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DEUS: "Dezentrales Urbanes Infrastruktur-System" für Trinkwasser, Abwasser und Regenwasser

(10.2.2004) „Die historisch gewachsenen Netze für Trink- und Abwasser sind unflexibel und für heutige Bedürfnisse oft zu groß dimensioniert“, stellt Dr. Harald Hiessl unumwunden fest. Der Leiter der Abteilung „Umwelttechnik und Umweltökonomie“ untersucht am Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) u.a., wie sich solche Probleme in Zukunft vermeiden lassen. „Die Größe und der oft marode Zustand der Leitungssysteme sind ein wesentlicher Grund dafür, weshalb in Deutschland rund vier Fünftel der Ausgaben für diesen Bereich in die Instandhaltung und den Ausbau der Netze fließen. Lediglich das restliche Fünftel wird für die Wasseraufbereitung und die Abwasserreinigung aufgewandt.“ Abhilfe verspricht „DEUS 21“. Dieses „DEzentrale Urbane Infrastruktur-System“ gilt als eine bisher in Deutschland einzigartige Form der kommunalen Wasserwirtschaft. Vom Bundesministerium BMBF mit zwei Mio. Euro gefördert, arbeiten hierbei neben Stadtplanern drei Forschungsinstitute und sechs Industriepartner zusammen. Ein Pilotprojekt startet in Heidelberg in einem Gebiet mit Altbauten und ein zweites wird in einem Neubaugebiet von Knittlingen nördlich von Pforzheim umgesetzt. Die kommunalen Gremien vor Ort haben bereits zugestimmt.


In Heidelberg-Neurott (siehe Google-Maps) besteht die Herausforderung darin, dass die Siedlung am stadtrand nicht an das zentrale Entsorgungsnetz angeschlossen werden kann. Aus diesem Grund soll eben für die rund 100 Bewohner eine dezentrale Reinigungsanlage aufgebaut werden. Dabei ist zu gewährleisten, dass das Wasser am Ablauf Werte erreicht, die ansonst nur eine Großkläranlage sicher einhält.

„Im geplanten Neubaugebiet von Knittlingen (siehe Google-Maps) geht das Vorhaben noch über den Ansatz in Heidelberg hinaus“;, betont Professor Walter Trösch vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB). „Hier werden wir zusätzlich das Regenwasser von rund 100 Wohngrundstücken separat sammeln und aufbereite.“ So steht es dann den Haushalten als hygienisch einwandfreies Brauchwasser zur Verfügung; es eignet sich zur Körperpflege, um Geschirr und Wäsche zu waschen, Toiletten zu spülen oder den Garten zu bewässern. Salzfrei wie es ist, kann zudem bei der Heißwasserbereitung auf Entkalkungstechnik und in der Waschmaschine auf Weichspüler verzichtet werden. Des Weiteren wird das häusliche Abwasser zusammen mit den Küchenabfällen über ein Vakuumkanalsystem abgesaugt, gesammelt und biologisch mit integrierter Membrantechnik aufbereitet. Das verwertbare Resultat dieses Vorgangs sind Biogas und Düngesalze.

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