Wie steht es um die EU-Megaprojekte im Verkehrsbereich?
(26.1.2026) Das Transeuropäische Verkehrsnetz (TEN-V) ist das Rückgrat des europaweiten Straßen-, Schienen-, Binnenschiffs-, See- und Luftverkehrsnetzes. Häufig auch grenzüberschreitende Megaprojekte sind entscheidend, um bessere Anbindungen in ganz Europa herzustellen und Engpässe zu beseitigen. Dazu vereinbarten die EU-Mitgliedstaaten 2013 die Fertigstellung des TEN-V-Kernnetzes bis 2030.
Der nun vorliegende Sonderbericht 02/2026 „EU-Verkehrsinfrastrukturen: Weitere Verzögerungen und einige Kostensteigerungen, doch ein verstärkter Regelungsrahmen für die Zukunft ist eingerichtet (Aktualisierung des Sonderberichts 10/2020 des Europäischen Rechnungshofs)” ist eine Aktualisierung eines Berichts aus dem Jahr 2020 des Europäischen Rechnungshofs.
Untersucht wurden Megaprojekten im Verkehrsbereich, hinsichtlich Entwicklung der Kosten und Zeitpläne:
- Eisenbahnverbindungen: Rail Baltica, Verbindung Lyon–Turin, Brenner-Basistunnel und Baskisches Dreieck
- Wasserstraße: Seine–Schelde
- Autobahn A1 in Rumänien
- Multimodale Verbindungen: Fehmarnbelt-Querung für den Straßen- und Schienenverkehr sowie Eisenbahnverbindung E59 zu Häfen in Polen
Diese Megaprojekte betreffen 13 EU-Länder unmittelbar: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Spanien, Frankreich, Italien, Lettland, Litauen, Österreich, Polen, Rumänien und Finnland.
Annemie Turtelboom, Mitglied des Europäischen Rechnungshofs und für den aktualisierten Bericht zuständig: „Mit den zentralen Verkehrsinfrastrukturen der EU soll Europa neu gestaltet werden, um die Menschen einander näherzubringen und wirtschaftliche Aktivitäten zu erleichtern. Doch drei Jahrzehnte, nachdem die meisten dieser Infrastrukturen entworfen wurden, sind wir noch weit davon entfernt, sie in Betrieb zu nehmen und die angestrebten Verbesserungen im Personen- und Güterverkehr für ganz Europa zu erreichen.”
Starker Anstieg der Kosten
Bei vielen Megaprojekten sei es zu enormen Kostensteigerungen gekommen. Bereits 2020 stellten die EU-Prüfer bei acht untersuchten Megaprojekten einen realen Kostenanstieg von insgesamt 47 % gegenüber den ursprünglichen Schätzungen fest. Heute beziffern sie den Anstieg sogar auf 82 %. Dieser Anstieg sei vor allem auf mangelhafte Finanzplanung zurückzuführen, insbesondere bei Rail Baltica mit einer Kostenexplosion von +160 % in den letzten sechs Jahren und bei der Eisenbahnverbindung Lyon–Turin mit +23 % im gleichen Zeitraum. Beim Kanal Seine–Nord Europe hätten sich die Baukosten seit dem Start des Projekts insgesamt verdreifacht, auch wenn sich der Trend in den letzten Jahren verlangsamt habe (+9 % in den letzten sechs Jahren).
Die Kostensteigerungen haben nicht automatisch Auswirkungen auf die EU-Kofinanzierung, da diese nicht direkt mit den Gesamtkosten verknüpft seien. Dennoch hätten die acht Megaprojekte seit der Prüfung von 2020 zusätzliche EU-Finanzhilfen in einer Gesamthöhe von 7,9 Mrd. Euro erhalten. Insgesamt seien damit für diese Infrastrukturprojekte nun 15,3 Mrd. Euro an EU-Geldern ausgezahlt worden.
Verzögerungen der Zeitpläne
Was die Zeitpläne betrifft, so stellten die EU-Prüfer in ihrem Bericht von 2020 eine durchschnittliche Verzögerung von elf Jahren fest. Der aktuelle Bericht von 2025 zeigt, dass sich die Lage weiter verschlechtert hat: Die fünf Megaprojekte, für die es Daten gebe, lägen nun im Schnitt 17 Jahre hinter dem Zeitplan zurück. Die Eisenbahntrasse Baskisches Dreieck, die ursprünglich bis 2010 und nach dem 2020 überarbeiteten Plan bis 2023 betriebsbereit sein sollte, dürfte nun frühestens 2030 fertiggestellt werden – wobei die Projektträger 2035 für realistischer halten. Die Eisenbahnverbindung Lyon–Turin solle nun 2033 eröffnet werden - geplant war ursprünglich 2015. Die Eröffnung des Brenner-Basistunnels solle nun frühestens 2032 erfolgen, anstelle 2016. Der Kanal Seine–Nord Europe sollte ursprünglich 2010 in Betrieb genommen werden, der Termin sei später auf 2028 verschoben worden, doch nun gelte 2032 als realistisch.
Fazit: Das Ziel, das TEN-V-Kernnetz der EU bis 2030 fertigzustellen, werde zweifellos verfehlt.
Der Sonderbericht 2/2026 steht auf der Webseite des Europäischen Rechnungshofs oder hier zum PDF-Download zur Verfügung
siehe auch für zusätzliche Informationen:
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siehe zudem:
- Betonbau, Rohbau bei Baulinks
- Literatur / Bücher über Betonbau bei Baubuch / Amazon.de

