impulsgeber war und ist dabei der Wohnungsbau. In diesem Segment ist der baugewerbliche Umsatz 2018 (um +11,5%) ebenso gewachsen wie im Vorjahr. Profitiert haben davon insbesondere kleinere Betriebe mit bis zu 19 Mitarbeitern; größere Betriebe mit 20 Mitarbeitern und mehr konnten dagegen lediglich um 4,9% beim Umsatz zulegen.

Noch bis 2021 weisen die Prognosen für den Neubausektor ein weiteres Wachstum aus. Die Zuversicht beruht dabei auf einem beachtlichen Überhang an bereits genehmigten Bauten, die nach und nach abgearbeitet werden müssen. So trägt die derzeit sinkende Anzahl von Baugenehmigungen lediglich dem Auseinanderfallen von Baugenehmigungen und erfolgten Wohnungsfertigstellungen Rechnung - siehe auch Beitrag „2018 so viele fertiggestellte Wohnungen wie seit 2002 nicht mehr - trotzdem nur 285.900“ vom 29.5.2019.

Von dieser positiven Entwicklung am Bau konnte die keramische Fliese in Deutschland nicht profitieren. Der Absatz keramischer Fliesen war auch in 2018 rückläufig (-3,3%). So mussten im Jahr 2018 selbst die erfolgsverwöhnten italienischen Fliesenproduzenten Absatzeinbußen hinnehmen.  Insgesamt zeigen die statistischen Daten ein sehr unterschiedliches Bild für die verschiedenen Importländer:

  • Während einige Absatz verloren haben (z.B. Italien, China, Portugal),
  • haben andere Absatzvolumen hinzugewonnen (z.B. Spanien, Polen).

Unterm Strich betrugen die Einfuhren ca. 103,6 Mio. m² und liegen somit 0,76% unter dem Vorjahr.

In Deutschland haben sich verkündete Werksschließungen bereits im Jahr 2018 auf das Produktionsvolumen ausgewirkt, das dadurch ca. 4,5% unter dem Vorjahresergebnis lag. Gleichzeitig haben die Exporte 2018 um 3,6% zugenommen; die drei wichtigsten Exportländer waren die Niederlande, Österreich und die Schweiz. Insgesamt ergibt sich folgendes Gesamtbild:

  • Produktion: + 45,1 Mio. m²
  • Import: + 103,6 Mio. m²
  • Zwischensumme 148,7 Mio. m²
  • abzüglich Exporte -27,9 Mio. m²
  • Verbrauch = 120,8 Mio. m²
    (Quellen: Europäische Verbände; Eurostat und StaBuA – teilweise noch vorläufige Daten)

Der Fliesenmarkt 2019 bleibt spannend

Erfreulich ist, dass seit 2008 der Marktanteil der keramischen Fliese an Bodenbelägen von 14% auf ca. 24% gestiegen ist:

Umfragen zeigen, dass keramische Fliesen ein beliebtes Gestaltungselement im Haus- und Wohnungsbau geworden sind. In bestimmten Marksegmenten - z.B. Einfamilienhäusern in Fertigbauweise oder den Niedrig-, Null- oder Plusenergiehäusern - ist eine durchgehende Bodengestaltung mit Fliesen aufgrund ihrer Eigenschaft als Wärmeleiter auf der Fußbodenheizung heute schon mitunter der Normalfall.

Obwohl die Statistiken eine große Anzahl von eingetragenen Fliesenlegern ausweisen, benennen Branchenkenner fehlende Verlege-Kapazitäten als einen der wesentlichen Gründe für die derzeit rückläufige Entwicklung des Inlandsmarktes. In Bereichen, in denen die Verlegearbeiten von anderen Gewerken mit übernommen werden, erobert die Fliese hingegen neue Märkte. Ein Beispiel ist der Garten und Landschaftsbau, wo die neuen Outdoor-Fliesen bzw. Platten in 2cm-Stärke seit ein paar Jahren erfolgreich andere Belagsmaterialien verdrängen.

Die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbands Keramische Fliesen erwarten für 2019, dass sich der Inlandsmarkt überwiegend stabil auf dem Vorjahresniveau entwickeln wird. Peter Wilson, Vorsitzender des Bundesverbands und Geschäftsführer der Steuler Fliesen GmbH, erläutert, welchen Herausforderungen sich die gesamte Branche in den kommenden Jahren stellen muss: „Erhebliche – teilweise geförderte - Überkapazitäten im Ausland, in deren Folge Preise deutlich unter Druck geraten, Veränderungen im Handel und knappe Verlege-Kapazitäten setzen nicht nur den deutschen Fliesenherstellern, sondern allen Markteilnehmern zu. Erforderlich sind also neue Konzepte und Ansätze, die von allen Branchenpartnern entwickelt und getragen werden. Für die deutschen Fliesenhersteller bedeutet das, dass wir unverändert an unserer Imagearbeit für die Fliese festhalten, für die wir seit 2008 jährlich einen Betrag von ca. 200.000 Euro investieren. Mit Blick auf die derzeitige Beliebtheit der keramischen Fliese gehen wir die genannten Herausforderungen zuversichtlich an“.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

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