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Spezielle Ziegel tragen optisch, statisch und bauphysikalisch das neue Kolumba-Museum

(12.9.2005) Ausgrabungsfeld, Kapelle und Ausstellungsstätte - das neue Diözesanmuseum "Kolumba" in Köln wird mehr als ein Museumsgebäude (siehe Bing-Maps und/oder Google-Maps). Das Foyer und die Halle über dem Grabungsfeld wurden jetzt anlässlich des Weltjugendtages fertiggestellt und eröffnet. An der architektonischen Verknüpfung von Religion, Kulturgeschichte und zeitgenössischer Kunst unter einem Dach finden seitdem zahlreiche Besucher Gefallen. Der hohe Anspruch an die einbindende Gestaltung gilt auch für die erstellten Außen- und Innenwände aus massiven Ziegeln: "Steine zum Sprechen bringen", so formulierte der frühere Generalvikar Norbert Feldhoff im Jahr 1997 den Wunsch des Bauherrn. Sichtmauerwerk aus "Kolumba-Ziegeln" (Bild unten) dokumentiert in Verbindung mit Hintermauerwerk aus speziell entwickelten hochdruckfesten "Kolumba-Füllziegeln" die bauphysikalischen Qualitäten moderner Ziegel-Bauwerke.

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Nach Ansicht der Lokalmedien handelt es sich um den "vielleicht bedeutendsten Kölner Neubau der letzten 10 Jahre": Das "Kolumba" ist demnach kein Bauwerk für unterschiedliche Nutzungen, sondern sie stehen funktionell nebeneinander und trotzdem gestalterisch in enger Verbindung. Der Museumsstandort hat seine besondere Geschichte. Hier befand sich einst die spätgotische Pfarrkirche St. Kolumba. Die Ruine und die im Jahr 1950 nach Plänen des Architekten Gottfried Böhm am Standort errichtete Kapelle "Madonna in den Trümmern" erinnern an ihre Zerstörung im zweiten Weltkrieg. Archäologische Ausgrabungen im Umfeld der Kapelle brachten bis in die Römerzeit zurückreichende Ziegel-Fundamente zutage.

Stege, Stützen und Mauerwerk

Die Fragmente vorhandener Architektur und Archäologie in den Museumsbau einzubeziehen, war die zentrale Aufgabenstellung des im Jahr 1997 stattfindenden Wettbewerbs. Als erster Preisträger konnte der Schweizer Architekt Peter Zumthor mit seinem Entwurf am meisten überzeugen. Er sah über dem Herzstück des neuen Museums, dem per Stege begehbaren 800 Quadratmeter großen Ausgrabungsfeld, eine überspannende zwölf Meter hohe Halle vor. Das umschließende Ziegelmauerwerk soll schützen, aber gleichzeitig den Kontakt der Ausgrabungsstätte zum Außenklima nicht unterbinden. Oberhalb der Umfassungswände der Kirchenruine ordnete Zumthor deshalb ein licht- und luftdurchlässiges, so genanntes "Filtermauerwerk" an (Bild oben). Durch das Lochmuster strömt Tageslicht in die Ausgrabungsebene und vermittelt ein geheimnisvolles Ambiente:

Diözesanmuseum Kolumba

Filigrane Stützen tragen das oberhalb der Halle befindliche Museum. Sie münden unter anderem in die noch existierenden Pfeiler des alten Kirchturms der zerstörten Pfarrkirche. Das Museum selbst wird nach der endgültigen Fertigstellung aus zwei Ausstellungs-Ebenen mit mehreren Räumen in differenzierter Raumfolge bestehen.

Neue Ziegel auf alten Mauerresten

Das Spannungsfeld aus historischem Mauerwerk und modernen Ziegeln ist ein zentrales prägendes Element des Museums. Das Neue soll nach den Vorstellungen von Zumthor organisch aus dem Alten herauswachsen.

Vom Erscheinungsbild her musste dafür das neue Sichtmauerwerk eine optische Beziehung zum historischen Mauerwerk der einstigen Pfarrkirche bilden. In der Planungsphase wurden verschiedene Ziegel-Muster angefertigt und eingehend begutachtet. Schließlich entschieden sich Architekt und Bauherr für den Ziegel eines dänischen Herstellers, der seitdem als "Kolumba-Ziegel" bezeichnet wird.


Die hohen Anforderungen beziehen sich auch auf die vorgegebenen bauphysikalischen Werte des Hintermauerziegels. Wegen der gewünschten ausgeglichenen Raumfeuchte sollte er eine hohe Rohdichte (1,2 kg/dm³), und Druckfestigkeit (20 N/mm²) mit einer außergewöhnlich hohen Wasseraufnahmefähigkeit von 12 Prozent verknüpfen. Angesichts dieser eigentlich widersprüchlichen Eigenschaften waren eine Ziegelherstellung und Rohstoffe von nachgewiesen hoher Qualität gefordert.

Die Wahl fiel auf den Ziegelhersteller Lücking, einem Mitgliedsunternehmen der Unipor-Ziegel-Gruppe. Der im Werk Bonenburg entwickelte Ziegel ähnelt einem typischen Unipor-Ziegel ohne Verzahnung. Allerdings sind Steinhöhe und Lochbild schon ungewöhnlich. Seine Bezeichnung als "Kolumba-Füllziegel" erhielt er vom Architekten, weil dieser ihn als "wesentlichen Füllkörper zum Sichtmauerwerk" ansieht.

Der Kolumba-Ziegel bildet zusammen mit dem "Kolumba-Füllziegel" einen Mauerwerksverbund mit Überbindemaß. Die besondere Schnitthöhe des Füllziegels, von 15,1 Zentimetern resultiert aus dem Verbund: Drei Schichten Kolumba-Ziegel ergeben zusammen mit drei Lagerfugen von jeweils 1,7 Zentimeter Dicke die Schichthöhe einer Lage "Kolumba-Füllziegel" plus Fuge. "Da das Mauerwerk besonders exakt vermaßt ist, liegt die Toleranz der Abweichung von den geforderten Steinabmessungen bei Null", erklärt Stephan Böddeker vom Unipor-Mitgliedswerk August Lücking.

Handwerkliche Sorgfalt gefordert

Die Maurer des für den Museums-Rohbau zuständigen Unternehmens Heitkamp gehen bei der Erstellung des Ziegelmauerwerks mit ähnlicher Sorgfalt wie der Hersteller vor. Solide handwerkliche Arbeit statt Akkord ist gefragt. Die Art der Mauerwerkserstellung ist in einer langen Liste vorgeschriebener Verarbeitungshinweise festgehalten. So muss eine gleichbleibende Beschaffenheit des speziell auf die Wasseraufnahmefähigkeit des "Kolumba-Füllziegels" abgestimmten Mörtels gewährleistet sein. Grundsätzlich sind alle Stoß-, Lager- und Außenfugen satt und hohlraumfrei auszuführen. Um einen möglichst gleichbleibenden Farbton des Sichtmauerwerks zu erreichen, dürfen Ziegel nicht gleichzeitig aus unterschiedlichen Chargen entnommen werden.

Außer dem Schnurgerüst werden bei der Ausführung des 60 Zentimeter dicken Außenmauerwerks keine Hilfsmittel eingesetzt. Vor dem Einbau achten die Maurer auf die ausreichende Vornässung der Steine. Grobe Verschmutzungen werden noch vor dem Abbinden des Mörtels entfernt. Zum Schutz vor Witterungseinflüssen decken die Verarbeiter gelagerte Ziegel und erstellte Mauerwerksteile stets mit einer Folie ab.

Gesamteröffnung im Jahr 2007

Vom Wettbewerb im Jahr 1997, über die Grundsteinlegung durch Joachim Kardinal Meissner im Jahr 2003 bis zur endgültigen Eröffnung im Jahr 2007 ist es ein langer Weg. Die Eröffnung des Museums verläuft angesichts seiner Nutzungs-Vielfalt in Etappen. So ist die sanierte Kapelle schon seit Dezember 2004 wieder für den Publikumsverkehr freigegeben. Im August kamen anlässlich des Weltjugendtages als weitere fertiggestellte Bauabschnitte das Foyer und die Halle über dem Ausgrabungsfeld hinzu.

Obwohl noch nicht gänzlich fertiggestellt, ist der Erfolg des Projektes gewiss. Das Museum zieht mit seiner ungewöhnlichen architektonischen Lösung schon jetzt zahlreiche Besucher aus nah und fern an.

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